Der britische Bildhauer William Peers schafft elegante und scheinbar ohne Mühe entstandene Formen aus Marmor

William Peers: „The Space Between“.

Auch wenn die Ergebnisse schwerelos erscheinen, ist für ihn der harte Weg der Arbeit am Stein wichtig und eine Voraussetzung für seine Kunst

Auf der Webpage von William Peers sieht man zunächst vor allem Wolken von Staub über einer Person in dicker Arbeitskleidung. Schaut man sich aber die Arbeiten des britischen Bildhauers an, sind sie feinsinnig, scheinbar ohne Mühe entstanden und mit einer Oberfläche wie von Samt.

Viele sind nur noch Linien, die sich im Raum zu drehen und zu verwinden scheinen.

Er antwortet auf unsere Frage dazu: Auch wenn seine Werke „weich und sauber“ aussehen, sei die Arbeit als solche alles andere als das. „Der physische Weg ist alles für mich… Er ist es, was das Leben für mich lebenswert macht.“

William Peers: „Vanya“.William Peers: „Menura“.

Während er ganz am Anfang seiner Laufbahn gerne gegenständlich gearbeitet hat, interessieren ihn derzeit mehr die abstrakten Formen, eben die Linien, wie wir es formuliert haben. Dabei verfolgt er einen besonderen Weg: „Ich mag es, wenn der Rohblock dem Vergessen anheimfällt“, heißt es auf der Webpage zu der Ausstellung mit dem Thema „A Line in Space“ (Eine Linie im Raum): „Der Marmor verflüchtigt sich wie ein Fliege im Raum, und doch steht die Skulptur fest da.“

Auch für die Ausstellung „The Space Between“ (Der Zwischenraum) hat er solche Formen geschaffen. Es sind „scheinbar schwerelose Abstraktionen, die nichts ahnen lassen von der obsessiven Arbeit, die ihnen die unglaublich sauberen Kurven gegeben hat.“

William Peers: „Otir“.William Peers: „Emerge“.

Marmor ist sein bevorzugtes Material. Wichtig bei der Auswahl der Rohblöcke ist dabei, dass nicht Adern die Festigkeit des Materials beeinträchtigen.

Nicht nur die Rohblöcke sucht er deshalb mit viel Sorgfalt aus. Auch die Podeste, auf denen die Arbeiten nachher stehen, sind schon lange nicht mehr einfache Quader. Auch gibt er ihnen als Kontrast raue Oberflächen.

Peers studierte am Falmouth Art College in Cornwall und lernte später die Feinheiten des künstlerischen Arbeitens am Stein bei dem Bildhauer Michael Black. Danach ging er nach Carrara und verbrachte anschließend einige Zeit auf Korsika, wo er „einen ruhigen Rückzugsort fand, um die Ideen zu entwickeln“.

1990 ging er zurück nach Cornwall, wo er seitdem arbeitet. Von dort aus nimmt er an Ausstellungen teil oder fertigt auch Bestellungen.

Interessant wiederum ist auf seiner Webpage zu lesen, wie präzise und bestimmt er beschreibt, wie er sich die Zusammenarbeit mit einem Kunden vorstellt. Eine der Bemerkungen dort ist, dass er nur ungern die eigenen Arbeiten kopiert und lieber neue Ideen realisiert.

William Peers: „Dish II“ (Wall Hang Sculptures).

„Ich bin ein schneller Arbeiter“, schreibt er uns auf eine andere Frage. Die drehte sich um sein Projekt der „100 Days: Sketched in Marble“ (100 Tage: Marmorskizzen), während der er an jedem Tag eine Arbeit fertigstellte.

William Peers: „Day 32“ (aus: 100 Days: Sketched in Marble).

Dafür auf den Roboter zurückzugreifen oder, wie andere Künstler, mit Assistenten zusammenzuarbeiten, kommt für ihn nicht in Frage. Es würde sich „etwas zwischen den Künstler und sein Werk stellen, und die künstlerische Absicht würde nicht mehr übermittelt“, gibt er zu bedenken.

William Peers

William Peers.

(11.01.2021)