Wie der Staat mit kluger Steuerpolitik den Unternehmen helfen kann, die Coronakrise zu überstehen

Nicht nur in Krisenzeiten kann der Staat durch eine kluge Steuerpolitik den Unternehmern bei den Umsätzen helfen und ihnen so das Überleben erleichtern.

Professor Dr. Martin Jacob von der WHU – Otto Beisheim School of Management listet die Stellschrauben und die Möglichkeiten auf

Wie der Staat mit seiner Steuerpolitik den Unternehmen helfen kann, die Coronakrise zu überstehen, hat Prof. Dr. Martin Jacob von der WHU – Otto Beisheim School of Management untersucht.

Dabei konzentrierte er sich auf 3 Arten von Steuern:
* die Unternehmenssteuern,
* die Mehrwertsteuer,
* die Kapitalertragssteuer.

Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen stehen derzeit vor einem Liquiditätsproblem. Dabei liegt es auf der Hand, dass geringere Unternehmenssteuern ihnen helfen würden, ihre Rechnungen zu begleichen und die Mitarbeiter zu bezahlen.

Im OECD-Vergleich nimmt Deutschland mit einem Unternehmenssteuersatz von 30 Prozent einen Spitzenplatz ein. Würde diese Abgabe in Krisenzeiten gesenkt, würde das inländischen Unternehmen erlauben, ihrerseits wieder mehr zu investieren, so Jacob. Eine Untersuchung nach der Finanzkrise 2008 hatte gezeigt, dass ein Großteil der Unternehmen nach unterschiedlichen Maßnahmen jeden gesparten Euro unmittelbar wieder in die eigene Firma steckte.
Eine Senkung der Unternehmenssteuern wäre zudem eine Möglichkeit, für ausländische Investoren Investitionen in Deutschland attraktiver zu machen und so Kapital anzuziehen.

Auch Steuern für Privatpersonen können indirekt großen Einfluss auf die Unternehmen haben. Prof. Jacob nennt in diesem Zusammenhang vor allem die Mehrwert- und die Kapitalertragssteuer.

So konnten in der Vergangenheit beispielsweise Anhebungen der Mehrwertsteuer nicht beliebig von den Firmen an die Konsumenten weitergegeben werden. Der Grund sind psychologische Schwellen bei Preisen wie 9,99 €. Vielfach mussten in solchen Fällen die Unternehmen auf die Weitergabe der Kosten durch Anhebung der Preise verzichten, weil sie befürchteten, weniger Produkte verkaufen zu können.

Eine weitere Besteuerung, die nicht direkt von den Unternehmen abgeführt wird, ist die Kapitalertragssteuer, die auf Dividenden anfällt. Hat der Betrieb genügend liquide Mittel zur Verfügung, fällt die Besteuerung der Shareholder zunächst kaum ins Gewicht. Verfügen sie jedoch über wenig liquide Mittel, würde eine Senkung der Kapitalertragssteuer dazu beitragen, frisches Kapital von Investoren anzuziehen. Diese zusätzlichen Mittel könnten dem Unternehmen dann helfen, seinerseits wieder zu investieren und seine Mitarbeiter bezahlen zu können.

Was direkte Zuwendungen des Staates an Unternehmen betrifft, sind sie sind ein kurzfristiges Mittel, um die Überlebenschancen der Betriebe zu verbessern und die Finanzmärkte zu beruhigen.

Die gebündelten Forschungsergebnisse wurden von Prof. Dr. Martin Jacob im Rahmen einer neuen WHU-Webinar-Serie vorgestellt. Informationen und Anmeldung zu den kommenden Webinaren über
https://www.whu.edu/de/programme/lp/whu-webinar-series/

(09.05.2020)