Felsbildsammlung des Frankfurter Frobenius-Instituts soll Weltdokumentenerbe der Unesco werden

Joachim Lutz, „Große weiße Elefanten, Tiere und Menschen in vielen Schichten“, abgezeichnet 1929 in Ruchera, Simbabwe. Copyright: Frobenius-Institut/Peter Steigerwald

In der Forschungseinrichtung an der Goethe-Universität gibt es etwa 8.600 Kopien von Bildern aus Afrika, Ozeanien, Australien und Europa, von denen viele heute als Raritäten gelten

Die Felsbildsammlung des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität Frankfurt umfasst die weltweit älteste und umfassendste Sammlung von Kopien solcher Zeugnisse aus prähistorischer Zeit. Nun hat das Deutsche Nominierungskomitee des UNESCO-Programms „Memory of the World“ das Institut zur Ausarbeitung und Einreichung eines Nominierungsantrags aufgefordert. Das internationale Register verzeichnet die weltweit bedeutendsten Dokumentensammlungen; Deutschland ist zurzeit mit 24 Einträgen vertreten – darunter die 42-zeilige Göttinger Gutenberg-Bibel, das Manuskript der h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach oder auch die Dokumente aus dem Frankfurter Auschwitz-Prozess.

Die Felsbildsammlung umfasst etwa 8.600 Felsbildkopien aus Afrika, Ozeanien, Australien und Europa, von denen viele heute als Raritäten gelten. Die Bedeutung des Archivs liegt zum einen vor allem im Alter der Kopien – sie wurden zwischen 1913 und den frühen 1960er Jahren von rund zwei Dutzend professionellen Malerinnen und Malern vor Ort originalgetreu abgezeichnet. Und auch die regionale Breite der Entstehungsorte der Bilder macht die Sammlung so besonders. In einigen Fällen sind die von Mitgliedern des Instituts angefertigten Kopien heute die einzige verbliebene Dokumentation von Felskunst-Ensembles, deren Originale inzwischen zerstört sind.

Leo Frobenius, Gründer des nach ihm benannten Instituts für kulturanthropologische Forschung, erkannte als einer von wenigen Forschern früh den enormen kulturhistorischen Wert der Felsbilder Afrikas. Eine erste Expedition führte ihn und ein Team von 1913 bis 1914 in den nordafrikanischen Sahara-Atlas, wo sie die bis zu 12.000 Jahre alten Motive meist in Originalgröße auf Leinwand kopierten.

Elisabeth Charlotte Pauli, „Hand mit drei kleinen Figuren“, abgezeichnet 1933 in Wadi Sura, ägyptische Sahara. Copyright: Frobenius-Institut

Weitere Felskunstexpeditionen folgten in den 1920er und 1930er Jahren, etwa in die libysche Sahara, ins südliche Afrika, nach Norwegen, Norditalien, Südfrankreich und Ostspanien sowie Neuguinea und Australien. Heute besteht das Archiv aus Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden in verschiedenen Techniken und Formaten von bis zu 2,5 auf 10 Metern sowie aus Tausenden Schwarzweißfotografien, die den Kopiervorgang und die Originalschauplätze der Felskunst dokumentieren.

Die damals neu entdeckte prähistorische Kunst hatte großen Einfluss auf die künstlerische Avantgarde des frühen 20. Jahrhundert in Europa und den USA. Sie zog den Blick europäischer und nordamerikanischer Künstler in dem Moment auf sich, als diese die akademische Form des Gemäldes aufgaben, auf figurative Motive verzichteten und begannen, Collagen und große Wandgemälde zu realisieren.

Die Malerinnen und Maler arbeiteten unter abenteuerlichen, oft strapaziösen Bedingungen. Hier Elisabeth Pauli und Katharina Mart, an Strickleitern baumelnd, beim Kopieren eines Felsbildes 1935 in Algerien. Copyright: Frobenius-Institut

Seit Ende der 1920er Jahre wurden Teile der Sammlung in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Paris, Brüssel, Amsterdam, Zürich, Johannesburg und New York erregten die ungewöhnlichen Gemälde viel Aufmerksamkeit und inspirierten namhafte Künstler der Moderne. Die Ausstellung 1937 im New Yorker Museum of Modern Art war so erfolgreich, dass die Bilder auf eine zweijährige Tournee durch 31 US-Städte gingen. Später behauptete Joan Miró, „die Malerei befindet sich seit dem Höhlenzeitalter im Niedergang“, und Alberto Giacometti, „dort und nur dort ist die Bewegung gelungen“.

Heute werden die Bestände des Felsbildarchivs in gesicherten Archivräumen an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main aufbewahrt und nach bestandserhaltenden Maßgaben gelagert. In den Jahren 2006 bis 2009 wurde das Archiv im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekts am Frobenius-Institut erschlossen und digitalisiert.

Seitdem ist das Felsbildarchiv in Form einer Bilddatenbank zugänglich.

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt

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(30.12.2020)