Das Bauhüttenwesen, also die Handwerkertradition der Zusammenarbeit und des Wissensaustausches am Bau, wurde in die Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen

Steinmetz bei der Arbeit an der Kathedrale von Trondheim. Foto: Henning Groett, Cathédrale de Trondheim, 2015 / Unesco

Noch heute initiieren Steinmetze solche überregionalen Netzwerke, um Techniken und Wissen zu erhalten und weiterzuentwickeln

Die Tradition der Dombauhütten in Deutschland, Österreich, Frankreich, Norwegen und der Schweiz sind in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Die Entscheidung des Unesco-Komitees wurde während einer Sitzung getroffen, die vom 14. bis 19. Dezember 2020 online stattfand. Zu den weiteren 29 Neuaufnahmen gehören unter anderem das Yeondeunghoe-Laternenfest in der Republik Korea, die Herstellung des Terere-Guarani-Getränks in Paraguay, die mechanische Uhrmacherei in der Schweiz und Frankreich sowie die Herstellung von Christbaumschmuck aus geblasenen Glasperlen in Tschechien.

Die Bauhütten-Tradition wurde in das spezielle Register der Register der Guten Schutzpraktiken (Register of Good Safeguarding Practices) aufgenommen, das erfolgreiche Beispiele für die effektive Weitergabe von kulturellen Praktiken an zukünftige Generationen beinhaltet.

Wie auf der Unesco-Webseite zu lesen ist, entstand das Bauhüttenwesen im Mittelalter auf den Baustellen der europäischen Kathedralen. Damals wie heute arbeiten in diesen Werkstätten verschiedene Gewerke eng zusammen und bilden ein überregionales Netzwerk, das auch über Landesgrenzen hinausreichen kann.

Die Liste des Immateriellen Kulturerbes umfasst nun 492 Elemente. Das Register der Guten Schutzpraktiken zählt nun 25 Beispiele auf.

Die Unesco gibt folgende Definition für Immaterielles Kulturerbe: „Kulturelles Erbe endet nicht bei Denkmälern und beim Sammeln von Gegenständen. Es umfasst auch Traditionen oder lebendige Ausdrucksformen, die von unseren Vorfahren geerbt wurden, wie zum Beispiel mündliche Überlieferungen, darstellende Künste, soziale Praktiken, Rituale, festliche Veranstaltungen, Weltwahrnehmungen und genauso das Wissen und die Fertigkeiten zur Herstellung von traditionellem Handwerk.“

Steinmetze der Bauhütte am Ulmer Münster. Foto: Bauhütte / Unesco

Auf der Sitzung im Jahr 2020 fügte das Komitee außerdem 3 Eintragungen zu jenem Immateriellen Kulturerbe hinzu, welches dringend geschützt werden muss.

Zum ersten Mal waren in diesem Jahr Finnland, Malta, Paraguay und Singapur auf der Liste vertreten, die nun 131 Staaten umfasst.

In diesem Jahr gab es auch die bisher höchste Anzahl von Nominierungen, die gleichzeitig aus mehreren Ländern kamen: 14 Einschreibungen zeugen von der Fähigkeit des immateriellen Kulturerbes, Menschen zusammenzubringen und die internationale Zusammenarbeit zu fördern.

Liste des Immateriellen Kulturerbes

Über die Bauhütten

(20.12.2020)