Große Vorkommen an Quaderkalk zwischen Nürnberg und Bad Mergentheim neu untersucht und als abbaubar bewertet

Typisch und namensgebend für den Quaderkalk sind die rechtwinkligen Klüfte. Foto: LfU / Georg Loth

Der Bayerische Geologische Dienst sorgt sich um die Versorgung mit heimischem Baumaterial und um die Klimabilanz von Importen

Mehrere neu untersuchte Naturstein-Vorkommen im Raum Würzburg haben das Potenzial, die heimische Baubranche mit hochwertigem Quaderkalk zu versorgen und damit zugleich klimabelastende Übersee-Importe zu vermeiden. Zu diesen Erkenntnissen kommt das Bayerische Landesamt für Umwelt (LFU) nach mehrjährigen Erkundungsarbeiten. Dazu der Leiter des zuständigen Geologischen Dienstes, Roland Eichhorn: „Quaderkalk spielt für die Bauindustrie aufgrund seiner Langlebigkeit eine wichtige Rolle. Sogar im Berliner Olympiastadion und am U-Bahnhof am Brandenburger Tor ist dieser Stein verbaut.“

Inzwischen aber werden pro Jahr rund 2 Millionen Tonnen Naturwerksteine pro Jahr nach Deutschland importiert, wobei die langen Transportwege die eigentlich gute Klimabilanz des Materials drastisch verschlechtern, heißt es in einer Presseerklärung des Landesamtes: Beim Transport von einer Tonne Gesteinsmaterial beispielsweise aus Fernost entstehen bis zu 265 kg CO2; bei der Verwendung heimischer Naturwerksteine würde sich diese Menge auf knapp 5 kg verringern. „Die Entdeckung heimischer Naturstein-Vorkommen stärkt die regionale Wirtschaft und hilft, klimaverträglicher zu bauen“, fasst Eichhorn die Bedeutung der neu bewerteten Lagerstätten zusammen.

Die Quaderkalk-Vorkommen zwischen Würzburg und Bad Mergentheim sind eigentlich schon lange bekannt. Sie sind nun aber wieder ins Augenmerk des Landesamtes gerückt, weil in der Vorausschau „die kurz- bis mittelfristige Versorgung mit diesem wichtigen, heimischen Rohstoff gefährdet“ ist.

Die Gründe dafür sind:
* der fortschreitende Abbau dieser Natursteine in Brüchen in der Umgebung,
* die zunehmende Verknappung potenzieller Gewinnungsstellen, * das ungünstiger werdende Abraum-zu-Rohstoff-Verhältnis.

Bei den Erkundungen wurden 16 Bohrungen abgeteuft, die anschließend petrografisch und rohstoffgeologisch angesprochen, nach der sogenannten „Steinbrecherklassifikation“ eingeteilt und auf ihre Eignung als Werkstein getestet wurden.

Aus den Ergebnissen konnte eine Fläche von 466 Hektar als potenzielles Abbaugebiet ermittelt werden. Diese verteilen sich auf 6 einzelne Zonen und eignen sich für die mittel- bis langfristige Versorgung mit Quaderkalk.

Dabei handelt es sich sowohl um Erweiterungspotenziale bereits bestehender Vorranggebiete für die Rohstoffgewinnung als auch um noch ungenutzte Bereiche mit hohem Rohstoffpotenzial und relativ wenig konkurrierenden Nutzungen.

Reiner Krug, Geschäftsführer beim Deutschen Naturwerkstein-Verband (DNV), bewertet die Initiative des Landesamtes positiv: „Die Natursteingewinnung ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor in einigen Regionen, sondern auch ein wichtiger Bestandteil unserer kulturellen Identität.“ Er verweist darauf, dass Stadtkerne aus heimischem Stein eine besondere Identifikationskraft für die Bürger haben und zudem für Touristen besondere Anziehungspunkte darstellen.

Bayerisches Landesamt für Umwelt (LFU)

(16.12.2019)