Für die Zeit nach Corona: das Mausoleum des Augustus in Rom ist wieder für Besucher zugänglich

Eine Rekonstruktion des Mausoleums von Luigi Canina, „Gli edifizi di Roma antica“, 1851. Quelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>Das Mausoleum während der Renovierungsarbeiten 2019. Foto: Mubler Jamie / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Der gewaltige Rundbau mit 90 m Durchmesser war ehemals mit Marmor und Travertin verkleidet, von denen jedoch nichts erhalten geblieben ist

In Rom ist das Mausoleum des Augustus nach langen Jahren der Restaurierung wieder für Besucher zugänglich. Es ist ein gewaltiger Rundbau auf dem ehemaligen Marsfeld am Ufer des Tiber, damals ein Exerzierplatz. Nach dem Ende des römischen Weltreichs verfiel es viele Jahrhunderte lang. Ehemals war es ein beeindruckender Bau, außen und innen mit Marmor und Travertin verkleidet. Denn Augustus gilt als derjenige der Cäsaren, der die Stadt in großem Stil mit Marmor ausstattete.

Gebaut wurde an dem Mausoleum von 28 bis 23. v. Chr. Bei Baubeginn war Augustus gerade mal 30 Jahre alt – insofern war die Anlage schon früh dazu gedacht, Informationen über den Auftraggeber in Stein festzuhalten. Denn in der Antike und noch viele Jahrhunderte später konnten nur wenige Menschen lesen und gab es keine Bücher nach heutiger Art, also mussten die Botschaften per Architektur oder mittels Statuen unter die Leute gebracht werden werden.

Zum Beispiel wurde der Standort nicht nur aus praktischen Gründen gewählt. Vom Geschichtsschreiber Livius wissen wir, dass von diesem Ort aus Romulus, Sohn des Mars und einer der Stadtgründer, in den Himmel aufgefahren sein soll; später wurde dort Cäsars Leiche verbrannt. Augustus nahm also deutlichen Bezug auf die Gründer der Stadt und auf seinen Adoptivvater Cäsar, der in der Bevölkerung höchstes Ansehen genoss.

Mit der Rundform nahm Augustus vielleicht das Grab Alexanders des Großen als Vorbild. Oder er lehnte sich an die Grabstätten der etruskischen Fürsten an.

Eins aber steht fest, wie es auf der Webpage des Mausoleums heißt: die Anlage war größer selbst als das berühmte Grab des Mausolos, das in der Antike als eines der Weltwunder galt.

Das Mausoleum während der Renovierungsarbeiten 2017. Foto: TIMNewsroom / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Etwa 300 römische Fuß beträgt der Durchmesser des Rundbaus, das sind knapp 90 m. Er war höher als der Hügel Pincio nebenan. Obendrauf gab es immergrüne Zypressen und ganz an der Spitze eine 45 m hohe Bronzestatue des Toten mit großer kaiserlicher Geste.

Die Innenräume dienten auch Familienmitgliedern als letzte Ruhestätte.

Groß muss die Menge an Naturstein gewesen sein, die für die Verkleidung des Bauwerks verwendet wurde. Sicher aber war Italiens Steinbranche damals schon in der Lage, die benötigten Mengen bereitzustellen. Denn schon unter Cäsar war der weiße Marmor aus der Provinz Luna zum Modegestein geworden.

Das Material aus der Gegend um das heutige Carrara war bevorzugtes Dekor für die repräsentativen Bauten des Staates und der Reichen.

Zuvor hatte man in Rom weißen Marmor vor allem von der griechischen Insel Paros importiert. Nun kam er schneller und vermutlich auch billiger zum Hafen Ostia und von dort mit Kähnen den Tiber flussaufwärts bis in die Stadt.

Die Ursache für Cäsars Begeisterung für Marmor sieht die Professorin Diana Kleiner von der Universität Yale in Ägyptens Pharaonin Kleopatra: diese habe dem römischen Counterpart die Pracht der steinernen Bauten am Nil vorgeführt, und der Römer wollte, dass sich die Hauptstadt seines Reiches daran messen sollte, vermutet sie in einem Vortrag auf Youtube.

Diese Ambitionen kamen mit der Ermordung jedoch zu einem jähen Ende.

Augustus griff offenbar die Idee seines Adoptivvaters auf, jedenfalls was das bevorzugte Material betraf. Die Vorbilder für seinen Stil holte er sich jedoch nicht in Ägypten, sondern in Griechenland. „Er baute Rom nach griechischem Vorbild um“, so Professorin Kleiner.

Darstellung der Ruinen des Mausoleums (um 1600). Zeichnung: Etienne Dupérac. Quelle: Harvard University / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Zur Umgestaltung der Stadt notierte der Biograph der römischen Kaiser, Suetonius, das berühmte Zitat des Augustus: „Ich fand Rom als Stadt aus Backsteinen und hinterließ eine aus Marmor.“

Ob man das wörtlich nehmen kann, bezweifeln moderne Wissenschaftler, auch wenn Suetonius zahlreiche konkrete Baumaßnahmen des Kaisers nennt, zum Beispiel 82 neue Tempel. Auf einer Webpage der University of California (UCLA) aber mutmaßt Professorin Diane Favro, dass der Biograf mit dem Zitat wohl eher das Lebensgefühl der Bürger von Rom ausdrücken wollte: durch den endlosen Transport von Steinplatten und Steinelementen mit Ochsenkarren vom Fluss zu den Baustellen habe es einen permanenten Stau gegeben, der sich den Zeitgenossen nachdrücklich einprägte.

Bei der aktuellen Restaurierung des Mausoleums waren im 1. Bauabschnitt 4,2 Millionen € ausgegeben worden. Dazu kamen nun im 2. Bauabschnitt noch einmal 8 Millionen € , gespendet von der Telefongesellschaft TIM. Ein Teil dieses Geldes wurde für die neue Multimedia-Präsentation für Besucher verwendet. Die Arbeiten dauern noch an.

Mausoleo di Augusto

Video Professorin Diana Kleiner, Yale

Video UCLA-Professorin Diane Favro

(07.04.2021)