Chen Guoqing: „Chinas Wirtschaft wird voraussichtlich im dritten Quartal 2020 zu ihrer normalen Wachstumsrate zurückkehren”

Chen Guoqing, Präsident des chinesischen nationalen Steinverbandes CSMA. Foto: CSMA

In den letzten zehn Jahren hat das Land nach Angaben des Präsidenten des chinesischen nationalen Steinverbandes CSMA jährlich etwa 90% seines Natursteinvolumnes auf dem Heimatmarkt umgesetzt / Die Exporte machten nur 10% aus

Die China Stone Material Association (CSMA) ist die landesweite Organisation der Steinbranche des Landes. Mehr als 1000 führende Unternehmen von Steinbrüchen über Verarbeiter bis hin zu Händlern sind Mitglieder. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Seit 2016 ist Chen Guoqing der Präsident. Peter Becker von Stone-Ideas.com sprach mit ihm über die aktuelle Situation.
 

Stone-Ideas.com: Wie lange wird es dauern, bis Chinas Wirtschaft wieder auf das Niveau vor der Covid-19-Pandemie zurückkehrt?

Chen Guoqing: Seit Anfang Februar hat die chinesische Regierung eine Reihe von Senkungen von Steuern und Gebühren in Kraft gesetzt, um kleine und mittlere Unternehmen bei der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie lag die Wiederaufnahmequote größerer Unternehmen Ende März bei über 90%, und bei kleinen und mittleren Unternehmen bei über 70%. Im Steinsektor sind die Unternehmen seit dem 10. Februar wieder im Einsatz. Bis zum 15. April lag die Wiederaufnahme in großen Naturstein-Clustern bei 90%, wobei die Produktionsquote über 50% erreichte. Chinas Wirtschaft als solche wird voraussichtlich im dritten Quartal 2020 allmählich zu ihrer normalen Wachstumsrate zurückkehren. Nach Angaben des Nationalen Statistikbüros ging das chinesische Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um 6,8% zurück, während sich im März die Rückläufe bei den wichtigsten Wirtschaftsindikatoren schon wieder stark verringerten. Die Rate der Wiederaufnahme der Arbeit größerer Unternehmen (bezieht sich auf Industriefirmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Millionen Yuhan) liegt nahe bei 100%, und die von kleinen und mittleren Unternehmen bei mehr als 80%. Vor kurzem hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum deutlich gesenkt. Es wird erwartet, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3% zurückgehen und China um 1,2% wachsen wird.
 

Stone-Ideas.com: Wie steht es um die Bauindustrie in China: Wurden die Projekte neu gestartet, die aufgrund von Corona gestoppt waren? Sind neue Projekte geplant?

Chen Guoqing: Laut einer Umfrage der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission gab es am 20. März in allen Provinzen Chinas etwa 11.000 Schlüsselprojekte, die eine Wiederaufnahmequote von 89,1% erreicht hatten. Darunter waren Infrastrukturbauten wie Straßen und Eisenbahnen, medizinische Einrichtungen, Bauten für die öffentliche Gesundheit und mehr sowie Projekte im Umweltbereich und im Umweltschutz,. Neue industrielle Investitionsprojekte werden ebenfalls gestartet. In Shanghai beispielsweise wurden am 31. März Verträge für 152 große Industrievorhaben mit einer Gesamtinvestition von rund 441,8 Milliarden Yuan unterzeichnet, bei denen die ausländischen Projekte eine Investitionssumme von mehr als 16 Milliarden US-Dollar ausmachten. Bis Ende März lag die Wiederaufnahmequote chinesischer Baufirmen und Immobilienentwickler bei rund 80% und damit deutlich über der von Ende Februar. Am 22. April hat ExxonMobil den Grundstein für seinen Chemiekomplex in Huizhou in der südchinesischen Provinz Guangdong gelegt. Die Gesamtinvestition beträgt hier rund 10 Milliarden US-Dollar. Bis zum 22. April nahmen 1326 Großprojekte in Wuhan, der Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hubei, ihre Arbeit aufi. Sie umfassten Investitionen von über 100 Millionen Yuhan. Erst am 08. April waren die Corona-Beschränkungen dort wieder aufgehoben worden.
 

Chinas Importe an Naturstein 2018 und 2019 sowie in den ersten beiden Monaten 2020. Quelle: CSMA
Stone-Ideas.com: Wie verhält es sich mit den Importen – haben chinesische Firmen wieder angefangen, Naturstein im Ausland einzukaufen? Kaufen sie in denselben Ländern ein wie vorher?

Chen Guoqing: 2019 gehörten zu Chinas wichtigsten Beschaffungsländern für Natursteine: Indien, die Türkei, Portugal, Ägypten, Brasilien, Italien, Iran, Griechenland, Spanien, Norwegen und Finnland, hauptsächlich asiatische und europäische Länder. Nach den Importdaten von Januar bis Februar 2020 haben sich die wichtigsten Lieferländer nicht verändert. Aufgrund der Epidemie gingen Chinas Steinimporte von Januar bis Februar 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mengenmäßig zwar um 11,3% zurück. Mit der allgemeinen Erholung der Wirtschaft in Übersee aber werden Chinas Steinimporte allmählich wieder anziehen, und die wichtigsten Beschaffungsländer für Steine werden sich kaum ändern.
 

Stone-Ideas.com: Wie sieht es aus mit den Exporten und dem nationalen Konsum an Naturstein?

Chen Guoqing: Mit der Wiederaufnahme des Bauaktivitäten in China erholen sich auch die Inlandsbestellungen nach Naturstein stetig, und einige bisher exportorientierte Unternehmen haben sich jetzt auch der Inlandsnachfrage zugewandt. Laut Statistik machte Chinas heimischer Verbrauch an Steinprodukten im letzten Jahrzehnt etwa 90% des Gesamtvolumens der Branche aus. Die Exporte beliefen sich nur auf 10% des Gesamtumsatzes.

China Stone Material Association (Chinesisch)

(30.04.2020)