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Mondlandung vor 50 Jahren: einerseits ein Sehnsuchtsort, andererseits möglicherweise ein gefährlicher Platz im All

Eines der wichtigsten Gemälde der Romantik: „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“, Caspar David Friedrich (1774-1840). Quelle: The MET / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>Blue Marble. Photo: Nasa / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Die Apollo-Astronauten und russische Missionen brachten mit dem Gestein vom Erdtrabanten wichtige Grundlagen für neue Theorien mit

Ein Sehnsuchtsort war der Mond seit Menschengedenken, weit mehr als die Sonne, die zwar der Erde das Leben spendet, aber auch Feuer und Verdursten auslösen kann. Doch gab es reichlich Bedenken, was die Raumfahrer von Apollo 11 bei ihrer Landung am 21. Juli 1969 um 3:56 MEZ dort oben in etwa 380 000 km Entfernung vom Heimatplaneten erwarten würde:

* Würden sie vielleicht verhext? Schließlich bewegt der Mond aus der Distanz die riesigen Gezeiten in den Ozeanen und macht mit seinem vollen Gesicht manche Leute süchtig.
* Was war es mit diesem Gesicht und mit dem Mann in Mond? Gab es vielleicht doch geheimnisvolle Bewohner, die sich auf die Rückseite zurückgezogen hatten?
* Würden die Astronauten Krankheitskeime mitbringen, die die ganze Welt verseuchen könnten?

Die Mission von Apollo 11 mit den Astronauten Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins zeigte jedoch, dass alle Bedenken unbegründet waren. Immerhin steckte die Nasa ihre Heimkehrer für eine Weile in Quarantäne.

Was das Apollo-Programm im Wesentlichen brachte, war ein völlig neuer Blick auf die Erde: es erfüllte die Terraner spätestens bei Apollo 17 mit Ergriffenheit, als sie ihren Heimatplaneten wie eine blaue Murmel in der schwarzen Tiefe des Alls hängen sahen.

Genauso magisch war zuvor das Foto „Die Erde geht auf“ gewesen, mit der wüsten Mondoberfläche im Vordergrund. Beim Blick von weit draußen erkannten die Terraner die Zerbrechlichkeit ihrer Lebensgrundlage.

Damals kam das Zeitalter der unbegrenzten Machbarkeit zu einem Ende, das 200 Jahre vorher mit der Dampfmaschine von James Watt begonnen hatte.

Doch 1972 verkündete der Club of Rome, dass die Ressourcen auf der Erde begrenzt seien, und die Umweltkonferenz von Stockholm stellte resignierend fest, dass wir nur eine Erde haben.

Anhand der 382 kg Apollo-Mondgestein und der 326 Gramm von sowjetischen Lunar-Sonden wurden wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse über die Erde und ihren Trabanten gewonnen. Da die Gesteine beider Himmelskörper sich sehr ähnlich sind, sagt die aktuell gängige Theorie, dass es in der Frühzeit einen Zusammenstoß eines Himmelskörpers in der Größe des Mars mit der Erde gegeben haben muss, bei dem der Mond aus der Erde herausgeschleudert wurde.

Übrigens: unabhängig voneinander untersuchten Wissenschaftler die Proben der Missionen der USA und der UdSSR und fanden die auffallenden Übereinstimmungen heraus – was wohl ein endgültiger Beweis dafür ist, das die Mondlandung wirklich stattgefunden hat und nicht von der Nasa in der Wüste nur nachgestellt wurde.

Große Unterschiede gibt es beim Staub oder Sand auf beiden Himmelskörpern. Der Mondstaub ist nämlich so scharfkantig, dass er leicht die unterste Lage der Astronautenschuhe zerschneidet. Alle 12 Personen, die auf dem Mond herumspaziert waren, berichteten nach Rückkehr in die Landefähre von einer Art von „Heuschnupfen“, der ihnen zu schaffen machte.

Die National Cathedral in Washington DC hat ein „Space Window“, gestaltet vom Künstler Rodney Winfield. Später kam ein Stückchen Mondgestein (7,18 Gramm) in der Mitte dazu. Foto: Nasa

Der Hintergrund für dieses Kribbeln in der Nase liegt im Fehlen einer starken Atmosphäre auf dem Mond: während auf der Erde Wind, Wetter und Wasser alle Gesteinsstücke rundlich formen, bleibt auf dem Mond alles so spitzig, wie es bei einem Meteoriteneinschlag entstanden ist.

Nachdem in den Jahrzehnten seit dem Ende des Apollo-Programms der Aufbruch zu neuen Ufern im All nicht mehr großes öffentliches Interesse fand, gibt es nun wieder einen Umschwung: die USA verkünden in einem Video „Wir machen uns bis 2024 zum Mond auf, um dort zu bleiben“. Derzeit erkundet eine chinesische Roboterfähre die Rückseite des Erdtrabanten. Viele Länder haben neue Raumfahrtprogramme aufgesetzt, die den Mond als Zwischenstation für weiterreichende Expeditionen nutzen wollen.

Zu den zentralen Herausforderungen solcher Missionen gehört, die Raumfahrer vor der gefährlichen Strahlung im All zu schützen. Auch müssen Technologien entwickelt werden, wie die Raumreisenden aus den Gegebenheiten vor Ort ihr Leben gestalten können.

Um vielleicht mit dem Staub der Himmelskörper Unterkünfte zu bauen, werden neue Methoden des 3D-Druckens entwickelt. Damit man das auf der Erde testen kann, haben Labore künstlichen Staub vom Mond oder vom Mars entwickelt, so genannte „Simulanten“. Die kann man übrigens auch im Handel kaufen.

Wasser soll als Eis im Mondgestein hinreichend vorhanden sein.

Groß sind die Erkenntnisse schon zu Langzeit-Aufenthalten im All. So hatte die Nasa einen ihrer eineiigen Astronauten-Zwillinge für 340 Tage zur internationalen Raumstation geschickt. Veränderungen in seinem Körper wurden minutiös mit dem Zustand seines Bruders auf der Erde verglichen und sind im Magazin Science veröffentlicht worden. Kurz gesagt: es gab geringe Veränderungen, aber die haben sich nach der Rückkehr schnell wieder zurückgebildet.

Es gab sogar schon Architektenwettbewerbe für ein Monddorf oder für Bauten auf dem Mars.

Wieder durchlaufen Astronauten Trainingscamps, wo sie an Seilen hängen, die die verringerte Schwerkraft auf Mond und Mars nachstellen.

Jedoch kann man einen großen Unterschied in der Stimmung heute zur Raumfahreuphorie aus den 1960ern feststellen: aktuell redet niemand mehr davon, woanders eine neue Zivilisation zu gründen, vielleicht sogar eine besser Welt zu starten.

Das Zeichen für diesen Verlust an Optimismus findet man in der Raumfahrt selbst: der erdnahe Orbit ist schon verschmutzt und militärisch aufgerüstet. Die Übel unserer Zivilisation hatten die Raumfahrer im Gepäck dabei.

Nasa video: „We are going to the moon, to stay, by 2024

Nasa: Mondgestein

ESA: Moonstaub

Ein Video vom Start von Apollo 11 lässt die Energie ahnen, mit der die Rakete ins All geschossen wurde.

Im August 1970 schickte die Nasa 4 Astronauten ins Nördlinger Ries, die im Krater dort geologische Ortsbegehungen trainierten. Das Rieskrater-Museum zeigt bis März 2020 dazu die Ausstellung „Apollo – 50 Jahre Mondlandung“.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat zahlreiche Informationen zur Mondlandung auf einer Webpage bereitgestellt.

(21.07.2019)