Ausstellung im Frankfurter Liebieghaus „Bunte Götter – Golden Edition“ über die Farbigkeit der antiken Statuen

Experimentelle Farbrekonstruktion der Statue einer Frau, die sich in einen Mantel hüllt, sogenannte Kleine Herkulanerin, 2019, Liebieghaus. Original mit Farbfassung: Delos, 2. Jahrhundert v.Chr., Marmor, Archäologisches Nationalmuseum, Athen.

Neue Exponate und neue Theorien, wieso in späteren Jahrhunderten das reine Marmorweiß in Mode kam

Skulpturen in reinem Marmorweiß – diese Vorstellung bestimmt bis heute das Bild der europäischen Antike. Doch dieser Eindruck ist falsch: Einerseits basiert er auf dem Un- beziehungsweise Halbwissen der Renaissance und ihrer Vorläufer, andererseits aber auf einer Ideologie der reinen Form, die vor allem im 20. Jahrhundert bewusst verbreitet wurde.

Die Vermutung steht im Raum, dass die farblose Skulptur als Sinnbild einer angemaßten Überlegenheit des „weißen Mannes“ dienen sollte – im Gegensatz zu den angeblich naiven, weil bunten Gestaltungsprinzipien der außereuropäischen Kulturen.

Die Ausstellung „Bunte Götter – Golden Edition“ bis zum 30. August 2020 im Frankfurter Liebieghaus präsentiert neueste Erkenntnisse und resümiert 40 Jahre intensive Forschung zur Farbigkeit der antiken Skulpturen. Sie tourte seit 2013 durch die Welt und wurde seitdem durch viele aktuelle farbliche Rekonstruktionen erweitert.

Experimentelle Studie zur Farbigkeit des sogenannten Treu-Kopfes, Liebieghaus Skulpturensammlung. Original: Italien, Rom, 2. Jahrhundert n.Chr., Marmor, The British Museum, London.

Das Alltagsleben der Griechen und Römer war arm an Bildern. Betrat man jedoch eine größere Stadt oder ein ländliches Heiligtum, so war man plötzlich einer großen Fülle von farbigen Bildwerken und bunten Bauten ausgesetzt. Womöglich waren auch Priester, Priesterinnen und Opferdiener, insbesondere an den Festtagen, in kostbare und farbige Gewänder gekleidet.

Tatsächlich bemühten sich die griechischen Künstler um eine Perfektionierung der Illusion: Gerade die Skulpturen aus Bronze sollten die Besucher durch Lebensnähe überraschen. Für diesen Realismus war die Farbgebung der Figuren besonders wichtig.

Unverzichtbar war die farbige Gestaltung außerdem für die Lesbarkeit der Skulpturen weit oben an den Tempelbauten. Ornamente und klare Farben erleichtern ganz wesentlich das Erkennen der mythologischen Ereignisse in den Giebelfeldern und auf den Tempelfriesen.

Quelle: Liebieghaus, Frankfurt/Main

Fotos: Liebieghaus Skulpturensammlung / Norbert Miguletz

Ausstellung im Liebieghaus „Bunte Götter“

(16.02.2020)