Die Arbeiten an der Wülzburg in Mittelfranken gehen weiter: ein imposantes Fünfeck als Befestigung

Luftaufnahme der Festung Wülzburg. Foto: HaSe / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Die mächtige Anlage gilt als typisches Beispiel für solch einen Bau aus der Zeit der Renaissance / Gelegen ist sie im Naturpark Altmühltal

Ein imposantes Beispiel für eine Befestigungsanlage aus der Zeit der Renaissance ist die Wülzburg, die von 1588 bis etwa 1610 errichtet wurde. Sie liegt in etwa 2,5 km Entfernung von der Stadt Weißenburg nahe Solnhofen auf einem weithin sichtbaren Hügel. An der gewaltigen Anlage nagt jedoch der Zahn der Zeit, und so sind kontinuierliche Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten notwendig. Dazu gehört die Sanierung großer Mauerwerksausbrüche, die Beseitigung wilden Bewuchses oder die Reparatur von Fugenauswaschungen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) hat in den vergangenen 20 Jahren über eine halbe Million € aus Spendenmitteln für solche Arbeiten bereitgestellt. Kürzlich gab es wieder 46.000 € für die Reparatur der Kurtine Kaltes Eck-Hauptwache und der Contrescarpe gegenüber der Bastion Hauptwache.

Das gewaltige, fünfeckige Festungswerk der Wülzburg ist nicht an eine Stadtbefestigung angeschlossen, sondern eine völlig selbständige Fortifikation. Deshalb hat sie nicht nur von nationale, sondern europäische Bedeutung.

Sie gilt als Musterbeispiel einer Artilleriebefestigung ihrer Zeit, vergleichbar den Zitadellen in Spandau, Jülich oder Antwerpen.

Sie zeigt ein fast vollständiges Bastionsfünfeck mit trapezförmigen Bastionen, Trockengräben und sternförmigen Außenanlagen, an der Südseite ein Zugangstor mit Portalarchitektur im Stil der Renaissance. Das Fünfeck (Pentagon) findet man bei vielen solchen Anlagen, weil es unter anderem ballistische Vorteile bietet. Zuvor waren quadratische oder rechteckige Anlagen üblich.

Die Bastion Hauptwache der Festung Wülzburg. Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz / Schabe

Zentral im Fünfeck liegt eine Schlossanlage, die jedoch nie ganz verwirklicht wurde. Es entstand lediglich ein zeittypisches zweiflügliges Renaissanceschloss, dessen Fassaden durch eine Folge von Arkaden gegliedert sind.

An der zuletzt als Hauswirtschaftsschule und Internat genutzten Anlage beseitigt die Stadt Weißenburg seit 25 Jahren mit Hilfe des Freistaates Bayern und des Bezirks Mittelfranken die Schäden, die eindringendes Wasser am Mauerwerk und an den Gewölben der Bastionen und Kurtinen hervorgerufen hat.

Eine Besonderheit, auf die bei Führungen über die Burg hingewiesen wird, ist der Tiefe Brunnen. Es handelt sich um eine kreisrunde Röhre mit 2,50 m Durchmesser, die senkrecht durch den Fels nach unten getrieben wurde, bis man in 106 m Tiefe auf Trinkwasser stieß. Um die Eimer mit Wasser in die Höhe zu bringen brauchte es ein spezielles Hebewerk.

Zugangsportal an der Südseite. Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz / Schabe

Die Wülzburg liegt im Naturpark Altmühltal. Dort wurde die Versteinerung des Urvogels Archaeopteryx gefunden. Der Dinopark bei Denkendorf zeigt zahlreiche Fossilien, und in verschiedenen Steinbrüchen in der Region gibt es Angebote zur Fossiliensuche.

Festung Wülzburg

Naturpark Altmühltal

Viele Details mit Stein prägen die Wülzburg. Foto: Tilman2007 / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

(23.08.2020)