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Die Natursteinbranche in 50 Jahren: digitale Technologien und innovative Produkte

Das <a href="https://www.stone-ideas.com/60548/gewoelbe-flux-aus-naturstein-elementen/"target="_blank">Stein-Gewölbe „Flux“</a> von der New Fundamentals Research Group / Giuseppe Fallacara.Der Steinbogen <a href="https://www.stone-ideas.com/67479/raffaello-galiotto-arcolitico/"target="_blank">„Arcolitico“</a> von Designer Raffaello Galiotto und der Firma Margraf.

Unter den Wissenschaftlern gelten diejenigen als die wichtigsten, die die wegweisenden Fragen stellen. In der Steinbranche hat es bisher an solchen Fragen weitgehend gemangelt. Dies weil die Leute das Geschäftliche im Blick haben und das Geschäftsleben für sie bisher leicht war. Das ändert sich derzeit: neue Materialien wie Großkeramiken und Kunststeine sind karte Konkurrenten und auch der ökologische Druck auf die Branche nimmt zu.

In Brasilien fand auf der Messe Fortaleza Brazil Stone Fair 2019 schon zum 2. Mal ein Forum statt, das Fragen zur Zukunft stellen will: „Die Steinbranche im Jahr 2068“ war der Titel schon bei der Ausgabe 2018 und schon damals versuchten Experten, ein Bild der Branche in 50 Jahren zu zeichnen. Diesmal gab es die 2. Ausgabe der Veranstaltung.

Carlos Rubens Alencar vom Verband Simagran-CE, Initiator der Veranstaltung und auch der Messe, kam denn auch gleich mit einer klugen Frage heraus: „Wie kann es eigentlich sein, dass im Fall von Keramiken oder Kunststein die Kunden Kopien der Originale schätzen – das gibt es bei keinem anderen Material, es sei denn, die Kopien sind preislich erheblich billiger als die Originale.“ Das jedoch ist im Fall der Großkeramiken oder Engineered Stones nicht der Fall.

Also gab er die Richtung vor, in die zu denken ist: „Wir müssen besser verstehen, was unsere Zielgruppen eigentlich wollen und was sie wertschätzen.“

Einer der Referenten beim Zukunftsforum war Dr. Pedro Amaral, Dozent am Instituto Superior Técnico der Universität Lissabon. Er umriss den Weg in die Zukunft, den Portugals Steinbranche nehmen will: man setzt auf Technologien und hier vor allem auf das weite Feld der Industrie 4.0.

Amaral ist überzeugt, dass die modernen Techniken der Branche neue Möglichkeiten für Produkte und Dienstleistungen geben. Beispiele zeigen wir auf den Fotos oben: es sind neuartige Konstruktionen mit Naturstein, die erst durch Berechnungen am Computer und Zuschnitte mit CNC-Maschinen möglich wurden.

Neu sind solche Gestaltungen nicht. Aber für eine so große Fassade können sie nur realisiert werden, wenn jede Platte mit einem exakten Scan in einer Datenbank gespeichert ist und das Zusammenfügen der Elemente am Computer erfolgt.

Weitere zentrale Themen in Amarals Vortrag waren:
* Kreislaufwirtschaft;
* Optimierung aller Prozesse vom Steinbruch bis an die Fassade;
* Nanotechnologie;
* Mangel an Fachkräften: indem anspruchsvolle digitale Tätigkeiten die Arbeit in der Branche prägen, kann sie sich interessant für junge Leute machen.
 

Neue Produkte als Trend

Peter Becker von Stone-Ideas.com hatte wie Amaral die neuen Technologien – hier: Diamantseil, CNC, Wasserstrahl – als Ausgangspunkt der Überlegungen und sagte für 2068 eine vielfalt an neuen Natursteinprodukten voraus, wie sie bisher gar nicht oder nicht zu günstigen Preisen herzustellen waren. Kennzeichen dieser Produkte werde sein, dass sie sich verkaufen ließen und dass sie so in die Privathaushalte kämen.

In seiner Analyse stellte er fest, dass die Natursteinbranche bislang „erschreckend wenig Produkte hat“. Wohlgemerkt: sie verfügt über viele Steinsorten, aber das sind keine Produkte, das ist nur das Material.

Neuigkeiten für das Straßenpflaster: die italienische Firma <a href="http://ludendo.it/"target="_blank">Animum Ludendo Coles</a> hat Hüpfspiele für Kinder; ... ... gesägte Pflastersteine sind eine Anpassung des klassischen Straßenbelags an die moderne Gesellschaft; ...... innovativer Terrrazzo von der italienischen Firma <a href="https://www.cancianpavimenti.it/"target="_blank">Cancian Pavimenti</a> wurde auf der Marmomac 2019 gezeigt. Fotos: Peter Becker

Nun aber entstünden in vielen Bereichen neue Produkte unter Verwendung von Naturstein, zum Beispiel im Design, im Möbelbau und ebenso in der Architektur, in der Bildhauerei sogar im Straßenpflaster. Becker zeigte viele Beispiele.

Wenn es gelinge, mit funktionalen Produkten den Naturstein im Alltag mehr sichtbar zu machen, gewinne die Branche außerdem ein unschlagbar effektives Werkzeug fürs Marketing, so Becker. Denn wenn Marmor, Granit& Co sichtbar sind, verkaufen sie sich.

Beckers abschließender Gedanke: man kann den Steinproduzenten heute nur raten, die Entwicklung neuer Produkte zu fördern. Denn wer in 50 Jahren seine Steine nicht im Alltag den Konsumenten zeigen kann, wird Probleme haben, für seine Sorten zu werben.

Einen Vortrag der besonderen Art hielt Xisto Medeiros, erfolgreicher Ingenieur und Architekt in Fortaleza und bekannt als Querdenker. Er ließ seine Gedanken treiben und große Sprünge machen. Am Ende forderte er mehr Offenheit für das Ungewöhnliche, auch wenn es auf den ersten Blick nicht machbar oder zu teuer ist.

Das Zukunftsforum war organisiert worden vom Instituto Brasileiro da Rocha Ornamental (IBRO). Carlos Rubens Alencar hat es gegründet und sieht es als eine Art Think Tank, mit dem ein internationaler Gedankenaustaustausch in Gang gesetzt werden soll.

Fortaleza Brazil Stone Fair (FBSF)

V.l.n.r: Peter Becker, Carlos Rubens A Alencar, Dr. Pedro Amaral.Xisto Medeiros.

(13.12.2019)