Archäologen entdecken einen riesigen Kreis prähistorischer Schächte in der Nähe von Stonehenge

Simulation des neu Rings von Schächten. Mitte: Durrington Walls, links daneben: Woodhenge, ganz links: Stonehenge. Quelle: Screenshot

Es wird angenommen, dass die Gesamtanlage die Menschen zu den religiösen Stätten innerhalb des Kreises führte und andere davor warnte, die Grenze zu überschreiten

Stonehenge mag eine der am besten untersuchten archäologischen Stätten sein, aber ein Team von Wissenschaftlern feiert nun die Entdeckung eines bedeutenden neuen prähistorischen Monuments nur wenige Kilometer von Stonehenge entfernt. Jüngste Feldforschungen und Analysen haben Hinweise auf 20 oder mehr massive, prähistorische Schächte mit einem Durchmesser von mehr als 10 m und einer Tiefe von 5 m ergeben. Diese Schächte bilden einen Kreis mit einem Durchmesser von mehr als 2 km und umschließen ein Gebiet von mehr als 3 Quadratkilometern um die Durrington Walls Henge, eines der größten kreisförmigen Denkmäler Großbritanniens, und das nahe gelegene kleinere prähistorische Woodhenge.

Die Bohrungen in den Schächten lieferten Radiokarbondaten, die darauf hinweisen, dass diese Fundstellen neolithischen Ursprungs sind und aus der Zeit des Baus der Durrington Walls vor rund 4.500 Jahren stammen. Durrington Walls war eine Siedlung der Steinzeit, die vielleicht einst 1000 Häuser und 4000 Einwohner hatte.

Archäologen glauben, dass die Schächte als Grenze zu einem heiligen Gebiet oder Bezirk dienten. Die Jungsteinzeit war die Zeit der ersten Bauern im heutigen Großbritannien und ist gekennzeichnet durch verzierte und gelegentlich sehr große Ritualstrukturen und -einfriedungen, namentlich des großen Steinkreises in Stonehenge. Keine vergleichbare prähistorische Struktur im Vereinigten Königreich umschließt jedoch ein so großes Gebiet wie der neue Kreis von Schächten in Durrington, und dessen Struktur ist einzigartig.

Die Grenze scheint absichtlich so angelegt worden zu sein, dass sie ein früheres prähistorisches Monument innerhalb der Grenze einschließt – die Larkhill Causewayed Enclosure. Diese Stätte wurde mehr als 1.500 Jahre vor dem nun entdeckten Kreis in Durrington errichtet. Der Abstand zu der früheren Einfriedung, mehr als 800 m, scheint die Platzierung der Schächte um Durrington herum zu bestimmen. Das deutet darauf hin, dass die Menschen damals ein Zählsystem benutzten, um große Entfernungen zu berechnen.

Die Anlage rund im Stonehenge, noch ohne den neuen Ring mit den Schächten. Oben rechts Durrington Walls und Woodhenge. Autor: RobinLeicester / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Die Archäologen glauben, dass die Schächte gegraben wurden, um eine heilige Grenze zu markieren. Die großen Aushebungen leiteten die Menschen zu den religiösen Stätten innerhalb des Kreises oder warnten vielleicht umgekehrt diejenigen, denen es nicht erlaubt war, diese Grenze zu überschreiten.

Die Forschungen über die Gruben von Durrington wurden von der University of Bradford geleitet und von einem Konsortium von Archäologen im Rahmen des Stonehenge Hidden Landscapes Project durchgeführt. Zu den Partnern gehören das österreichische Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie in Zusammenarbeit mit den Universitäten Birmingham, St Andrews, Warwick, der University of Wales Trinity Saint David und dem Umweltforschungszentrum der schottischen Universitäten (University of Glasgow). Die Arbeiten in Durrington wurden durch den National Trust und durch den University of Bradford Research Development Fund unterstützt.

The Guardian

Quelle: Ludwig-Boltzmann-Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie

(24.06.2020)