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Dr. Carlo Montani plädiert dafür, statt Konkurrenzkampf Synergien mit den konkurrierenden Kunststeinen zu suchen

Dr. Carlo Montani bei der Pressekonferenz auf der Marmomac 2019.Auf der Marmomac stellte der Vater der Statistiken zum Natursteinmarkt die 30. Ausgabe seines Jahrbuchs vor

Zum 30. Mal präsentierte Dr. Carlo Montani sein Statistik-Jahrbuch für die Steinbranche, wie üblich auf der Marmomac. In seinen Analysen spiegeln sich die Erfahrungen aus 3 Jahrzehnten Beobachtung des Steins auf dem langen Weg vom Abbau zum Kunden, und Montanis Analysen sind bekannt für ihre Nüchternheit – Zahlen eben. „XXX Rapparto marmo e pietre nel mondo 2019 / „XXX Report marble and stones in the world 2019” lautet der Titel des Buches.

Diesmal aber war einer seiner Gedanken eher verstörend, nämlich als es um die steigenden Anteile der neuen Kunststeine (Engineered Stone und Quarzkompositmaterialien) am Weltmarkt ging: Montani plädierte für Gelassenheit und gab zu Bedenken, dass die neuen Konkurrenten zu mehr als 90 % aus gemahlenem Naturstein bestehen – also stellte er die Frage in den Raum, ob man mit ihnen nicht „Synergien entwickeln” könnte.

Er meinte damit, dass sich beide Materialien doch dem Kunden als ungleiche Brüder präsentieren könnten.

Einige der Analysen aus der aktuellen Ausgabe seines Statistik-Jahrbuchs:
* Die weltweite Natursteinproduktion stieg 2018 gegenüber dem Vorjahr um +0,8% auf rund 313 Millionen t (116 Millionen m³), davon wurden 90 Millionen t in Steinprodukte umgewandelt. Seit Jahren beklagt Montani, dass die Branche aus den Ressourcen zu viel Abfall macht;
* in den vergangenen 50 Jahren erzielte die weltweite Steingewinnung ein Wachstum von jährlich rund 30 % (wobei jedoch der Anteil der ehemals führenden europäischen Länder deutlich zurückging);
* er mahnt die Branche zu mehr Investitionen in die Modernisierung ihrer Anlagen und fordert auch begleitende staatliche Investitionen etwa in die Infrastruktur und den Transport;
* insgesamt sieht er die Steinbranche als einen Wirtschaftszweig, der bei vergleichsweise geringen Investitionen große Erträge abwirft und plädiert deshalb dafür, dass Entwicklungsländer sich eine Natursteinwirtschaft aufbauen sollten.

Unter den großen Playern der Branche haben sich laut Montani wieder Verschiebungen ergeben, die wir stichwortartig wiedergeben:
* schon im letzten Jahr wurde China als größter Exporteur (nach Tonnage) von Indien abgelöst. Jedoch ist hier anzumerken, dass es sich beim weitaus größten Anteil von Indiens Ausfuhren um Rohblöcke (von Granit) nach China handelt;
* Italien liegt beim Wert seiner Ausfuhren pro Tonne zwar nach wie vor deutlich vor den Mitbewerbern, aber nach Tonnage ging sein Anteil deutlich zurück und fiel sogar unter den Wert von 2009. Bei den Importen waren die Rückgänge sogar noch deutlicher;
* Iran konnte seine Exportzahlen im Jahr 2018 deutlich steigern. Bei Endprodukten setzte es 420.000 t mit einem Wert von 160 Millionen US-$ um. Kunden hatte es vor allem in Asien, im Irak und in der Türkei. Auf den europäischen und nordamerikanischen Märkten war es jedoch praktisch nicht präsent;
* die Türkei litt stark unter dem Rückgang bei den chinesischen Importen. Jedoch gehen auch weiterhin 4 Fünftel seiner Lieferungen in Tonnage dorthin. In einer Randbemerkung verwies Montani darauf, dass das Land bei seinen Exporten auch Steine zweiter Qualität verkauft und warf damit ein neues Licht auf die immer wieder beklagten deutlich geringeren Erträge pro Tonne, die die Türkei gegenüber vergleichbaren Ländern erzielt.

Das Buch „XXX Rapporto marmo e pietre nel mundo 2019 / XXX Report Marble and Stones in the World 2019“ ist zweisprachig (Italienisch und Englisch), hat gut 280 Seiten und ist bei Aldus Casa di Edizioni, Carrara erschienen. Es kann für 30 € als pdf von der Webpage des Verlages heruntergeladen werden.

(23.12.2019)