Ein „Geschichtenbuch“ über Deutschlands Böden und deren langes Gedächtnis

Beispiele für Böden in Deutschland (v.l.n.r.): Marschboden im Landkreis Dithmarschen, Zebraboden (Treposol) im Landkreis Emsland, Braunerde im Landkreis Stade. Quelle: Thünen-Institut/AK

Aus dem Thünen-Institut mit Sitz in Braunschweig kommt ein Sachbuch über das, was den Menschen zu Füßen liegt

Deutschland macht nur 0,3 Prozent der globalen Landfläche aus, beheimatet aber mehr als die Hälfte aller Bodentypen, die weltweit vorkommen. Die Bodenkartierer des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz haben sich alle diese Bodentypen vorgenommen: Sie haben mehr als 3.000 Böden unter Acker und Grünland in ganz Deutschland aufgegraben, um sie für die bundesweite Bodenzustandserhebung Landwirtschaft zu beproben. „Eine Gelegenheit, die sich nicht jedem Bodenkartierer hierzulande bietet“, erklärt Roland Prietz, der die Feldarbeiten der Bodenzustandserhebung von 2012 bis 2018 geleitet hat.

Jeder Boden, seine Lage in der Landschaft und auch bodenkundliche Besonderheiten wurden dabei fotografisch festgehalten. So entstand eine riesige Bilddatenbank mit mehr als 20.000 Fotos. Eine Auswahl dieser Bilder findet sich in dem neu erschienenen Buch „Unsere Böden entdecken“, das Axel Don und Roland Prietz vom Thünen-Institut geschrieben haben.

„Böden haben ein langes Gedächtnis“, erklärt Axel Don, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts, „wenn man Böden richtig lesen kann, erzählt jeder Boden eine Geschichte.“ Die Geschichten handeln vom Klima und der Pflanzenwelt längst vergangener Tage oder davon, wie Böden beackert wurden, um Nahrungsmittel anzubauen.

Neben Klassikern unter den Bodentypen wie der Braunerde sind in dem Buch auch Exoten abgebildet, wie der Zebraboden, der durch Tiefpflügen entstanden ist, oder die Marschböden, die es nur an der Küste gibt. Kleine Textboxen in jedem Kapitel enthalten Informationen zu bodenkundlichen Besonderheiten.

„Wir wollten kein Lehrbuch schreiben, sondern ein Geschichtenbuch über Böden“, sagt Axel Don. Die aufgegrabenen Bodenprofile sind alle längst wieder sorgfältig zugeschüttet worden. Übrig geblieben sind, neben einer Menge Daten, die Fotos. Sie sollen allen, die nicht im Feld dabei waren, einen Einblick in diese (Unter)Welt in Deutschland geben.

Das Buch mit dem Titel „Unsere Böden entdecken – Die verborgene Vielfalt unter Feldern und Wiesen“ (Axel Don / Roland Prietz) ist im Springer Verlag erschienen und ist als E-Book und als Printausgabe erhältlich. Es hat 145 Seiten, enthält über 100 Bodenfotos und kostet 14,99 € (E-book) beziehungsweise 19,99 € (Hardcover+ E-book).

Das Johann Heinrich von Thünen-Institut mit Sitz in Braunschweig ist das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Es erstellt wissenschaftliche Analysen und berät die Bundesregierung. Johann Heinrich von Thünen lebte von 1783 bis 1850 und verknüpfte Erfahrungen aus der Praxis der Landwirte mit theoretischen mathematischen Modellen. Damit wurde er zu einem der wichtigsten Wegbereiter der heutigen angewandten Forschung im Agrarbereich.

Quelle: Thünen-Institut

(29.02.2020)