Der Rathausplatz im schwedischen Umeå ist eine Drehscheibe für den Fußgängerverkehr und lädt mit Natur-Attraktionen die Passanten zum Innehalten und Entdecken ein

Der Rathausplatz im schwedischen Umeå. Der Rathausplatz im schwedischen Umeå.

Der Landschaftsarchitekt Professor Thorbjörn Andersson holt mit Laubbäumen die Jahreszeiten in die Stadt und breitet auf dem Boden ein Naturstein-Mosaikpflaster aus

Weltweit gibt es das Bemühen, den Autoverkehr und das Parken aus den Innenstädten herauszubekommen und so die Zentren den Bürgern zurückzugeben. Auch die schwedische Stadt Umeå verfolgt mit zahlreichen Umgestaltungen von Straßen und Plätzen dieses Ziel – am Rathausplatz hat der Landschaftsarchitekt Professor Thorbjörn Andersson zusammen mit der Firma Sweco die Gestaltung dafür gewissermaßen mit einer ganz feinen Nadel gestrickt.

Eines der Ziele war, bestimmte Bereiche rund um das repräsentative Backstein-Rathaus miteinander zu verknüpfen, etwa den Park dahinter mit der Fußgängerzone davor.

Dafür greift der Park quasi mit 2 grünen Armen um das Rathaus herum zur davor verlaufenden Fußgängerzone Kungsgatan.

Ungewöhnlich ist die Gestaltung dieser grünen Arme: denn sie bestehen nicht aus einer Rasenfläche nach der Art eines Parks, sondern sind mit Bäumen bestanden. Zu denen wird weiter unten noch mehr zu sagen sein.

Wie gesagt, ging es bei dem Projekt insgesamt darum, der City mehr Raum für Fußgänger zu geben. Der ruhende Verkehr war dabei ein wichtiges Thema, hier: das Innehalten und Verweilen der Passanten.

„Etwas zum Entdecken“ wollte Thorbjörn Andersson deshalb dem Rathausplatz geben. Es ist Natur im weiteren Sinne, die er anbietet: die bereits erwähnten Bäume und Naturstein auf dem Boden.

Es lohnt sich, bei beidem auf die Details zu schauen.

Zu den Bäumen schauen wir etwas zurück: als nach dem katastrophalen Brand im Jahr 1888 die Stadt neu aufgebaut wurde, entschieden sich die Bürger für verbreiterte Straßen mit Birken. Das wurde so konsequent umgesetzt, dass Umeå landläufig als „björkarnas stad“ (Stadt der Birken) bezeichnet wird.

Bei der aktuellen Umgestaltung stellte sich da natürlich die Frage nach den Baumsorten, die auf beiden Seiten des Rathauses gepflanzt werden sollten – aber Birken hatten die Bürger wirklich genug!

Die Landschaftsplaner um Thorbjörn Andersson hatten also freies Spiel, und nun muss man wissen, dass der Professor von der Schwedischen Fachhochschule [Swedish University of Applied Sciences] in Ultuna bei seinen Planungen „Vielfalt“ anstrebt, wie er sagt.

So ist einer der grünen Arme mit Ahornbäumen bepflanzt. Im Herbst bieten sie ein wochenlanges Farbspektakel, wenn sich ihre Blätter färben.

Der Rathausplatz im schwedischen Umeå.

Der grüne Arm auf der anderen Seite ist mit Apfelbäumen bestanden. „Obstbäume?“ haben wir ihn gefragt, „sind die denn repräsentativ genug für einen Rathausplatz?“

Andersson spricht von einem „Wow-Effekt“, den sie dem Platz geben würden: „Im Frühjahr kann man hier in der Stadt das Meer der Obstblüten wie auf dem Land erleben.“

Aber Apfelbäume in Schwedens Norden? Man habe in Deutschland eine Sorte gefunden, die das Klima aushält, so Andersson.

Nun noch das Beste in Sachen Natur: wunderschön ist das Mosaikpflaster aus verschiedenen Granitsorten unmittelbar vor dem Rathaus. Es trägt das Muster der „Västerbotten“-Textilien, die man von dicken Winterpullovern kennt.

Der Rathausplatz im schwedischen Umeå.

Ganz unauffällig findet sich unter den Apfelbäumen noch ein Kleinod an Stadtgestaltung: dort ziehen sich flache Kanäle durch die Pflasterung. Sie sind ein Spielplatz für die Kinder und Tränke für die (Haus)Tiere.

Der Rathausplatz im schwedischen Umeå. Der Rathausplatz im schwedischen Umeå.

Aus der Vogelperspektive erkennt man die Wasserführung: die Kanäle erinnern ein wenig an einen Baum mit Ästen, und am Ende jedes Astes steht ein dicker Steinbrocken, aus dem das Wasser herausfließt.

Der Rathausplatz im schwedischen Umeå.

„Amphoren“ nennt der Künstler Pål Svensson diese Brunnen, die er entworfen hat. Ihr Material sind verschiedene Granitsorten, die in Schweden, Norwegen und Finnland vorkommen: Bohus-Granit, Hallandsgnejs, Diabas, Dark Labrador, Tranås Rubin und Ice Green. Daneben gibt es noch einen Trinkbrunnen in Form einer stilisierten Blume aus Bohuslänsk Gnejs.

Mit diesem Arrangement wollte Andersson jene aus dem Süden Europas bekannten prachtvollen Brunnen in den Norden holen – aber gleichzeitig vermeiden, dass sie im Winter abgeschaltet werden müssen und „dann so traurig aussehen“, wie er es formuliert. Die Amphoren hingegen können länger laufen und erinnern zudem ja auch ein wenig an Gläser mit Champagner.

Außerdem: „Das Wasser, das ihnen herunterläuft, hebt die Farbe der jeweiligen Steinsorte hervor.“

Genutzt wird der Platz das ganze Jahr über für Markttage oder Veranstaltungen. Im Winter wird manchmal ein Eislabyrinth aufgebaut.

Thorbjörn Andersson

Sweco

Pål Svensson

Hallindens Granit

Fotos: Mikael Lundgren / Lindman

(14.08.2020)