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Erstmals seit 6 Jahren verzeichneten Brasiliens Natursteinexporte von Januar bis März 2019 wieder einen Anstieg

Die Tabelle des Beraterbüros Kistemann & Chiodi Assessoria e Projetos zeigt in der oberen Linie die Gesamtexporte Brasiliens an Naturstein. Deutlich zu erkennen ist der Absturz nach der weltweiten Finanzkrise 2007, dann die langsame Erholung bis 2013 und dann wieder ein anhaltender Rückgang.

Donald Trumps Antidumping-Maßnahmen gegen China könnten sich hier indirekt niedergeschlagen haben

Kommt Brasiliens Natursteinbranche endlich aus ihrer lang anhaltenden Schwächeperiode heraus? In den ersten 3 Monaten 2019 jedenfalls gab es zum ersten Mal seit 2013 wieder einen Anstieg bei den Exporten von Naturstein und die Zahlen waren gar nicht schlecht: gegenüber dem Zeitraum Januar bis März 2018 stiegen die Ausfuhren nach Wert um +8,29% (auf 223,2 Millionen US-$) und nach Tonnage um +4,03% (auf 451.573,4 t).

Ebenfalls stieg der statistische Durchschnittpreis für alle exportierten Steinwaren um +4,1% (auf 494,3 $ pro t). Dies sind die Zahlen aus den aktuellen Statistiken des landesweiten brasilianischen Branchenverbandes Abirochas.

Erstellt wurden sie vom Beraterbüro Kistemann & Chiodi Assessoria e Projetos, dessen leitender Analyst Cid Chiodi schon im Jahresüberblick 2018 für die Monate September bis Dezember eine Verbesserung der Ausfuhren festgestellt und damals vorsichtig gefragt hatte, ob Brasilien vielleicht von Donald Trumps Anti-Dumping-Zöllen gegen Chinas Kunststein-Produzenten profitieren könnte.

Nun also ist es tatsächlich so passiert. Allerdings hatte Chiodi in seiner Analyse des Jahres 2018 die freudigen Erwartungen schon sehr tief gehängt und eine Verbesserung der Situation allenfalls für die ersten Monate 2019 erwartet.

Denn: trotz großer Anstrengungen von Abirochas mit Unterstützung der Exportförderer von APEX wurde in den vergangenen 10 Jahren nichts erreicht, womit man aus den strukturellen Problemen herausgekommen wäre:
* Nach wie vor herrscht bei den Exporten eine dramatische Monokultur, indem um die 60% der Ausfuhren von Halbfertig- und Fertigprodukten in ein einziges Zielland gehen, nämlich die USA;
* nach wie vor verkauft man ans Ausland vor allem Platten oder Blöcke; bei den Lieferungen für große Bauvorhaben spielt Brasilien bislang kaum eine Rolle.

Dabei war genau das vor einigen Jahren noch als die große Herausforderung propagiert worden – von einer „Terceira Onda“ (Dritten Welle) war damals die Rede, mit der man fortan die Natursteinsorten des Landes auch in gute Erträge ummünzen wollte.

Zum Dilemma der Steinbranche trägt aktuell auch die Schwäche der heimischen Bauwirtschaft bei. Die hält schon etliche Jahre an und zu ihr konstatiert Chiodi ungeschminkt, dass keine Verbesserung in Sicht ist.

Brasiliens Natursteinexporte im Jahr 2018 nach Zielländern. Quelle: Kistemann & Chiodi Assessoria e Projetos

Eine wirklich positive Meldung in den Statistiken ist nur, dass Brasiliens Quarzite sich seit Jahren einer steigenden Nachfrage erfreuen. Im 1. Trimester 2019 verzeichneten sie eine Exportsteigerung um über 50% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Durchschnittspreis pro Platte lag bei 2000 $/t – das waren deutlich mehr als bei Brasiliens Standardprodukt, den Granitplatten (600 $/t). Bei Rohblöcken lag der Verkaufswert um das Dreifache über denen bei Graniten.

Chiodi hatte schon vor einiger Zeit die kommenden Jahre als Phase der Quarzite bezeichnet. Seine Prognosen haben sich auch hier bestätigt und er blickt vorsichtig weiter voraus: „Vielleicht schon 2020 ziehen die Exporte von Quarziten mit denen von Graniten … gleich oder überrunden sie sogar.“

Auch Brasiliens Marmor verkauft sich anhaltend gut und erreichte im 1. Trimester 2019 einen sehr respektablen Durchschnittspreis von 1000 $/t.

Und die Marktanteile der Kunststeine? Die stiegen wie überall auf der Welt auch in Brasilien an, dies sowohl beim Verbrauch im Land als auch bei den Exporten durch heimische Produzenten.

Abirochas, Statistik Januar-März 2019 (portugiesisch)

Abirochas, Statistik 2018 (portugiesisch)

(06.11.2019)