Das riesige Bimssteinfloß im Pazifik stammt aus dem Vulkan „F“ und treibt auf Australiens Great Barrier Reef zu

Darstellung des Vulkans „F“ anhand älterer bathymetrischer Daten. Grafik: Philipp Brandl/Geomar

Bei Unterwasserausbrüchen entstehen häufig große Mengen des porösen Gesteins, das dann an der Oberfläche weite Flächen bedeckt

Seit August 2019 treibt eine riesige Ansammlung von Bimssteinen im Südwestpazifik Richtung Australien. Forscherinnen und Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel haben jetzt zusammen mit Kollegen aus Kanada und Australien den Ursprung dieses sogenannten Bimssteinfloßes identifiziert: Es handelt sich um einen bislang namenlosen Unterwasservulkan in den Gewässern von Tonga.

Steine schwimmen nicht im Wasser. Das ist eine Binsenweisheit. Doch es gibt kaum eine Regel ohne Ausnahme. Tatsächlich entsteht bei manchen Vulkanausbrüchen ein sehr poröses Gestein, dessen Dichte so niedrig ist, dass es eben doch schwimmt: Bimsstein. Eine ungewöhnlich große Menge davon treibt aktuell im Südwestpazifik Richtung Australien.

Als dieses sogenannte „Bimssteinfloß“ Anfang August erstmals in den Gewässern des Inselstaates Tonga gesichtet wurde, bildete es fast eine geschlossene Fläche auf dem Wasser und sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Verschiedene Unterwasservulkane waren damals als Ursache des Phänomens im Gespräch. Doch der direkte Nachweis für den genauen Ursprung der Bimssteine fehlte bislang.

Inzwischen konnten Forscher die Bimssteinquelle eindeutig identifizieren. Es handelt sich um einen bislang namenlosen Unterwasservulkan knapp 50 Kilometer nordwestlich der tongaischen Insel Vava’u. „In der internationalen Fachliteratur erscheint er bisher nur unter der Nummer 243091 oder als Vulkan ‚F‘“, sagt Dr. Philipp Brandl vom Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, Erstautor der Studie.

Bei der Auswertung von frei zugänglichen Satellitenbildern wurde das Forscherteam fündig. Auf einer Aufnahme des ESA-Satelliten Copernicus Sentinel-2 vom 6. August 2019 sind auf der Wasseroberfläche eindeutige Spuren einer aktiven Unterwassereruption zu erkennen. Da die Aufnahmen exakt georeferenziert sind, konnte sie mit entsprechenden Meeresbodenvermessungen abgeglichen werden. „Die Eruptionsspuren passten genau zu Vulkan ‚F‘“, sagt Brandl.

Zur Sicherheit verglichen die Forscher diese Position auch noch mit Informationen von seismischen Messstationen.

Der Bimsstein kann bei Vulkaneruptionen entstehen, wenn zähflüssige Lava von vulkanischen Gasen wie Wasserdampf und Kohlendioxid aufgeschäumt wird. Dabei entstehen so viele Poren in dem erkalteten Gestein, dass dessen Dichte geringer ist als die von Wasser. „Bei einer Unterwassereruption ist die Wahrscheinlichkeit natürlich besonders hoch, dass auch Bimsstein entsteht“, erklärt Brandl.

Bei der aktuellen Treibrichtung und Geschwindigkeit erreichen die Bimssteine vermutlich Ende Januar oder Anfang Februar das Great Barrier Reef vor Australiens Ostküste. Vor allem Biologen sehen diesem Ereignis mit Spannung entgegen, weil Bimssteinflöße möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Organismen über die Weiten des Pazifiks spielen.

Quelle: Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

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Brandl, P. A., F. Schmid, N. Augustin, I. Grevemeyer, R. J. Arculus, C. W. Devey, S. Petersen, M. Stewart, H. Kopp & M. D. Hannington (2019): The 6-8 Aug 2019 eruption of ‘Volcano F’ in the Tofua Arc, Tonga. Journal of Volcanology and Geothermal Research, https://doi.org/10.1016/j.jvolgeores.2019.106695

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(19.12.2019)