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Rohe Schieferplatten sind das bestimmende Material des diesjährigen Serpentine Pavilions im Londoner Hyde Park

The Serpentine Pavilion 2019. Foto: Iwan BaanThe Serpentine Pavilion 2019. Foto: Norbert Tukaj

Kritiker beklagen: die Installation des japanischen Architekten Junya Ishigami erreicht nicht das Niveau der Arbeiten in den Jahren vorher

Der Serpentine Pavilion dieses Jahres erinnert aus der Distanz an eine langgezogene Schüttung von Schieferabfall, wie man sie überall vor den Schiefergruben zum Beispiel in Wales findet. Diesmal war der japanische Architekt Junya Ishigami eingeladen worden, sich mit einer Arbeit zu zeigen. Die Installation, zu der jedes Jahr ein junger und viel versprechender Architekt eingeladen wird, kann auf der Wiese hinter den Sepentine Galleries im Hyde Park bis zum 06. Oktober 2019 besucht werden. Eintritt wird nicht verlangt.

Anders aber als die Abfallhalden aus dem Schieferabbau ist der Pavilion untendrunter hohl, kann von den Besuchern betreten werden und wird damit quasi zu einer Höhle. Ishigami ist bekannt dafür, dass er in seiner Architektur gerne Formen aus der Landschaft und genauso aus der Architekturgeschichte aufgreift und mit ihnen spielt.

The Serpentine Pavilion 2019. Foto: Norbert Tukaj

Mit seinen „freien Formen“ wolle er eine Harmonie zwischen Mensch und Natur herstellen, wird er zitiert.

61 t von rohen Schieferplatten aus der Honister Mine in Kewswick in der Grafschaft Cumbria hat er für seinen Pavilion benutzt. Die Honister Mine ist seit 1728 in Betrieb und ist die letzte aktive Schiefermine Englands.

The Serpentine Pavilion 2019. Foto: Norbert Tukaj

Der Stein ist auf einfachen Eisenmatten ausgelegt, die ihrerseits auf 106 Stahlstützen ruhen. Es überrascht, wie filigran die Stützen sind. Aber dennoch will Ishigamis ursprüngliche Idee, dieses Schieferdach zum Schweben zu bringen, nicht aufgehen.

Vielleicht liegt es darin, dass Wind, Statik und behördliche Auflagen die Pläne des Architekten unsanft auf den Boden der Realität zurückholten. So jedenfalls wird es in der Tageszeitung The Guradian dargestellt: es mussten zusätzliche Stützen eingebaut werden, und es gibt als Windfang eine Plexiglas-Wand, die sehr stört.

Unter dem Schieferdach mit 30 m Länge und einer überdeckten Fläche von 350 m² befindet sich ein Cafe. Es ließ einen Kritiker zutiefst lustlos zurück: „Die natürlichen Materialien kreieren eine trübe Welle von Stein, die eine Kaffeebar mit Amöben-artigen Stühlen und Tischen beherbergt.“

Seit dem Jahr 2000 bekommt jedes Jahr ein Architekt von den Machern der renommierten Serpentine Galleries im Londoner Hyde Park die Einladung, sich eine spezielle Arbeit für den Pavilion zu überlegen und fertigzustellen. Dafür hat er (natürlich auch: sie) 6 Monate Zeit. Ein Budget gibt es nicht; das Projekt wird von Sponsoren, Unterstützern oder durch den Verkauf des Pavilions finanziert.

Ishigami war der 19. Ausgewählte, nach bekannten Namen wie Zaha Hadid als erster und danach Frida Escobedo aus Mexico, Francis Kéré aus Burkina Faso oder Bjarke Ingels aus Dänemark. Deren Arbeiten fanden große Beachtung, und Ingels’ Beitrag im Jahr 2016 war laut Veranstalter „die meistbesuchte Architektur- und Designausstellung weltweit“.

Serpentine Galleries

The Guardian

Honister Mine

The Serpentine Pavilion 2019. Foto: Taran WilkhuThe Serpentine Pavilion 2019. Foto: Iwan Baan

(26.08.2019)