Eastbound – Westbound: Containerzüge verkehren inzwischen nach regulären Fahrplänen zwischen China und Europa

Während die Container die ganze Strecke unterwegs sind, wechseln die Loks häufiger. Das Foto zeigt einer der „Lastesel“ der chinesischen Bahn. Foto: 武铁辆玻 / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Auch für den Natursteinhandel entlang der neuen Seidenstraße (One Belt, One Road) könnte die Eisenbahn eine wichtige Rolle spielen

Die Coronakrise hat ein Licht auf den Gütertransport per Eisenbahn von China nach Europa geworfen, denn die chinesische Regierung hat dieses Transportmittel im Zusammenhang mit Lieferungen von Schutzkleidung intensiv genutzt.

Bisher war es in der Öffentlichkeit nicht groß wahrgenommen worden. Dabei verkehren inzwischen regelmäßige Containerzüge von verschiedenen Stationen in China via Russland, Weißrussland und Polen nach Spanien, Großbritannien, Deutschland und ins Baltikum.

Und sogar Chinas Steinbranche hat die Eisenbahn als Transportmittel im Blick, wie uns Verbandspräsident Chen Guoqing sagte: „Wir erwarten, dass sie eine wichtige Rolle für den Natursteinhandel und die Kooperation mit den Ländern entlang der neuen Seidenstraße spielen wird.“

Bislang waren es meist Sonderangebote aus der Bekleidungsindustrie oder Konsumgüter, die auf der Schiene über die Strecken von 10.000 bis 12.000 km mit einer Transportdauer von 12 bis 16 Tagen Dauer verschickt wurden. Im Vergleich zum Schiff ist das eine Halbierung der Zeit, beim Vergleich mit dem Flugzeug reduziert sich der Preis auf die Hälfte oder noch weniger.

Auch Autofirmen nutzen die Möglichkeiten schon intensiv. So schickt BMW Fahrzeugteile aus Leipzig oder Regenburg in sein Werk in Shenyang. Umgekehrt lässt die schwedische Volvo komplette Autos per Bahn aus der chinesischen Provinz Heilongjiang in den belgischen Hafen von Zeebrugge transportieren, von wo aus sie weiter verteilt werden.

Die 1. Long-Distance-Testfahrt hatte es 2008 aus China nach Duisburg gegeben.

Die Herausforderungen waren enorm:
* unterwegs wechselt mehrfach die Spurbreite;
* was das Frachtrecht angeht, gilt in Europa „CIM“, in den GUS-Staaten und China jedoch „SMGS“;
* die Verständigung entlang der Strecken erfolgt auf Chinesisch, Russisch oder Englisch.

Inzwischen aber gibt es reguläre Verbindungen sowohl ostwärts als auch westwärts. Die Endpunkte werden im Jargon als „Antennenstationen“ bezeichnet. Im Westen zählen Madrid, Hamburg, Duisburg, London und Riga dazu.

Das Netz der Fernverbindungen zwischen China und Europa. Quelle: Interrail AG

Ein führender Player in dem Geschäft ist die Schweizer Interrail Group. Sie durfte sogar während des Kalten Krieges ihre Güter auf der Transsibirischen Eisenbahn transportieren und hatte damals einen durchgehenden Bahntransport vom Westen beziehungsweise aus Japan durch die Sowjetunion in den Mittleren Osten organisiert.

Heute hat das Streckennetz entlang von Chinas Neuer Seidenstraße (One Belt, One Road) etliche Seitenarme. Ende August 2016 fuhr der 1. Zug von China nach Afghanistan. Er brauchte 9 Tage und legte eine Strecke von rund 7500 km zurück.

Neben den so genannten Ganzzügen, wo ein kompletter Zug vom Start zum Ziel fährt, gibt es inzwischen sogar offene Züge für die Zuladung von einzelnen Containern oder Containergruppen.

Auch für andere Güter als die oben genannten haben Firmen den Bahntransport schon getestet: im Juni 2017 fuhr ein Zug mit französischem Wein von Duisburg nach Yiwu in China. „Aus den aufgezeichneten Daten zu Temperatur, Feuchtigkeit, Beschleunigungskräfte und Höhenunterschiede konnten die Fachleute einen fundierten Blick auf die Realisierbarkeit einer solchen Logistiklösung für die Bier- und Weinindustrie werfen“, schreibt die Interrail Group auf ihrer Webpage. Die Erkenntnis aus dem Test: normale Container sind für Wein nicht geeignet, man kommt um Kühlboxen oder um eine besondere Verpackung nicht herum.

Die aktuelle Zielsetzung ist: bei den Strecken „vom chinesischen zum europäischen Hub“ will man eine Verkürzung der Fahrzeit auf 10 Tage erreichen.

Allerdings scheinen trotz Corona die Zeiten schwieriger geworden zu sein. Auf einem Treffen des Coordinating Council on Trans-Siberian Transportation (CCTT) schon im September 2019 hatten die Lobbyisten darüber geklagt, dass Chinas Zuschüsse zu den Zugkosten von 40% im Jahr 2019 auf 30% (im Jahr 2020) und auf 20% (im Jahr 2021) sinken werden.

Schließlich: wie reagiert die Schifffahrt?

Der Branchenriese Maersk aus Dänemark hat im März 2020 Container per Bahn von St. Petersburg nach Vostochniy in Sibirien geschickt. Dort wurden sie auf Schiffe des Konzerns umgeladen und fuhren weiter nach Korea beziehungsweise Japan. Man brauchte für die Strecke zwischen 23 und 32 Tagen, das sei eine Verkürzung um die Hälfte gegenüber den bisherigen 52 bis 57 Tagen, heißt es auf der Webpage der Firma.

Interrail Group

(17.06.2020)