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Dr. Heinecke Werner, kürzlich verstorben, gab mit der WiN=WiN Agentur und Fair Stone dem Natursteinhandel wichtige Impulse

Pressegespräch „Nachhaltiges Bauen mit Naturwerksteinen“ veranstaltet von WiN=WiN Fairstone und dem Deutschen Naturstein-Verband im März 2017. Heinecke Werner in der Mitte.

„Unternehmer sind die besseren Entwicklungshelfer“ war sein Leitspruch, um vor Ort bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen

Den geltenden Mainstream über Bord zu werfen war eine Leitlinie im Leben von Heinecke Werner, Gründer der WiN=WiN Agentur für globale Verantwortung und des Siegels Fair Stone, das die Herkunft von Naturstein aus fairer Produktion zertifiziert. Dabei war er streitbar, aber nicht streithaft, vielmehr machte es ihm großen Spaß, gedanklich die eingefahrenen Gleise zu verlassen und sich auf neuartige Ideen einzulassen.

Zum Beispiel in seinem Taschenbuch „Unternehmer sind die besseren Entwicklungshelfer“ aus dem Jahr 2010. Darin übertrat er gleich mehrere Denkverbote: erstens konstatierte er, dass die bis dahin übliche Entwicklungshilfe gut gemeint, aber schlecht gemacht war, und dass die vielen Milliarden D-Mark und Euro kaum die Entwicklung der Zielländer wirkungsvoll positiv beeinflusst hätten.

Zweitens empfahl er Public-Private-Partnership (PPP), um das Wissen der Unternehmer für die Entwicklung der Wirtschaften in den armen Ländern zu nutzen. Wohlgemerkt, die Idee ist: Unternehmer hierzulande informieren Unternehmern anderswo, wie diese ihr Geschäft besser aufziehen, und das ist zum Vorteil aller Beteiligten und hilft, mit dem Elend woanders Schluss zu machen.

Im Jahr 2000 gründete er dafür die Agentur WiN=WiN. Ihr Ziel ist, die Arbeitsbedingungen unter anderem in den Steinbrüchen in Asien zu verbessern. „Grabsteine, an denen Kinderblut haftet“, war einer der Slogans damals in der hitzig geführten öffentlichen Debatte.

Heinecke Werner – Werner ist der Familienname – vermied jedoch immer einfache Schuldzuweisungen. Vielmehr setzen er und seine Mitarbeiter langwierige Argumentationen in Gang, an deren Ende die Steinbruchbesitzer in den Herkunftsländern sich die Überzeugung zu eigen gemacht hatten, dass sich zum Beispiel verbesserte Arbeitsbedingungen auch wirtschaftlich rechneten.

Heinecke Werner bei einem Steinverabreiter in Asien. Foto: Win=WiN.

Allerdings war Werner nicht so naiv, freundlichen Versprechungen einfach zu glauben. Schließlich hatte er lange Jahre in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und auch für kirchliche Organisationen oder das deutsche Ministerium gearbeitet.

Beim Fair Stone Siegel wird folglich das Zertifikat nur vergeben, wenn rigorose Kontrollen vor Ort stattgefunden haben.

Heinecke Werner starb Ende Oktober 2019 nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren. Er stammte von einem kleinen Gutshof in dem kleinen Ort Heuerstubben in Schleswig-Holstein, und wurde dort früh auf die Welt der Landwirte und den behutsamen Umgang mit Tieren und Pflanzen geprägt. Es folgte ein FH-Studium in Hildesheim mit dem Abschluss als Agraringenieur, danach sattelte er in Freiburg noch ein Diplomstudium der Volkswirtschaftslehre und Soziologie drauf.

Später erreichte er nebenberuflich den Doktortitel mit einer Arbeit zu wirtschaftlichen Fragen der Gesundheitsversorgung in Afrika.

Danach folgten die Jahre in der Entwicklungshilfe, und immer setzte er seine Begabung als Netzwerker ein: 1982 gründete er die Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitischer Gutachter (AGEG Consultants eG, AGEG), die als Genossenschaft in das Umfeld solcher Organisationen in Baden-Württemberg eingebunden war.

2018 rief er den Verein „Biodiversität auf Friedhöfen“ ins Leben. Die Idee war, alle im Umfeld der Bestattung Tätigen in den Naturschutz einzubinden.

Die Berufsbezeichnungen „Landwirt“ und „Volkswirt“ hatten bei Werner immer eine besondere Bedeutung.

WiN=WiN

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(19.11.2019)