Auf Werbefotos von Grabsteinen müssen die Namen der Verstorbenen NICHT unkenntlich gemacht sein, aber Betriebe sollten solche Bilder in ihrer Werbung „zurückhaltend“ verwenden

Mit einfachen Mitteln kann jedermann heutzutage am Computer ein Foto retuschieren. Copy & Paste nennt sich das Verfahren: man kopiert einen geeigneten Teil aus dem Bild und fügt diesen Ausschnitt an anderer Stelle wieder ein.

Bei Aufnahmen von neuen Grabmalen empfiehlt es sich, eine Zustimmung der Hinterbliebenen einzuholen oder die Namen digital unkenntlich zu machen

Von Prof. Dr. Gerd Merke, Gutachter im Friedhofsrecht

Eine Frage, die sich für Steinmetzbetriebe immer wieder stellt, ist: dürfen sie Fotos von Grabsteinen auf ihrer Webseite oder für ihr Marketing nur dann verwenden, wenn die Namen der Verstorbenen unkenntlich gemacht sind?

Die Antwort kann sich auf ein Urteil des Oberlandesgerichts München v. 14.10.1993 (29 U 2536/93) stützen. In dem Rechtsstreit war es um einen Werbeprospekt mit solchen Fotos gegangen. Die zentrale Aussage in dem Urteil war:
„Der Hersteller eines Grabsteins ist berechtigt, diesen Grabstein im Rahmen eines Prospekts, mit dem seine Leistungen zur Auswahl gestellt werden, auch dann abzubilden, wenn die Angehörigen des Verstorbenen dieser Abbildung nicht zustimmen.“

Aber: gilt dies auch für breitangelegte Werbezwecke etwa im Netz, wie es sie im Jahre 1993 noch gar nicht gab?

Hierzu lohnt sich wieder der Blick in jenes Urteil des OLG. Wir haben die entscheidende Passage markiert:
„Im Rahmen der gebotenen Abwägung ist auch zu beachten, daß die Beklagte (der Betrieb, d.Red) ihren Prospekt lediglich in zurückhaltender Form für Werbezwecke verwendet. Nach der unwidersprochenen Darstellung der Beklagten wird der Prospekt Hinterbliebenen, die wegen des Erwerbs eines Grabsteins vorsprechen, ausgehändigt, um einen beispielhaften Überblick über die Möglichkeiten der Grabsteingestaltung zu geben. Durch diese Verwendung des Prospekts wird gewährleistet, daß auch die Abbildung des Grabsteins des Vaters des Klägers nur Personen zugänglich gemacht wird, die aufgrund eines Todesfalles ein konkretes Interesse an Grabdenkmälern haben. Die Betrachtung des Prospektes ersetzt weitgehend einen Gang durch den Friedhof, bei dem notwendigerweise die Namen der Bestatteten in Erscheinung treten, ohne daß dies als Beeinträchtigung des postmortalen Persönlichkeitsrechts empfunden wird.“ (a.a.O. Rdn. 5.)

Rechtswissenschaften sind keine Naturwissenschaften und deshalb immer einem gesellschaftlichen Wandel unterworfen. Was heute wahr ist, kann morgen falsch sein.

Mangels eines neueren obergerichtlichen Urteils empfiehlt sich, auch bei heute üblicher Werbung Fotos mit Namen nur zurückhaltend zu verwenden:
* das heißt bei Fotos von neuen Grabmalen, eine Zustimmung der Hinterbliebenen einzuholen. Damit ist man immer auf der sicheren Seite;
* wird diese Zustimmung nicht erteilt, ist es mit den heutigen Fotobearbeitungsprogrammen ein Leichtes, den Namen des Verstorbenen unkenntlich zu machen oder durch Max Mustermann zu ersetzen;
* je älter ein Grabmal ist (mehr als fünf Jahre) desto unbefangener kann ein Betrieb solche Fotos für Werbezwecke einsetzen.

Was aber auch vorkommt und gar nicht geht, ist, dass Grabmale von Wettbewerbern als eigene Werke ausgeben werden. Die Grundsätze von Treu und Glauben behalten immer ihre Gültigkeit.

Machen wir noch einen Abstecher in den Bereich des Rechts am eigenen Bild: wenn andere Personen auf solchen Fotos erkennbar sind, ist eine Veröffentlichung nur dann erlaubt, wenn diese Personen nicht im Mittelpunkt des Bildes stehen. Sie dürfen nur „Beiwerk“ sein, wie es der Gesetzgeber formuliert.

Im Wesentlichen gelten weiterhin die Aussagen in einem Merkblatt des Bundesverbands Deutscher Steinmetze (BIV)

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Download von der Webpage des BIV

(01.10.2020)