„Junge Leute ausbilden ist Arbeit, aber es zahlt sich aus“

Johannes Braun mit den derzeitigen Lehrlingen Lorenz Schraml und Bettina Buchner.Ludger Wennemer mit Sohn Robert.

Zwei Firmenvertreter berichten, wie sie Lehrlinge finden und wie sie die Ausbildung gestalten

Nachwuchs auszubilden ist ein zentrales Thema für die Zukunft auch des Steinmetzhandwerks. Wir haben mit 2 Betrieben gesprochen, die dabei sehr erfolgreich sind: mit Johannes Braun von Steinmetz Braun in Essenbach an der Isar unweit von Landshut und mit Ludger Wennemer von Steinmetzbetrieb Wennemer in Münster.

Beide, der Mittdreißiger Johannes Braun und der Endsechziger Ludger Wennemer, sind einer Meinung: Ausbilden ist Aufwand. Wer nur eine billige Arbeitskraft sucht, ist hier auf dem falschen Dampfer.

Johannes Braun drückt es nüchtern aus: „Wenn ich einen Lehrling will, muss ich Arbeit reinstecken, und wenn ich ihn durch die Ausbildung bringen will, muss ich nochmal Arbeit reinstecken.“

Dabei sind sich beide auch einig, dass sich der Aufwand lohnt. Ludger Wennemer: „Im Regelfall sind die jungen Leute nach einem Jahr fit und arbeiten selbstständig.“ Aber er stellt auch seine Ansprüche klar: „Ich will im 3. Jahr nichts mehr erklären müssen.“

Beide gehen mit dem Leitsatz Fördern und Fordern an ihre Rolle als Ausbilder heran und machen das mittels Feedback: sie nehmen sich Zeit, die jungen Leute an das handwerkliche Können heranzuführen (Wennemer: „Dann nimmt man sich halt mal 5 Minuten oder eine halbe Stunde, um etwas zu erklären“), erwarten aber auch, dass umgekehrt der Jugendliche sich bemüht, die Dinge zu verstehen und insgesamt die Arbeit mit Engagement erledigt.

Nicht jede Auswahl eines Bewerbers ist dabei ein Glücksgriff.

Aber eigentlich sollte sich beim Kennenlernen etwa durch ein Praktikum herausgestellt haben, ob der Kandidat für den Job geeignet ist oder ob er sich vielleicht falsche Vorstellungen gemacht hat.

Bei der Suche nach Kandidaten scheinen beide von einer guten Präsenz ihrer Betriebe in der Öffentlichkeit zu profitieren. Man kennt sie, und Johannes Braun nennt eine Maßnahme, um das zu erreichen: „Wenn es bei uns etwas Neues gibt, geben wir das auch an die Medien.“ Die Firma hat derzeit 8 Mitarbeiter (Vater Karl Hans Braun, die Söhne Johannes und Daniel als Geschäftsführer und 5 Angestellte, davon 2 Lehrlinge). Sie macht 75% ihres Umsatzes im Grabmalbereich.

Ludger Wennemer ist mit insgesamt 4 Mitarbeitern (er, Sohn Robert, ein Azubi und ein Praktikant im Freiwilligen Jahr) größtenteils im Denkmalbereich und in der Restaurierung tätig. Das macht die Öffentlichkeitsarbeit leicht, denn die Presse berichtet von sich aus, wenn die Firma ein Projekt fertiggestellt hat. Dadurch werden dauernd junge Leute auf den Betrieb aufmerksam, besonders solche mit gestalterischen Ambitionen. „Wir haben viele Eigenbewerbungen von jungen Leuten.“

Für Johannes Braun sind Schülerpraktika der beste Weg, junge Leute zu finden. Oft geben sich dabei die Schüler sozusagen die Klinke in die Hand: „Wer bei uns war, erzählt im Freundeskreis herum, was der Steinmetzberuf ist, und dann melden sich die nächsten.“

Auch hier gilt: „Während eines Praktikums kümmern wir uns um die Leute.“

Randbemerkung: Ludger Wennemer hat mit jungen Frauen die besten Erfahrungen gemacht: „Wenn die sich bei uns melden, wissen sie, was sie wollen und auf was sie sich einlassen.“

Vielfach aber, so zeigt das Gespräch mit den beiden, scheint es jungen Leuten oft an Antrieb zu mangeln. Früher machte man eine Lehre, um eigenes Geld zu verdienen – heute haben viele Jugendliche schon ein Menge Geld in der Hand.

Wie urteilen die beiden über die weitverbreitete Klage, dass junge Leute kaum das notwendige Schulwissen mitbringen und es an Erziehung von Seiten des Elternhauses mangelt?

Beide kennen das Problem, lehnen aber Pauschalurteile ab. Johannes Braun: „Diese Klagen gab es genauso schon über unsere Generation.“ Ludger Wennemer erzählt einerseits von einem Praktikanten, der noch nie zuhause bei irgendetwas hatte anpacken müssen, schwärmt aber im nächsten Atemzug von einer Praktikantin, die alles sofort verstand und umsetzen konnte.

„Leider ging die dann doch zum Studieren“, fügt er hinzu.

Welches Fazit ziehen beide ziehen aus ihrer Erfahrung mit dem Nachwuchs? „Im Großen und Ganzen positiv“, sagen sie und man hört selbst am Telefon heraus, welchen Spaß es ihnen macht, bei jungen Leuten die Begeisterung für Steinmetzberuf zu wecken.

Und die Sozialen Medien? Nutzen die beiden Facebook oder Instagram, um ihre Betriebe ins Gespräch zu bringen?

Die Antworten überraschen: „Machen wir nicht“, sagt der Jüngere, aber es klingt nicht als strikte Ablehnung, sondern eher so, als hätte es bislang keine Notwendigkeit dazu gegeben.

Und der Ältere: „Mein Sohn macht das, glaube ich.“

Steinmetz Braun

Steinmetzbetrieb Wennemer

Fotos: Firmen

(19.12.2019)