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Multimediaguide „Vom Olymp bis zum Hades. Antike Emotionswelten“ von Augsburger Studenten

Laokoon, Marmor, vermutlich 1. Jahrhundert n. Chr. Foto: Abgussmuseum

Welche Emotionen wollten die antiken Künstler wecken? Und: können wir sie heute noch nachvollziehen?

Zum Beispiel der Vater mit seinen Söhnen, umschlungen von zwei Würgeschlangen: „Wir spüren förmlich den Schmerz Laokoons“, sagt der Sprecher, „wir leiden mit und fragen uns: Was wird als nächstes geschehen?“ Studenten des Augsburger Masterstudiengangs Kunst- und Kulturgeschichte an der dortigen Universität haben einen Multimediaguide erstellt, der zu berühmten Kunstwerken der Antike die Frage stellt, was sie wohl ehemals emotional ausdrücken sollten und was wir davon heute noch mitbekommen.

„Feel it still? Emotionale Bilder und Antike“ war das Thema des Forschungsseminars unter der Leitung von Prof. Dr. Natascha Sojc (Klassische Archäologie).

Die Studenten kamen dabei zu dem Schluss, dass es wohl einerseits das Anliegen der Schöpfer der Skulpturen war, dem Bedürfnis der Zeitgenossen nach starken und eindeutigen Gefühlen wie Angst oder Liebe zu entsprechen. Andererseits aber, so ihre Vermutung, schätzten die antiken Betrachter auch, wenn sie in ambivalente Gefühlslagen versetzt wurden.

Das heißt für Laokoon: einerseits fühlt, wer die Story kennt, die Trauer um den tapferen Mann, der die Trojaner vor der List des Odysseus mit dem Pferd warnte und dafür von der Göttin Athena mit den Schlangen bestraft wurde. Andererseits mag man zumindest als Römer damals auch eine Erhebung gespürt haben, weil doch laut Homer Aeneas die Szene mit angesehen hatte, den Untergang ahnte, sich nach Italien absetzte und dort das römische Reich gründete.

Sprung in die Gegenwart: zum Beispiel in einem Drehbuch sind die Personen dann besonderes interessant, wenn sie nicht nur gut beziehungsweise böse sind, sondern Brüche haben und zwischen sympathisch und unsympathisch hin- und herwechseln.

Der Multimediaguide mit dem Titel „Vom Olymp bis zum Hades. Antike Emotionswelten“ enthält Hörbeiträge zu 10 antiken Exponaten des Münchner Museums für Abgüsse Klassischer Bildwerke (M.F.A). Sprecher sind die Profis des Studios Schwaben des Bayerischen Rundfunks.

Die Beiträge können auch online auf der Webpage des Abgussmuseums abgehört werden.

(30.06.2019)