Die Sonderausstellung „Im Zwischenreich“ im Museum Koenig in Bonn zeigt Dünnschliffe von Gesteinen

Perlmutthöhle Siderit Eisenerz Hüttenberg, Österreich +Pol, Bildhöhe 2 mm.

Sind solche Petrografiken schon Kunst oder noch Wissenschaft? Jedenfalls machen sie feine Strukturen und Farben sichtbar, die dem bloßen Auge verborgen bleiben

Die Sonderausstellung „Im Zwischenreich“ im Museum Koenig in Bonn präsentiert 30 ästhetische Petrografiken des emeritierten Geowissenschaftlers Professor Michael Raith. Die Fotografien, die wie abstrakte Kunst wirken, stellen in Wirklichkeit realle Strukturen verschiedener Gesteine dar, so wie man sie im Polarisationsmikroskop sieht. Die Ausstellung ist bis zum 29. November 2020 zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Es wird kein gesonderter Eintritt erhoben.

Dem neugierigen Betrachtenden eröffnet die Ausstellung eine faszinierende mineralische Bildwelt, deren unglaublicher Reichtum an Farben, Strukturen und motivischer Vielfalt nur staunen lässt, und die jenseits der wissenschaftlichen Botschaft vielfältige seelische Empfindungen auslöst.

Unvermittelt entstehen so Bilder, die mal heiter und traumhaft, mal ernst und tiefsinnig sind und die den vielfältigen Erfahrungen menschlicher Existenz Ausdruck geben; ganz der Aussage Paul Klee’s folgend: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern sie macht sichtbar.“

„Die Bilder sind wie eine Chimäre zwischen Kunst und Wissenschaft. Die Fotografien wecken auch bei Nichtfachleuten das Interesse an den Forschungsmethoden“ meint Prof. Dr. Bernhard Misof, Direktor des ZFMKs. Das Museum Koenig sei besonders geeignet, solche Schätze zu präsentieren, denn die Bilder zeigen auch Laien eine ganz neue und andere Welt der Wissenschaft.

Aurora Calcit mit Zwillingslamellen Marmor, Südmadagaskar +Pol, Bildhöhe 2 mm.

Geowissenschaftler untersuchen festes Probenmaterial (Minerale, Gesteine, Erze, Werkstoffe) zunächst mit dem Polarisationsmikroskop. Diese mikroskopische Bearbeitung hat unter anderem den Vorteil, kostengünstig und zeitsparend zu sein. Eine ihrer Stärken ist außerdem die zerstörungsfreie und relativ hochauflösende Charakterisierung der Materialeigenschaften (Phasenbestand, Gefüge).

„Die Untersuchung im Durchlichtmikroskop erfolgt an hauchdünnen, feingeschliffenen oder polierten Probenscheibchen. Diese nennt man auch Dünnschliffe“, erläutert Michael Raith, ehemals am Institut für Geowissenschaften der Friedrich- Wilhelms Universität Bonn. Viele Materialien werden dann lichtdurchlässig, so dass bei Betrachtung im Hellfeld feine Strukturen (Korngrenzen, Spaltbarkeiten, Risse) und Farberscheinungen sichtbar werden, die dem bloßen Auge verborgen bleiben.

Bei Betrachtung des Dünnschliffs zwischen zwei senkrecht zueinander orientierten Polarisatoren treten infolge des häufig optisch anisotropen Verhaltens der Minerale vielfältigste Interferenzeffekte auf. Sie lassen das Korngefüge in unterschiedlichen Interferenzfarben erscheinen. Durch Einfügen von optischen Hilfsobjekten (Lambda-Platte, Lambda/4-Platte, Quarzkeil,) in den Strahlengang des Mikroskops entstehen weitere mineral-spezifische Interferenzfarbeffekte.

Quelle: Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK, Museum Koenig) in Bonn

Fotos: Prof. Dr. Michael M. Raith

(25.10.2020)