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„Percorsi d’Arte“ in Halle 1: Forschung und Entwicklung am künstlerischen Objekt aus Naturstein

Ausgelotet werden die neuen Möglichkeiten für Bildhauer durch CNC-Maschinen und Diamantseile

Halle 1 der Marmomac 2019: Italian Stone Theatre

Die Natürlichkeit des Steins ist in diesem Jahr das Oberthema des Italian Stone Theater in Halle 1 der Marmomac. Wir wollen besonders auf die Präsentation „Percorsi d’Arte“ (Wege der Kunst) hinweisen, die Raffaello Galiotto zum 2. Mal kuratiert hat: Das, was 5 international bekannte Künstler hier zeigen, ist nicht nur Kunst, sondern Forschung und Entwicklung am künstlerischen Objekt, sozusagen.

Galiottos Grundgedanke ist: mit CNC-Maschinen und dem Diamantseil stehen den Bildhauern neue Werkzeuge zur Verfügung, und die sollten sie nutzen. Die neuen Technologien „gehören zur Sprache unserer Zeit“, sagt er im Gespräch. Dabei betont er gleichzeitig, dass die Künstler „einen neuen Respekt“ vor dem Millionen Jahre alten Material entwickeln und unter anderem Abfall vermeiden oder wenigstens reduzieren müssten.

In „Percorsi d’Arte“ nun haben die Beteiligten ausgelotet, wohin die neuen Werkzeuge die Bildhauerei führen können.

Wir stellen die Arbeiten kurz in der Reihenfolge vor, wie sie in den Presseunterlagen der Messe präsentiert werden:
 

Nicolas Berthoux: „Diapason“.Nicolas Berthoux hat in „Diapason“ symbolisch aus einer Steinplatte einen neuen Berg geschaffen: mit dem Diamantseil schneidet er mehrere Höhensilhouetten aus dem Material, und dann dreht er diese mehrfach und setzt sie von neuem zusammen. Aus dem Hohlraum, den er in den Stein geschnitten hat, ragt nun ein neuer Berg heraus. Verwendet wurde der italienische Marmor Arabescato Orobico.
Produktion: Cms; Steinlieferant: Cave Gamba
 

Raffaello Galiotto: „Symmetric“.Raffaello Galiotto, von Haus aus eigentlich Industriedesigner, hat mal sich auf ganz ungewöhnliche Art und Weise mit den Adern als natürliche Besonderheiten mancher Steinsorten beschäftigt: in „Symmetric“ kreiert er an 3 Beispielen zunächst ein Book-match (setzt die Platten spiegelbildlich zusammen) – was den von Natur aus eigentlich zufälligen Verlauf der Adern in eine menschengemachte Symmetrie bringt. Dann nimmt er die Technologie zur Hand und bearbeitet die Oberfläche, was die vorherige Struktur wieder weitgehend verwischt. Die Symmetrie ihrerseits ist auch ein Prinzip der Natur, wiederzufinden zum Beispiel im menschlichen Gesicht.
Produktion: Emmedue; Software: DDX; Oberflächenbehandlung: Fila Industria Chimica; Steinlieferant: Essegra International; Werkzeuge: Nicolai Diamant
 

Sylvestre Gauvrit: „Do not stop at the surface, dig deep to find the soul”.Sylvestre Gauvrit warnt in „Do not stop at the surface, dig deep to find the soul” (Belassen Sie es nicht bei der Oberfläche, schauen Sie in die Tiefe), dass der Betrachter sich nicht nur anhand des Aussehens der Dinge ein Bild machen sollte. Dafür schneidet er eine Kontur aus einem Block. Die Seitenlinien der Kontur findet man im Ausgangsmaterial wieder. Jedoch ist die Kontur in sich verdreht, bildlich gesprochen vielleicht wie ein Vorhang, durch den ein Wind gefahren ist.
Produktion: Tyrolit Vincent
 

Jon Isherwood: „Flourish”.Jon Isherwood war beim Floristen und hat danach die Natur auf den Kopf gestellt: in „Flourish” lässt er das Feinste, was die Pflanzenwelt zu bieten hat, nämlich die Blüten, in Stein wiedererstehen. Das ist gewissermaßen eine Versteinerung, möglicht gemacht durch moderne Technologie. „Ich will die Schönheit des Steins durch eine Blüte des Marmor sichtbar machen”, heißt es in den Unterlagen.
Production: Garfagnana Innovazione
 

Cynthia Saw: „Wave’s Passage“.Cynthia Saw ließ in „Wave’s Passage“ gewissermaßen eine Welle durch den Stein fließen, die ein paar Wendungen vor und zurück gemacht hat. „Die Spuren der Bearbeitung können den Fluss der Form noch betonen“, merkt sie an.
Produktion: Denver, Software: Taglio.
 
 

Giuseppe Fallacara: „Klaustrum“.Neben der Präsentation „Persorsi d’Arte“ legen wir den Besuchern der Halle 1 auch noch die Arbeit von Giuseppe Fallacara im Rahmen von „Lithic Garden“ (Steinerner Garten) besonders ans Herz: Zusammen mit Zaha Hadid Architecture hat der Professor am Politecnico in Bari eine Struktur errichtet, die die Stereotomie als althergebrachte Stein-Technologie in die Gegenwart führt. Entstanden sind Gewölbe, die ein wenig an die Zellen der Mönche in alten Klöstern erinnern. „Klaustrum“ ist der Name der Arbeit.
 

Giuseppe Fallacara: „Lithic Fabric“.Ebenfalls von Giuseppe Fallacara in Halle 1 der Marmomac 2019: „Lithic Fabric“ („Steinerner Stoff”). Marmorfliesen sind durch ein stählernes Netz miteinander verbunden und können so als dekorativer Überzug für jedes Bauwerk dienen, etwa als Sonnenschutz wie Blätter von Efeu.
Firma: CNC Design di Francesco Brunetti

Marmomac, 25.-28. September 2019

Fotos: Marmomac

Halle 1 der Marmomac 2019: Italian Stone Theatre