Die Vulkanregion Vogelsberg, das größte zusammenhängende Vulkangebiet Mitteleuropas, ist zum 17. Nationalen Geopark ernannt worden

Derrickkran und Steinsäge im Steinbruch Michelnau. Foto GeoUnion

Was im Naturpark die Natur, ist im Geopark die Geologie, die für Besucher mit Routen, Informationstafeln und Bildungsangeboten erlebbar gemacht wird

Der Geopark Vulkanregion Vogelsberg wurde im November 2020 zum 17. Nationalen Geopark in Deutschland ernannt. Das hebt ihn nach einem umfangreichen Zertifzierungsverfahren aus der großen Zahl der „gewöhnlichen“ Geoparks heraus. Er liegt nordöstlich von Frankfurt/Main, umfasst rund 2500 km2 und ist das größte zusammenhängende Vulkangebiet Mitteleuropas.

Angesichts der Form dieses Mittelgebirges – es erinnert an einen großen Schildvulkan – könnte man annehmen, dass es sich beim Vogelsberg um einen einzigen Eruptivberg handelt. Dies ist aber nicht der Fall, vor 18 bis 15 Millionen Jahren gab es in der Gegend mehrere Hundert Ausbruchsorte, deren Austritte von heißem und flüssigem Gestein ein damals subtropisch geprägtes Flachland mit Lavaströmen, Schlacken- und Aschendecken überzogen. Diese liegen heute in komplexer Weise neben- und übereinander.

Das wichtigste Gestein ist der Basalt. Er entsteht, wenn heißes Gestein aus dem Vulkanschlot herausfließt und allmählich abkühlt. Je nachdem, wie schnell die Abkühlung vor sich geht, kann dabei der spektakuläre Säulenbasalt entstehen, von dem man auf den ersten Blick meint, dass nur Menschenhand ihn schaffen kann.

Säulenbasalt im Steinbruch Brauerschwend. Foto: Geopark Vulkanregion Vogelsberg

Wird das heiße Gestein hingegen per Explosion aus dem Schlot herausgeschleudert, entsteht Tuff, der sehr porös ist und ebenfalls ein wichtiger Naturstein fürs Bauen ist.

Im Geopark geht es um praktische Anschauung. So werden Gesteinsaufschlüsse, ehemalige und aktive Steinbrüche, Bergwerke oder markante Felsen, Quellen, besondere Landschaftsformen usw. genutzt, die die Entstehung der Landschaft und die Gestalt der Erdoberfläche zu erklären.

Unterstützt wird die Geo-Bildung im neuen Geopark durch das zentrale Infozentrum „Vulkaneum“ in der Ortschaft Schotten und verschiedene weitere Anlaufstellen.

Thematisiert wird dort auch die Bedeutung der Gesteine als Rohstoffe; seit Jahrhunderten werden Basalt und andere mineralische Rohstoffe im Vogelsberg abgebaut und als Baumaterial oder Straßenschotter verkauft.

Daneben geht es in einem Geopark auch um Umweltbildung, denn aufgelassene Steinbrüche haben sich vielerorts zu besonderen Biotopen entwickelt. Am Vogelsberg sind diese eingebettet in eine vielgestaltige Mittelgebirgslandschaft aus Wald sowie offenem Land mit Äckern, Wiesen und Weiden.

Vogelsberg: Der Oberwald von Südosten. Foto: GeoUnion

Der Titel „Nationaler Geopark“ wurde im Jahr 2002 aus der Taufe gehoben.

Geoparks gibt es auch weltweit, ebenfalls schon seit rund 20 Jahren. Seit 2015 sind sie als „Unesco Global Geoparks“ Teil eines geowissenschaftlichen Programms der Unesco. Nationale Geoparks können sich um diesen Titel bewerben. Von den 17 Nationalen Geoparks in Deutschland haben 6 diese Anerkennung erlangt; 2 weitere stehen im Aufnahmeverfahren: Inselsberg-Drei Gleichen in Thüringen und das Nördlinger Ries (Bayern und Baden-Württemberg), die sich wegen der Corona-Pandemie derzeit in der Warteschleife befinden.

Quelle: GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung

Nationaler Geopark Vogelsberg

Geoparks in Deutschland

(24.11.2020)