Sommerhitze in der Stadt – heller Granit als Wegebelag kann helfen, die Temperaturen erträglich zu halten

Im Hochsommer kann das Leben in der Stadt unerträglich werden, wenn auch nachts die Temperaturen nicht mehr heruntergehen.

Nicht nur die hohe Albedo des Materials kann das Kleinklima im Rahmen machen, sondern auch eine Verlegung, die das Versickern von Regenwasser fördert

Im Hochsommer kann das Leben in der Stadt unerträglich werden, wenn über Wochen die Hitze zwischen den Häuserschluchten steht und auch nachts die Temperaturen nicht mehr heruntergehen. Besonders schlimm ist es in den so genannten Hitzeinseln. Ein Forschungsprojekt in der französischen Stadt Lyon hat nun untersucht, inwieweit bestimmte Bodenbeläge auf Straßen und Plätzen helfen können, solchen Hitzestress für Bewohner und Pflanzen zu reduzieren. Das französische Magazin Pierre Actual, selber in Lyon ansässig, hat über die Ergebnisse berichtet: heller Granit erreicht die allerbesten Werte beim Wärmeausgleich und ein bestimmter Unterbau unter solch einem Pflaster kann die positive Wirkung noch verstärken.

Wichtig bei diesen Erkenntnissen ist, dass sie auf wissenschaftlicher Grundlage erzielt wurden. Bisher gab es dazu nur Erfahrungen, die den Planern jedoch nicht wirklich verlässliche Daten an die Hand gaben.

Testgebiet in Lyon war der Bezirk Part-Dieu, der als Geschäftszentrum unmittelbar am Hauptbahnhof liegt. Von seiner Bedeutung für die Stadt gilt er als zweites Zentrum neben der Altstadt.

Die Versuchsfläche mit den unterschiedlichen Materialien.Die Versuchsfläche mit den unterschiedlichen Materialien.

In der Rue Dr. Bouchut wurden im Jahr 2017 Testflächen mit Naturstein, Sand, Asphalt und Beton installiert. Von Mai an wurden bis in den Herbst deren Temperaturen gemessen: 2 cm über den jeweiligen Bodenbelägen, direkt auf ihrer Oberfläche und in ihrem Inneren.

Die Versuchsfläche mit den unterschiedlichen Materialien. (von oben nach unten) links: zweimal Beton, darunter Asphalt; rechts: Granit, Sand, Bepflanzung.

Ermittelt wurden zahlreiche weitere Faktoren, unter anderem, wie weit ein Material die Wärme- und Lichtstrahlung der Sonne abstrahlt. Das Maß dafür ist die Albedo, die auch Auskunft darüber gibt, wie stark sich eine Oberfläche erwärmt. Bekanntlich ist sie besonders hoch bei spiegelnden oder weißen Oberflächen, zum Beispiel bei Schnee.

Die gemessenen Temperaturen (in Grad Celsius) als Beispiel für die Woche vom 12. bis 18. Juni (Ausschnitt). (von oben nach unten) links: zweimal Beton, darunter Asphalt; rechts: Granit, Sand, Bepflanzung.

Heller Granit schnitt bei den Messungen während der 6 Testmonate am besten ab. Der Maximalwert der Temperaturen lag an seiner Oberfläche unter 50 Grad beziehungsweise nahe daran, während Beton und besonders Asphalt mehr als 65 Grad verzeichneten.

Zur Veranschaulichung: 15 Grad sind der Unterschied zwischen lauen Tag im Frühling und einem richtig heißen im Hochsommer mit 30 Grad.

Verdichteter Sand hatte wegen seiner hohen Porosität noch geringfügig bessere Temperatur-Werte als Granit. Allerdings ist Sand für Zonen mit starker Nutzung nicht geeignet.

Auf einer anderen Testfläche wurde untersucht, wie man mehr Regenwasser in den Boden leiten könnte. Denn Versickerung kann sich mehrfach positiv aufs Stadtklima auswirken: zum einen indirekt über die Bäume und ihre Blätter, zum anderen indirekt, indem in heißen Sommernächten das Wasser aus dem Untergrund wieder nach oben steigt, dort verdunstet und so die Temperaturen senkt.

Als Pflaster wurden hier Steine aus hellem Granit mit den Maßen 45 x 15 x 12 cm verlegt. Darunter gab es eine besondere Schicht aus Erde mit großen Steinbrocken („terre-pierre“ genannt). Die erwies sich als ideal, um das Regenwasser, das durch die Fugen herunterkam, aufzunehmen und zu verteilen. Darauf lag eine Schicht aus porösem Beton (béton drainant C20, granulométrie 10/20), darauf das Bett für die Granitsteine (gravette 4/6 concassé granitique).

Das Regenwasser stand so auch den Wurzeln der Bäume zur Verfügung. Die Pflasterarbeiten übernahm die Firma Maia-Sonnier.

Granitpflaster und der neuartige Unterbau kamen nun schon bei der Neugestaltung des Place de Francfort auf der anderen Seite des Bahnhofs zum Einsatz.

Betrachtet wurden in dem Projekt auch die laufenden Kosten für die unterschiedlichen Pflaster. Naturstein überzeugte auch hier mit seinen ökologischen Stärken: er ist leicht zu pflegen, widerstandsfähig gegen Schäden und leicht zu reparieren. Steine haben außerdem eine extrem hohe Lebensdauer und können praktisch unbegrenzt wiederverwendet werden.

Getestet wurde in dem Projekt auch, wie ausgewählte 4 Baumarten sich auf die Temperaturen auswirkten.

Betonplatten mit Riffeln, die auf der einen Seite dunkel und auf der anderen hell waren.

Zudem wurden ganz innovative Bodenbeläge untersucht, etwa Betonplatten mit geriffelter Oberfläche. Die Frage lautete hier, ob solche Oberflächen doppelt ausgleichend auf die Temperatur wirken könnten: wenn die Riffel auf der einen Seite hell und auf der anderen dunkel wären, würden sie vielleicht im Sommer Wärme abstrahlen und umgekehrt sich im Winter damit aufladen. In den Berichten wird die Idee jedoch nur genannt und nicht weiter diskutiert.

SPL Lyon Part-Dieu (französisch)

Pierre Actual (#987, Novembre 2019), download des Berichts auf französisch für 5 €

Maia-Sonnier

Video Place de Francfort (französisch)

(12.06.2020)