Deutschland hat ein „Gestein des Jahres“ und das mit einigem Erfolg

Schieferdeckung an einem Haus. Foto: Susen Reuter

Ziel ist, den Bürgern die Bedeutung der Geologie und dieser Bodenschätze nahezubringen

In Deutschland rufen die Geologen jährlich ein „Gestein des Jahres“ aus. Damit wollen sie ihr Fachwissen den Bürgern nahebringen. Ziel ist außerdem, die Bedeutung der Steine als Rohstoffe bekannt zu machen. In diesem Jahr wurde der Andesit ausgewählt – eine Sorte, die in Deutschland zwar vorkommt und als Schotter etwa für Eisenbahntrassen abgebaut wird, von der aber bisher kaum jemand etwas gehört hat.

Im letzten Jahr war der Schiefer Gestein des Jahres. Der ist nun wirklich allen geläufig, denn vielerorts gibt es ganze Dörfer damit als Fassadenverkleidung oder auf dem Dach. Außerdem erinnert sich noch mancher an die Zeit als Schulkind.

Dr. Christof Ellger von der deutschen Geounion Alfred-Wegener-Stiftung hat das Konzept auf Englisch in einem Beitrag für die Zeitschrift der europäischen Geologen dargestellt.

Die Vorläufer der Idee liegen vermutlich in den Jahren 1882/83 und 1932/33, als internationale Polarjahre ausgerufen worden waren. Die Vereinten Nationen griffen die Idee auf und benannten 1959 erstmals ein „Weltweites Jahres des Flüchtlings“ (Année Mondial du Réfugue).

In Deutschland kamen die Umweltschützer erstmals 1971 mit einem „Vogel des Jahres“ heraus. Inzwischen hat sich ein wahrer Wildwuchs an Nominierungen ausgebreitet: neben dem Fluss des Jahres und der Landschaft des Jahres benennen zahlreiche Organisationen alle 12 Monate eine Pflanze, einen Pilz, sogar einen Einzeller und vieles mehr.

Die Geologen sind seit 2007 dabei. Initiator ist der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler.

Schieferpark Lehesten, Thüringen. Foto: Susen Reuter

Zum ausgewählten Gestein werden Flyer und Pressemitteilungen erstellt, darüber hinaus gibt es Vorträge in Naturkundemuseen oder Führungen zu Aufschlüssen, wo das Gestein an die Oberfläche tritt. Ein Höhepunkt ist der „Tag des Geotops“ jeweils am 3. Sonntag im September.

Denn, wie Christof Ellger in dem Artikel schreibt: „Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen kommt Geologie in den Schulen praktisch nicht vor.“

Interessant an der Initiative ist, dass die Geologen in ihrem Anliegen eine Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit sehen: sie sehen es als ihre eigene Aufgabe an, das Thema dem Bürger nahe zu bringen, nicht als eine Sache des Bürgers, sich darum zu bemühen.

Folglich wird das nominierte Gestein populärwissenschaftlich präsentiert: dargestellt wird etwa, wie der Vulkanismus die deutschen Landschaften gestaltet hat und warum welche Gesteine sich dabei gebildet haben. Von hier ist der Weg in die Geschichte und Kultur nur noch kurz.

Und: die Initiatoren spielen auf allen Tasten des Medienklaviers und nehmen dabei auch gerne Mitstreiter hinzu. Als es zur Proklamation des Gesteins des Jahres 2019 eine veritable Taufe in einem Schieferbruch in der Eifel gab, wurden auch die Weine aus der Gegend ausgeschenkt.

Bei der Auswahl von Jahr zu Jahr versucht man die 3 großen Kategorien (vulkanische Gesteine, Sedimentgesteine, metamorphe Gesteine) gleichberechtigt zu berücksichtigen.

Flexibel sind die Initiatoren auch mit den Grenzen der Wissenschaftlichkeit: 2016 war der Sand das Gestein des Jahres, obwohl er nicht wirklich ein Gestein ist. Jedoch kam damals das Knappwerden des Sandes als Baustoff weltweit als Thema auf.

Christof Ellger schaut in einem Fazit in die Zukunft: „Die Herausforderung besteht darin, Gesteine zu wählen, die gleichermaßen attraktiv für die Medien wie für das Publikum sind… Für die Initiative ihrerseits gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, angefangen von einer eigenen Webpage für das Gestein des Jahres bis hin zu besserer Abstimmung der beteiligten Verbände und der anderen Ansprechpartner untereinander.“

European Geologist „Featuring Slate: The German Geoheritage Initiative ,Rock of the Year’ in 2019“

Journal der European Federation of Geologists

(25.03.2020)