Peter Crinnion aus England ist ein Bildhauer der kleinen und schelmischen Arbeiten

Peter Crinnion: „Steinmelone“, 2006, Portland stone, 260mm high.

Er studierte Kunst und entdeckte nach einer Weile die Exaktheit der Steinmetze als Bereicherung für seine Arbeit

Peter Crinnion ist kein Künstler der großen Werke und Themen, vielmehr einer der kleinen Form. Vielleicht könnte man ihn in die Tradition der Schelme oder Eulenspiegel stellen, die mit kleinen Späßen Aufmerksamkeit erreichen. Schließlich schreibt er auf seiner Homepage über sich selbst und den Naturstein: „Ich habe Spaß daran, ein Material und eine Bearbeitung anzuwenden, die oft als unzeitgemäß betrachtet werden, und dies auf eine neue und relevanten Art und Weise zu tun.“

Seine Themen sind oft purer Jokus, wie seine vielfältigen Varianten des „Bloke“ (Kerl). Das ist ein Thema, das er geradezu durchdekliniert.

Peter Crinnion: „Kerl, der mit dem Arsch in einer Kiste steckt“, 2012, Portland stone, 250mm high.Peter Crinnion: „Kerl, der mit dem Arsch in einer Kiste steckt“, 2012, Portland stone, 250mm high.

Wobei die eine oder andere dieser Gestalten beim Betrachter auch ein tieferes Mitgefühl oder vielleicht sogar Melancholie oder Mitleid auslösen kann.

Crinnion schreibt uns dazu, dass er hoffe, „dass die Leute über seine Arbeit grinsen“.

Peter Crinnion: „Jac-Y-Do“, 2014, Welsh Mudstone, 400mm high.

Manche dieser Miniaturen erreichen aber auch philosophische Tiefe, etwa der Rabe, der wie ins Nachsinnen versunken auf einem Steinblock sitzt. Zugegeben: man findet diese Art der Körperhaltung bei allen Vögeln, und insofern ist die Arbeit von Crinnnion auch eine genaue Beobachtung der Natur.

Peter Crinnion: „Auf die Plätze... Fertig... Los!“, 2013, Bath stone, 400mm high.Peter Crinnion: „Humble Bee“, 2018, Ancaster Stone.

Genauso in den Weinbergschnecken mit dem Titel „Auf die Plätze“… Fertig…Los! oder in der „Hummel“, die offenbar in ein Gebet versunken ist.

Das sind Eulenspiegeleien, wie man sie ähnlich und mit häufig deftiger Aussage in den Wasserspeiern an den Kathedralen findet. Realität und Traum sowie Diesseits und Jenseits gehen da gerne ineinander über.

Peter Crinnion: „Hungriges Gespenst“, 2019, Norwegian Soapstone.

North Wales war eine Station auf seinem langen Weg durch die Kunst und die Steinmetzarbeit. Crinnion studierte an verschiedenen Colleges und Universitäten und arbeitete mit den unterschiedlichsten Materialien. Er muss wohl gute Lehrer gefunden haben, die er alle namentlich erwähnt, und die ihn auch in Kurse außerhalb der Denkweise der jeweiligen Schule schickten.

So kam aus der Kunsthochschule heraus in Kontakt mit der Art und Weise, wie die Steinmetze mit dem Stein umgehen – deren exaktes und nachmessbares Arbeiten sei ihm zunächst wie eine Einschränkung gegenüber der Herangehensweise als Künstler erschienen. Dann aber habe er „Spaß an exakten Toleranzen und Befriedigung darin gefunden, zu wissen ob das, was ich da tue, korrekt war oder nicht“.

„Da wurde ich noch mehr besessen, vom Stein und genauso von der Geometrie“, heißt es weiter.

Damit bringt er das auf den Punkt, was seine Arbeiten so faszinierend anzuschauen macht: er es gibt eine Mischung zwischen nüchterner Exaktheit und gedanklicher Freiheit, und seine Gedankenblitze hat er für alle Zeit im Stein eingefangen.

Peter Crinnion (1, 2)

(22.12.2019)