Was die extrem gestiegenen Frachtkosten für Steinexporte von China nach Europa bedeuten

 Die Corona-Pandemie hat die weltweiten Lieferketten zerrissen. Foto: Mgunn / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Analyse für den Markt für Grabsteine in Polen: Billige Sorten und Produkte zu transportieren lohnt sich im Moment nicht, und es könnte sein, dass Händler demnächst sich neue Lieferanten suchen müssen

Wir veröffentlichen eine Recherche unseres Partnermagazins Nowy Kamieniarz. Die Redaktion der polnischen Zeitschrift hat die aktuellen Veränderung im weltweiten Frachtgeschäft als Folge von Corona beleuchtet. Wir veröffentlichen den Beitrag mit Schwerpunkt auf der Situation in Polen stark gekürzt.

Update: wie in dem Bericht unten vorausgesagt, kam es inzwsichen zu einer leichten Senkung der Preise. Laut einer neuen Recherche von Nowy Kamieniarz gingen die Preise für den Transport eines 20-Fuß Containers von Xiamen in den polnischen Hafen Gdingen von 5500 US-$ auf 4250 US-$ zurück. Firmenvertreter erwarten, dass vielleicht „Ende Juni 2021“ die Marge von 2500 US-$ erreicht werden kann, die jedoch weiterhin deutlich über den ehemaligen Preisen von um die 850 US-$ liegt. Ein Importeur sagt, dass er derzeit nur noch Naturstein aus Lagerbeständen verkauft. Ein Steinmetz mit Spezialisierung auf Grabmale fügt hinzu: „Jetzt arbeiten nur noch diejenigen, die ein gutes Lager haben.“
 

Seit Juni 2020 sind die Preise für Schiffscontainer vor allem für Transporte von China nach Europa stetig angestiegen. Im November gerieten sie mit 2.000 US-$ für die Strecke von Xiamen zum polnischen Hafen Gdingen völlig außer Rand und Band und erreichten Im Dezember einen noch nie dagewesenen Preis von 5.000 US-$ für einen 20-Fuß-Container. Diese Größe wird üblicherweise für den Transport von Stein verwendet.

Der Grund für das Chaos im Frachtgeschäft ist die Corona-Pandemie, die den Welthandel 2020 für eine Weile quasi stillgelegt hatte.

Werfen wir einen Blick zurück. Die Schließung der Fabriken in China Anfang 2020 und die folgende Abriegelung Europas wegen Corona hatten die Lieferketten komplett unterbrochen, besser: zerrissen. Der Frachtrückgang betrug circa 15-25% im Vergleich zum Vorjahr.

Die Reedereien hatten als Reaktion darauf jedoch nicht ihre Preise gesenkt und um Kunden gekämpft, sondern die Schiffsrouten massiv reduziert und sogar einige Schiffe aus dem Verkehr gezogen.

Zusätzlich dazu lagen Schiffe in Häfen fest, weil die Besatzung unter Quarantäne gestellt worden war.

Das ging zunächst gut. Die Kapazitäten konnten an die Nachfrage angepasst und die Preise gehalten werden.

Unerwartet schnell jedoch kurbelte China seine Produktion wieder an. Dazu kam die plötzlich enorme Nachfrage Produkten für Hygiene – auf einmal wurde wieder Schiffs- und Containerraum von China in die Welt in großem Umfang nachgefragt. Da die üblichen Kreisläufe gestört waren, gab es schon bald einen Mangel an Leer-Containern – während woanders die Transportbehälter voll herumstanden und auf ihre Entladung warteten.

Dazu kam mit dem Brexit Ende 2020 ein weiterer Schub für die Transportbranche, als zahlreiche Firmen ihre Lagerhaltung aufstockten.

Die Folge: die Reeder erhöhten ihre Preise, und es gab Wartezeiten von mehreren Wochen für leere Container.

Logo der Zeitschrift Nowy Kamieniarz.

Adrian Buraczyński, Direktor von Magemar Polska, erläutert die Situation: „In einer solchen Situation beginnt das Bieten, derjenige, der mehr Geld auf den Tisch legt, bekommt als erster einen Container.“

Aber: Nur wer hochwertige Waren wie etwa Elektronik oder Kleidung zu transportieren hat, kann die erhöhten Frachtkosten in seinen Preisen einkalkulieren

Die Steinbranche kann da meist nicht mithalten. Die häufigsten Steine, die aus China nach Europa importiert werden, sind nicht die teuersten Sorten. Ein Aufschlag von ein paar tausend Dollar auf den Container, also auf die Kosten des Rohblocks, macht solche Importe unrentabel.

„Kein vernünftiger Mensch würde heutzutage Stein aus China importieren, außer einzelne Container für spezielle Aufträge. Wir haben alle Transporte eingefroren”, sagt Wojciech Rogala von der Firma Rogala. „Die Preise für Fracht aus Brasilien blieben mehr oder weniger unverändert, die Kosten für den Transport aus Indien haben sich etwa verdoppelt, sind aber immer noch akzeptabel.”

In Polen betrifft das viele Steinmetze, die Grabsteine aus Asien importieren. Berechnungen zeigen, dass Vertragsstrafen für den Rücktritt von einem Kaufvertrag letztendlich günstiger wären als ein Transport.

„Wenn die Situation anhält, ist es möglich, dass wir nach Ersatz für chinesische Steine suchen müssen”, sagt Rogala.

Ähnlich ist die Lage beim Import von Maschinen.

Wäre ein Ausweichen auf den Schienentransport im Rahmen der Neuen Seidenstraße eine Lösung? Seit einigen Jahren gibt es einen regelmäßigen Zugverkehr mit festen Fahrplänen von Europa über Russland nach China. Für Transporte der üblichen Steinsorten würde sich das ebenfalls nicht rechnen, weist Nowy Kamieniarz nach.

Wie geht es weiter? Nur geringe Verbesserungen erwarten die Transporteure für April.

Akzeptable Preise für die Steinindustrie erwarte ich erst im Mai oder Anfang Juni. Ich hoffe, dass sie auf etwa 2.000 US-$ fallen werden”, sagt Rafał Dulniak von Granity Dulniak.

Ob überhaupt wieder der alte Preis von umd die 850 US-$ erreicht wird, hält er für fraglich.

Nowy Kamieniarz (polnisch)

(05.04.2021)