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Abgüsse waren immer ein wichtiger Verfahrensschritt, um zum Beispiel Bronzeskulpturen herzustellen

Liegebüste Luise Königin von Preußen, Mastermodell, vor 1965, nach Christian Daniel Rauch, Gips, schellackiert, 32 x 41 x 43 cm. Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Gipsformerei / Philip Radowitz

In der Berliner James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel dokumentiert die Ausstellung „Nah am Leben“ bis März 2020 die künstlerische Technik

Anlässlich ihres 200-jährigen Jubiläums zeigt die Gipsformerei als älteste Einrichtung der Staatlichen Museen zu Berlin erstmals eine umfassende Präsentation ihrer Bestände. Die weltweit größte noch existente Museumsformerei verfügt über ein mehrere Tausend Stücke umfassendes Konvolut historischer Gussformen und Modelle, die auf Werke aller Epochen und Weltkulturen zurückgehen.

Schauplatz ist die James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel. Der Titel der Schau ist „Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei“, sie läuft bis zum 01. März 2020.

Mit rund 200 Exponaten widmet sich die Ausstellung dem Thema der Lebend- und Naturabformung und verdeutlicht, wie „nah“ der Gipsabguss dem Leben kommen kann.

Abformungen von lebenden Körpern oder Teilen sind seit der Antike bekannt. Häufig dienten sie dazu, Modelle etwa für den Bronzeguss herzustellen. Totenmasken gelten als ein besonderer Bereich. Gips war das bevorzugte Material.

Obwohl das Abformen und Abgießen seit jeher ein beliebtes künstlerisches Verfahren war, wurden Skulpturen, die mit seiner Hilfe entstanden, traditionell mit einem Negativurteil versehen und bis in die Moderne hinein als Nicht-Kunst disqualifiziert.

Gipsmodellkopf eines Mannes, Neues Reich, 18. Dynastie, um 1340 v. u. Z. Gipsstuck, 24 °— 18 °— 14 cm. Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung / Sandra Steiß

Die Ausstellung zeichnet in 5 thematischen Sektionen die tragende Bedeutung für die Bildhauerei nach und weicht dabei die starren Grenzlinien zwischen Kunst, Nicht-Kunst, Handwerk und Wissenschaft auf.

Gezeigt werden alle Arten von Abgüssen: Von Tierabgüssen über Totenmasken von Geistesgrößen des 19. Jahrhunderts, Körperteilmodelle aus der Künstlerausbildung und den sensiblen Sammlungsbestand von Menschenabgüssen aus kolonialen Kontexten wird der Bogen zu prominenten Werken von Donatello, Auguste Rodin oder Marcel Duchamp geschlagen, die (vermeintlich) mit Hilfe von Körperabformungen entstanden sind. Daneben werden aber auch Gemälde, Bücher, Druckgrafiken, Fotografien und Videos präsentiert.

Eine zentrale Rolle in der Ausstellung spielen moderne und zeitgenössische Werke von Marcel Duchamp, Asta Gröting, Liane Lang, Teresa Margolles, Pauline M’barek, Allan McCollum, Donald Lokuta, Auguste Rodin, George Segal und Maria Volokhova, anhand derer die Emanzipation des Abgusses vom technischen Hilfsmittel zum eigenständigen Kunstwerk nachvollzogen werden kann.

„Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei“, Ausstellungsansicht, James-Simon-Galerie, 2019. Foto: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation in deutscher und englischer Sprache im Prestel-Verlag, herausgegeben von Christina Haak, Miguel Helfrich und Veronika Tocha, mit Fotografien und Philip Radowitz, Broschur, ca. 264 Seiten, ca. 300 farbige Abbildungen, ISBN: 978-3-7913-5939-7 (deutsche Handelsausgabe), 978-3-7913-5940-3 (englische Handelsausgabe), Preis: ca. 42 €.

Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei“, Ausstellung bis zum 01. März 2020 in der James-Simon-Galerie, Berlin

Quelle: Staatliche Museen zu Berlin

„Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei“, Ausstellungsansicht, James-Simon-Galerie, 2019, © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

(04.10.2019)