www.stone-ideas.com

Die Steinzeitmenschen betrieben ein „Upcycling“, wenn eines ihrer Feuerstein-Werkzeuge zerbrochen war

Feuerstein-Splitter und Steinzeit-Werkzeug, gefunden in England. Foto: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Damit reagierten sie nicht auf eine Knappheit des Materials, sondern stellten sich einen Werkzeugkasten für vielfältige Aufgaben zusammen

Schon die Menschen der Steinzeit betrieben „Upcycling“: brachen ihre Werkzeuge aus Feuerstein auseinander, zum Beispiel Äxte oder Beile, benutzten sie die kleinen Bruchstücke gleich weiter, um damit feinere Arbeiten auszuführen. Überraschend dabei: Sie taten das nicht nur, wenn Feuerstein knapp war, sondern als generelle Alltagsstrategie.

Solche Vermutungen anhand von Funden aus Höhlen in Spanien und Nordafrika sind nun durch detaillierte Analysen aus der Qesem Höhle in Israel bestätigt worden. Diese unterirdische Fundstelle vor den Toren von Tel Aviv war im Jahr 2000 zufällig bei Straßenarbeiten entdeckt worden.

In ihrem Karst herrschten über Jahrtausende außergewöhnliche Bedingungen, so dass Fundstücke von vor Tausenden von Jahren nahezu unberührt überdauerten.

Die aktuellen Forschungen wurden gemeinsam von der Postdoktorandin Dr. Flavia Venditti und den Professoren Ran Barkai und Avi Gopher geleitet. Alle drei sind Mitglieder der Abteilung für Archäologie und Alte Kulturen an der Tel Aviv University (TAU). Die Arbeiten erfolgten in Kooperation mit Prof. Cristina Lemorini (Universität Sapienza, Rom).

In Experimenten an der Tel Aviv University stellten die Forscher nach, wie man mit Feuerstein-Bruchstücken Wurzeln zum Kochen vorbereiten kann. Foto: Flavia Venditti/AFTAU

„Mit Hilfe von mikroskopischen und chemischen Analysen haben wir herausgefunden, dass die kleinen und recycelten Werkzeuge speziell genutzt wurden, um Pflanzen oder tierische Ressourcen wie Fleisch, Fett oder Knochen aufzuarbeiten“, erklärt Venditti.

Dabei wurden die Bruchstücke im Tandem mit anderen Utensilien eingesetzt. Sie waren Teil eines steinzeitlichen Werkzeugkastens, wo jedes Element sein ganz spezielles Einsatzgebiet hatte.

„Das Recycling von Werkzeugsplittern geschah dabei nicht nur gelegentlich und zufällig, sondern ganz gezielt und bewusst, und auch dann, wenn ausreichend Feuerstein zur Verfügung stand“, sagt Venditti.

„Wenn also ein großer Stein kaputtgegangen war, suchte man aus den Bruchstücken die kleinen Stücke mit scharfen Kanten und passenden Formen heraus, um so schnell und quasi nebenbei Werkzeuge für andere Aufgaben zu bekommen“, so Venditti.

Die Studie wurde im Journal of Human Evolution veröffentlicht.

(09.07.2019)