In der Türkei schreiben die Verbände für Bergbau und Naturstein Stipendien aus, um junge Leute zum Studium ihrer Fächer zu bewegen

Internet-Zeremonie zur Unterzeichnung des Protokolls (im Uhrzeigersinn von links oben nach rechts unten): Aydın DİNÇER (İMİB-Präsident), Mustafa VARANK (Minister für Industrie und Technologie), Prof. Dr. Yekta SARAÇ (Präsident des Hochschulverbands YÖK).

Die Branche hat einen Mangel an qualifizierten Fachkräften und sieht sich nicht im allerbesten Ruf / Wieder IMIB-Design-Wettbewerb

Die türkischen Verbände für Bergbau und Naturstein (IMIB, EIB und BAİB) haben mit dem Hochschulverband (Yükseköğretim Kurulu, YÖK) des Landes einen Kooperationsvertrag geschlossen. Danach können Studenten, die sich für die Studiengänge Bergbautechnik, geologische Technik und Mineralienaufbereitung entscheiden, Stipendien bekommen, die nicht zurückzuzahlen sind. Die Gelder dafür kommen von den Industrieverbänden.

Bei der Feierstunde im Internet hielt auch der Minister für Industrie und Technologie, Mustafa Varank, eine Rede.

Die türkische Natursteinbranche hat ein gravierendes Problem mit Fachkräften. Während die Verantwortlichen gerne betonen, dass das Land die größten Marmorreserven weltweit hat, hieß es in der Feierstunde zur Unterzeichnung des Protokolls auch, dass sich nur sehr wenig junge Leute für Studiengänge zur Gewinnung und Verarbeitung dieser Bodenschätze interessierten.

Internet-Zeremonie zur Unterzeichnung des Protokolls (in der oberen Reihe v.l.n.r): Jak ESKINAZI (Aegean Exporters Association’s Coordinator Chairman, EIB), Mevlüt KAYA (President of the Aegean Mineral Exporters' Association, EMIB).

In einer der Reden wurde auch angesprochen, dass es seit 2012 gravierende Unfälle gegeben habe und dass deshalb der Ruf der Branche nicht gut sei.

Umgekehrt aber sei die Natursteinwirtschaft besonders wichtig für den Export der Türkei.

Mit dem neuen „Stipendienprojekt“ („burs projesi“) nehmen nun die Verbände selber die Dinge in die Hand.

Die Fördergelder sind nach Studienerfolgen gestaffelt:
* wer ein entsprechendes Fach belegt hat und mit seinen Noten unter die 50.000 Besten kam, erhält im folgenden Studienjahr 9 Monate lang den nationalen Mindestlohn von monatlich 2.104 TL (~ 300 US-$; ~ 275 €);
* wer es auf die Plätze 50.001-65.000 geschafft hat, bekommt den halben Mindestlohn (ebenfalls für 9 Monate);
* die Studenten auf den Plätzen 65.001-80.000 erhalten ein Drittel des Mindestlohns (ebenfalls für 9 Monate).

Antragstellung und Abwicklung erfolgen über die Industrieverbände.

IMIB-Präsident Aydın Dinçer bei der Unterzeichnung des Protokolls.

Sie hoffen, damit erstens mehr Einschreibungen in den für sie wichtigen Studiengängen zu bekommen. Zweitens wollen sie das Qualifikationsniveau in ihren Betrieben verbessern und damit auch die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen erreichen.

Deshalb gibt es noch eine weitere Besonderheit, nämlich das Programm „7 + 1“: hierbei sind die Studenten 7 Semester an der Universität und verbringen das letzte Halbjahr in einem Betrieb. Ziel in dem Programm ist auch, den Lernstoff der Hochschulen näher an das in den Firmen benötigte Know-how heranzubringen.

Der Industrieminister lobte in seinem Redebeitrag die Initiative der Verbände. Er verwies auf ein ähnliches Programm, das die Textilindustrie schon ins Leben gerufen hat und das nach seinen Angaben sehr erfolgreich läuft. Er erhofft sich von solchen Initiativen auch, dass die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Land gesenkt werden kann.

Poster des Design-Wettbewerbs 2020.

Design-Wettbewerb

Eine andere Qualitätsinitiative richtet der Verband IMIB in diesem Jahr schon zum 9. Mal aus: Es ist der jährliche Design-Wettbewerb, bei dem Studenten und junge Profis Alltagsprojekte aus türkischem Naturstein entwerfen sollen. Ziel ist, neue Verwendungen für das Material zu finden und den Steinen durch das Design einen Mehrwert zu geben.

Kennzeichen und Besonderheit ist, dass Ideen für verkäufliche Produkte gewünscht sind, nicht künstlerische Experimente.

Der Abgabetermin für den aktuellen Wettbewerb lag dieser Tage im August. Die Preisvergabe wird wieder auf der Design Week Turkey in Istanbul stattfinden. Die Kategorien sind: Architektur, städtische Räume, dekorative Produkte, Möbel, Wohnräume (Wände, Böden), Küche & Bad sowie öffentliche Statuen.

In den vergangenen Jahren waren die Preisgelder üppig.

IMIB (Istanbul Mineral Exporters’ Association)

EIB (Aegean Exporters’ Associations)

BAİB (West Mediterranean Exporters’ Association)

Fotos: IMIB

(24.08.2020)