Auf dem Reiserberg unweit von Kaiserslautern gibt es eine begehbare Sonnenuhr mit 12 Obelisken aus dem lokalen Sandstein

Die begehbare Sonnenuhr auf dem Reiserberg unweit von Kaiserslautern.

Das Projekt bringt zahlreiche ortstypische Besonderheiten zusammen und bietet Identifikation für die Bürger sowie wirtschaftliche Perspektiven

Der Betrachter fühlt sich unweigerlich an Stonehenge erinnert: 12 große Steine stehen in einem Kreis auf einem Hügel. Aber während das Bauwerk in England von vor rund 4000 Jahren vermutlich religiösen Hintergrund hatte, ging es bei diesem modernen Steinkreis um politische und wirtschaftliche Belange.

Unsere Story spielt auf dem Reiserberg in Schallodenbach, gut 10 km von Kaiserslautern entfernt in der Pfalz. Dort wurde der umtriebige Harald Westrich im Jahr 2014 Bürgermeister des Gemeindeverbunds, zu dem auch Schallodenbach gehört. Westrich kannte den Hügel, auf dem jetzt der Steinkreis steht, und wünschte sich dort etwas anderes als noch mehr Windräder, nämlich eine Attraktion, die eine wirtschaftliche Alternative und gleichzeitig ein Identifikationsobjekt für die Bürger der ehemals eigenständigen Dörfer wäre.

Nach einigem Nachdenken kam Westrich die Idee, die einerseits alle Interessen zusammenband und die zudem auch noch naheliegend war: erstens hatte der Gemeindeverbund – korrekt im Amtsdeutsch: die Verbandsgemeinde mit Namen Otterbach-Otterberg – 12 Ortschaften als Mitglieder. Zweitens wurde in der Gegend seit langen Zeiten Bundsandstein gebrochen. Drittens war die Idee eines Wanderweges durch die Gegend schon länger in den Köpfen.

Die begehbare Sonnenuhr auf dem Reiserberg unweit von Kaiserslautern.

So kommt es, dass seit 2020 auf dem Reiserberg die 12 steinernen Obelisken stehen, aus deren Mitte sich eine schräg gestellte Stahlsäule in den Himmel reckt. Man ahnt es schon: es handelt sich um eine begehbare Sonnenuhr.

Jeder der Steine mit 2,5 m Höhe und rund 1,5 t Gewicht trägt das Wappen einer der Gemeinden und zudem die Ziffer der jeweiligen Stunde.

Die Rohstücke stammen aus dem Steinbruch der Firma Picard im nahen Schweinstal. Bei der Auswahl der Brocken wurde darauf geachtet, dass sie verschiedene Farbtöne zeigen. Denn der Buntsandstein gibt den alten Bauernhäusern rund um den Reiserberg ihr Gesicht.

Die begehbare Sonnenuhr auf dem Reiserberg unweit von Kaiserslautern.

Die Firma Naturstein Sauer in Mainz-Budenheim brachte die Rohstücke in die Form der Obelisken und versah sie mit Wappen und Ziffern.

Zahlreiche Details waren zu klären. Zum Beispiel wurden Standort und Neigung des Schattenzeigers exakt vermessen, damit er die echte Sonnenzeit am Standort zeigt. Auch versah man den Stahlkoloss von immerhin 0,55 t Gewicht mit einem kräftigen Fundament von 2 x 2 x 0,8 m. Denn auf dem Reiserberg pfeift der Wind, und die Stürme lassen nicht lange stehen, was nicht im Boden verankert ist.

Derzeit geht die Fertigstellung weiter: die einzelnen Obelisken bekommen Informationstafeln, auf denen die Geschichte der Ortschaft beschrieben wird. Zudem gibt es Informationen aus der Geologie zu den Steinen, den Erdzeitaltern, zu Fossilien aus der jeweiligen Zeit usw.

Die begehbare Sonnenuhr auf dem Reiserberg unweit von Kaiserslautern.

In Frühjahr soll auch der Höhenradweg für E-Bikes fertiggestellt sein, in dem die begehbare Sonnenuhr im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt sein wird. Die Strecke wird 60 km lang sein, durch die Ortschaften der Verbandsgemeinde, aber auch darüber hinaus führen. Sie soll mit Ladestationen für E-Fahrräder ausgestattet sein.

Am Hang des Reiserberges wird es eine Waldhütte mit Restauration geben.

Diese touristischen Ideen waren die Voraussetzung, dass es für das Projekt Fördermittel gab. So steuerte die EU Mittel in Höhe von 225.000 € bei. Die Sonnenuhr allein schlug mit rund 110.000 € zu Buche.

Facebook-Seite

Carl Picard Natursteinwerk

Sauer GmbH

Fotos: Harald Westrich

Die begehbare Sonnenuhr auf dem Reiserberg unweit von Kaiserslautern.

(19.03.2021)