Überbetriebliche Ausbildung in Zeiten von Corona

Klare Ansage, was geht und was nicht: auch die Giraffe vor dem Legoland am Berliner Potsdamer Platz muss zurzeit einen Mund-Nasenschutz tragen.

Kann man angesichts von Infektionsketten, Kontaktbeschränkungen und Kurzarbeit noch gut Steinmetz sein? fragt Alfred Paschek vom Berufsbildungswerk bbw

Ja, man wäre gern dabei gewesen. Denn in der dritten Strophe des Rochlitzer Steinmetzliedes von 1462 heißt es ausgelassen:

Ist nun ein Bau vorbei,
Dann gibt’s ne Schmauserei.
Gut zu Essen, viel zu Trinken,
Gebrat’ne Wurst und Schinken
Viel Bier und auch gut Wein –
Da ist’s gut Steinmetz sein.

Für einen Lieddichter des Jahres 2020 gäbe es sicherlich wenig Anlass für derart gesellige Feierabendstimmung. Er hätte von weniger erquicklichen Themen zu berichten: Infektionsketten, Kontaktbeschränkungen, Kurzarbeit.

Ist da noch gut Steinmetz sein?

Unter Gesichtspunkten des Infektionsschutzes gelten Bildungseinrichtungen seit Beginn der Pandemie als besonders heikle Orte. Während allgemeinbildende Schulen und Kindergärten nach wie vor die öffentliche Aufmerksamkeit dominieren, stehen auch die Institutionen der beruflichen Bildung vor den Herausforderungen, die die Organisation des Präsenzbetriebs derzeit mit sich bringt.

Nach mehrwöchiger Schließung haben auch die ÜLU-Zentren der Steinmetze und Steinbildhauer ihren Lehrbetrieb wieder aufgenommen. An Essen und Trinken mangelt es zwar nicht, doch auf sorglose Zusammenkünfte muss vorerst verzichtet werden. Denn auch hier gelten die inzwischen allgemein bekannten Regeln und Empfehlungen: Tragen eines Mund-Nasenschutzes, Einhaltung von Abständen, Verwendung von Desinfektionsmitteln.

Darüber hinaus werden bei der Unterbringung bis auf weiteres ausschließlich Einzelzimmer bezogen, die Gruppenbildung wird vermieden, auch in den Pausen. „Wir tun unser Mögliches, um einen ordnungsgemäßen Kursbetrieb zu gewährleisten und dabei die Gesundheit der Teilnehmer und der Ausbilder zu schützen“, versichert Carolin Pfeuffer, Leiterin des EFBZ Wunsiedel, auch mit Blick auf die anfängliche Verunsicherung einiger Betriebe.

Mit ihren Einladungen zu den überbetrieblichen Kursen informieren die drei Zentren in Wunsiedel, Königslutter und Ingolstadt über ihre Hygienekonzepte sowie darüber, was es beim Besuch der ÜLU (Überbetriebliche Lehrlings Unterweisung) momentan sonst noch zu beachten gilt. Außerdem stehen die Ansprechpartner in den Zentren für alle Fragen rund um den Kursbetrieb persönlich zur Verfügung.

Und sie hoffen auf das Verständnis von Unternehmern und Auszubildenden, falls unter den aktuellen Bedingungen nicht immer alles wie gewohnt abläuft, es womöglich auch einmal zu kurzfristigen Einladungen kommt.

Die ÜLU der Steinmetze hat im bisherigen Verlauf der Covid-19-Pandemie große Flexibilität bei der Anpassung an die Lage bewiesen. Womöglich braucht es diese Beweglichkeit auch in Zukunft, um weiterhin angemessen auf die Umstände reagieren zu können. Die überbetrieblichen Bildungszentren verstehen sich gerade auch in der Krise als Partner der Betriebe und des handwerklichen Nachwuchses – in der Hoffnung, bald wieder mehr Gemeinschaft wagen zu können. Vielleicht ja inspiriert von Strophe vier, mit der das Traditionslied schon vor 500 Jahren ausklang:

Und ist ein Schmaus vorbei,
Dann gibt’s ‘ne Keilerei.
Doch wir dürfen uns nicht schlagen,
Wir müssen uns vertragen,
Wir reichen uns die Hand –
Hoch leb der Steinmetzstand.

Alfred Paschek ist Referent beim Berufsbildungswerk des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks e.V. (bbw), einer gemeinsamen Einrichtung der Tarifvertragsparteien Bundesinnungsverband des Deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks (BIV) und Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Form eines eingetragenen Vereins zur Verfolgung gemeinnütziger Zwecke. Der Zweck des bbw besteht in der Förderung und Sicherung einer qualifizierten Berufsausbildung und Berufsfortbildung. Es wurde 1976 gegründet.

Berufsbildungswerk des Steinmetz und Bildhauerhandwerks e.V. (bbw)

Variationen über das Thema Mund-Nasenschutz, entwickelt vermutlich für eine Benutzung vor der im Rochlitzer Steinmetzlied angesprochenen Keilerei.

(23.06.2020)