Die Künstlerin Katja Davar will mit ihrem Flächenkunstwerk aus Naturstein die „Fragilität unseres Planeten“ darstellen

Entwurf von „Globe of Glass“ für den Vorplatz vor dem neuen Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) in Kassel. Quelle: Davar/HHS/Fraunhofer IEE

In Kassel ist der Wettbewerb für den Platz vor dem Neubau des Fraunhofer-Institutes für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) entschieden worden

Die Künstlerin Katja Davar hat den Wettbewerb zur Gestaltung des Vorplatzes vor dem Neubau des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) in Kassel gewonnen. Ihr großes Flächenkunstwerk in Schwarzweiß setzt sich aus sich überschneidenden Kreisen und Zeichen einer mesopotamischen Keilschrift zusammen. Das Material ist Naturstein. Die Künstlerin möchte mit der Darstellung und mit dem Material die „Fragilität unseres Planeten“ darstellen und so auch die Bedeutung der Forschungsarbeiten an diesem Fraunhofer-Institut für den Erfolg der Energiewende hervorheben.

„Katja Davars Arbeit lädt dazu ein, das Institut zu betreten und die dort betriebene Forschung kennenzulernen“, so die Jury in ihrer Entscheidung.

Zu dem breiten, schwarz-weißen Flächenkunstwerk hat sich die Künstlerin nach eigenen Angaben durch den Essay „The Sun and the Fish“ von Virginia Woolf inspirieren lassen. In dem Text beschreibt Woolf die faszinierende Erfahrung einer totalen Sonnenfinsternis im Juni 1927. „Der kurze Essay liefert eine indirekte, unabgeschlossene Interpretation des Schicksals der Zivilisation, die auch für unsere komplexe Gegenwart außerordentlich aufschlussreich erscheint. Vor allem Woolfs Beschreibung der einsetzenden Dunkelheit – ,Wir waren gefallen‘ – liest sich wie eine alarmierende Prophezeiung für den Fall, dass die Klimakrise nicht in naher Zukunft gelöst werden kann“, sagt Davar.

Auch der Titel „Globe of Glass“ ist ein Zitat aus dem Essay. Davar will damit die „Fragilität unseres Planeten“ zum Ausdruck bringen.

Katja Davar. Foto: Albrecht Fuchs

Bei der Arbeit handelt es sich um ein labyrinthisches Mosaik aus Kreisen und Zeichen, die wie in Stein gemalt anmuten. Hinter den rätselhaften Zeichen verbirgt sich eine mesopotamische Keilschrift, zu der Davar viel geforscht hat: das einem Trichter ähnliche Symbol für die Sonne ist das zentrale Element des Kunstwerks.

Ganz gezielt soll die Arbeit Raum für Abstraktion und Interpretationen lassen. Katja Davar wünscht sich auch, dass ihre „begehbare Zeichnung“ interaktiv und spielerisch von Kindern aber auch von Besuchern des Instituts aufgenommen wird. „Die Institutsmitarbeiter werden herunterschauen und das Kunstwerk in seiner Gesamtheit sehen können“, sagt sie.

Der leitende Architekt des Institutsneubaus, Günter Schleiff vom Kasseler Architekturbüro HHS, lobte die „Symbiose mit dem Gebäude, seiner Architektur und seinem Inhalt“. Bei der Arbeit treffe Poesie auf Historie und Wissenschaft. „Katja Davar hat sich mit ihrem Entwurf wirklich auf uns eingelassen. Sie inspiriert uns dazu, es nicht dunkel werden zu lassen, sondern hell“, sagte Institutsleiter Prof. Dr. Clemens Hoffmann.

Katja Davar wurde 1968 in London geboren und lebt in Köln und Berlin. Sie unterrichtet an der Hochschule Mainz „Experimentelle Zeichnungen“ und ist auch bekannt für ihre Animationen. In ihren Arbeiten konzentriert sich die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin auf die Beziehungen zwischen Technologie, Natur und Gesellschaft.

Quelle: IEE

(26.01.2021)