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Eine Vulkaneruption in Mittelamerika entfernt war entscheidend an der Klimakrise der Spätantike beteiligt

Unterhalb der hellen Ablagerungen einer gewaltigen Vulkaneruption in El Salvador sind im dunklen Boden noch die Pflugspuren der Maya zu erkennen. Foto: Steffen Kutterolf / Geomar

Ein Forscherteam mit Geomar-Beteiligung konnte den Ausbruch des Ilopango im heutigen El Salvador auf das Jahr 539/540 n. Chr. datieren

Kalte Sommer, geheimnisvolle dunkle Wolken, Missernten, Seuchen – um das Jahr 540 erlebt der Mittelmeerraum eine umfassende Krise. Nach heutigem Kenntnisstand waren große Vulkaneruptionen die Auslöser. Doch die Identifizierung der Vulkane blieb bisher umstritten. Ein internationales Team unter Beteiligung des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel präsentiert hat jetzt einen Hauptverdächtigen für den Ausbruch 539/540 identifiziert: den Ilopango im heutigen El Salvador.

Historische Beispiele von großen Vulkaneruptionen zeigen, dass sie menschliche Gesellschaften auch über große Entfernungen in Krisen stürzen können. Der indonesische Vulkan Tambora schleuderte beispielsweise 1815 so viel Asche und Aerosole in die Atmosphäre, dass das Jahr 1816 in Europa und Nordamerika als „Jahr ohne Sommer“ mit Missernten und furchtbaren Hungersnöten in die Geschichtsbücher einging.

Eine ähnliche Krise erfasste um das Jahr 540 n. Chr. den Mittelmeerraum und weite Teile der Nordhalbkugel. Zeitgenössische Autoren wie der Historiker Prokopios von Caesarea (um 500 – um 562) berichten von Ernteausfällen, Hungersnöten und einer verheerenden Pestepedemie.

Auch in diesem Fall sind Vulkane als Auslöser wahrscheinlich. Schwefel-Lagen in Eiskernen beider Polkappen deuten auf Eruptionen um das Jahr 540 hin.

Doch um welche Vulkane es sich handelte, war bislang umstritten.

Die Caldera des Ilopango in El Salvador, heute ein See. Die hellen Ablagerungen im Vordergrund stammen von der Eruption im Jahr 539/540. Im Hintergrund ist der San-Vicente-Stratovulkan zu sehen. Foto: Armin Freundt / Geomar

Einen Durchbruch bei der Suche nach den verantwortlichen Eruptionen hat ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erzielt. „Wir konnten zeigen, dass ein besonders intensiver Ausbruch des Vulkans Ilopango im heutigen El Salvador genau ins Jahr 539 fällt und sehr große Mengen Schwefel freigesetzt hat. Damit passt diese Eruption genau zur Klimaverschlechterung in Europa“, sagt der Vulkanologe Dr. Steffen Kutterolf vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Co-Autor der Studie.

Es war bereits bekannt, dass es am Ilopango zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert einen massiven Ausbruch gegeben haben muss. „Dieses Ereignis wird in der Fachwelt ‚Tierra Blanca Joven‘, kurz TBJ, oder zu deutsch ‚junge weiße Erde‘ genannt. Es muss so gewaltig gewesen sein, dass die vulkanische Wolke fast 40 km in die Atmosphäre aufstieg“, erklärt Dr. Kutterolf.

Mit Hilfe der Proben aus regionalen Untersuchungen in Mittelamerika sowie weiteren, die aus dem Meeresboden des Pazifiks gewonnen worden waren, konnte das internationale Team die TBJ-Eruption präzise auf die Jahre 539 datieren und ihre Spuren weit in den Pazifischen Ozean verfolgen.

Dull, R. A., J. R. Southon, S. Kutterolf, K. J.Anchukaitis, A. Freundt, D. B.Wahl, P. Sheets, P. Amaroli, W. Hernandez, M. C. Wiemann, C. Oppenheimer (2019) Radiocarbon and geologic evidence reveal Ilopango volcano as source of the colossal ‘mystery’ eruption of 539/40 CE. Quaternary Science Reviews, https://doi.org/10.1016/j.quascirev.2019.07.037

Quelle: Geomar

(12.12.2019)