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Das Berliner Alte Museum zeigt die Ausstellung „Starke Typen. Griechische Porträts der Antike“ bis zum 02. Februar 2020

Bildnis des athenischen Strategen Perikles, © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Johannes Laurentius

Dargestellt wurden einst Standardfiguren, die nicht die wirkliche Person, sondern deren Bedeutung und Rolle wiedergeben

Portraits waren bei den Alten Griechen etwas anderes als wir es heute vom Fotografieren oder von der Malerei gewohnt sind: dargestellt wurden nicht die individuellen Züge einer Person, sondern deren soziale Stellung und auch deren Rolle in der Gesellschaft. Zudem wurde nicht nur der Kopf mit dem Gesicht in Marmor oder als Bronzeguss präsentiert, sondern der ganze Körper.

Mit diesem Aspekt der altgriechischen Kultur beschäftigt sich die Ausstellung „Starke Typen. Griechische Porträts der Antike“ bis zum 02. Februar 2020 im Antiken Museum auf der Berliner Museumsinsel. Sie bespielt zwar nur einen Raum, zeigt aber zahlreiche bedeutende Beispiele für die Kunst der Antike, darunter einige, die man aus den Lehrbüchern der Geschichte oder aus der Schule kennt.

Schon von den Ägyptern ist bekannt, dass sie ihre Pharaonen als Standardgestalten darstellten: mit seitlich gestellten Augen, dem dreieckigen Rock und mehr. Individuelle Züge der Personen sind nicht erkennbar. Die persönlichen Informationen lieferten die Namenskartuschen, die in Hieroglyphen über das Leben und die Bedeutung des Porträtierten berichten.

Bei den Griechen tauchen etwa ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. Figuren von lebenden oder verstorbenen Personen auf. Dabei kam es ebenfalls nicht auf die äußere Ähnlichkeit des Abbilds mit dem Original an. Vielmehr gab es Standards der Darstellung, die an der Auffassung ausgerichtet waren, dass zum Beispiel in einem schönen Körper ein edler Geist zuhause ist und umgekehrt.

Bildnis des athenischen Staatsmanns Demosthenes, © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung, Foto: Universität zu Köln, Archäologisches Institut, CoDArchLab, Philipp Groß

Für den erfolgreichen Mann gab es die Blaupause der nobel stehenden Person im Mantel und mit langem Stock; die geachtete Hausfrau wurde in der Blüte ihrer Jahre, aber sitzend dargestellt; Greise saßen ebenfalls; junge Männer erschienen als nackte Athleten.

Anhand von Accessoires konnte man aber die Rolle der Person in der Gesellschaft ablesen: Krieger trugen den Helm, natürlich nicht in Kampfposition, sondern in die Stirn geschoben.

Um wen es sich in Wirklichkeit handelte, verriet nur die Inschrift meist am Sockel der Ganzkörperstatue.

Das änderte sich mit Alexander dem Großen, der sich als junger und ungestümer König darstellen ließ und statt des obligatorischen Bartes eine Löwenmähne trug. „Rasur wurde seither zur allgemeinen Mode, auch für ältere Männer“, heißt es in den Presseunterlagen. Aber: „Philosophen und andere Denker behielten ihre Barttracht bewusst bei.“

Zum Vergleich: heutzutage ist seit Sartre bei dieser Personengruppe (und genauso bei Architekten) schwarze Kleidung beliebt.

Experimenteller und rekonstruierender Nachguss der Bronzekriegers von Riace. © ghaus Skulpturensammlung, Dauerleihgabe des Museo Nazionale Archeologico Reggio Calabria, Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main, Polychromy Research ProjectLinks: Experimenteller und rekonstruierender Nachguss des Bronzekriegers Riace B, Vorderansicht Kopf. Rechts: Experimenteller und rekonstruierender Nachguss des Bronzekriegers Riace A, Vorderansicht Kopf. © Liebieghaus Skulpturensammlung, Dauerleihgabe des Museo Nazionale Archeologico Reggio Calabria, Fotos: Hans R. Goette

Ein Highlight der Ausstellung sind die beiden übermannshohen Bronzefiguren der Krieger von Riace. Sie stammen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. und waren 1972 vor der Küste der Provinz Reggio Calabria in Italien gefunden worden. Nur wenige solcher monumentalen Kunstwerke sind erhalten geblieben – meist wurden sie nach einer Weile eingeschmolzen und das Material neu verwendet.

Diese beiden sind mit großen Aufwand im Museum Liebieghaus in Frankfurt/Main mitsamt der Waffen und Accessoires experimentell wiederhergestellt und von der Firma Strassacker neu gegossen worden. Auch die Farbigkeit der Originale wurde ergänzt. Die Nacktheit gibt auch hier nicht wirklichen Aufzug des Kämpfers für die Schlacht wieder, sondern steht für sein Heldentum.

Ein Detail sind die Locken im Haupt- und Barthaar, die einzeln gegossen und angelötet wurden.

Deren Feinheit der Darstellung ließ sich mit Marmor natürlich nicht erreichen. Dennoch wurde der Naturstein irgendwann das bevorzugte Material für die Porträts, und es etablierte sich eine regelrechte Industrie, wie Andreas Scholl, Direktor der Berliner Antikensammlung bei der Pressekonferenz sagte.

Dennoch sind auch in Stein nur wenige der griechischen Originalfiguren erhalten geblieben, und wenn, dann auch nur als Kopf ohne Körper und Sockel. Denn Römer schätzten nur diese Teile und stellen sie ihn ihren Häusern als Zeichen für Bildung und Geschmack auf. Massenweise wurden auch Kopien der Portraitköpfe gefertigt.

Einige von ihnen stehen heute in unseren Museen.

Beobachtung am Rande: so wie es bei den antiken Griechen wohl auch als heldenhaft galt, dass ein Held den Helm nicht abnahm, sondern nur zurückschob, so gilt es seit einigen Jahren weltweit als schick und modern, wenn jemand die Brille in die Haare schiebt.

Die Ausstellung zeigt neben Werken aus den Beständen der Berliner Antikensammlung hochkarätige Leihgaben aus der Glyptothek München und eben die beiden Figuren aus dem Liebieghaus in Frankfurt.

Ausstellung „Starke Typen. Griechische Porträts der Antike“ bis zum 02. Februar 2020 im Alten Museum, Berlin

(20.06.2019)