Älteste steinerne Landkarte aus der Bronzezeit nach mehr als 100 Jahren im Keller eines französischen Museums wiederentdeckt

Die „Gravierte Steinplatte von Saint-Bélec“.

Das Relief mit Kreisen und Linien stammt aus der Region Finistère ganz im Western der Bretagne und könnte das Territorium eines Fürsten dokumentieren

Eine Steinplatte aus der frühen Bronzezeit, die vor mehr als 100 Jahren im äußersten Westen der Bretagne in der Region Finistère entdeckt worden war, könnte die älteste Landkarte von Menschen in Europa sein. Der Steinbrocken mit dem Maßen 2,2 m x 1,5 m und einem Gewicht von etwa einer Tonne scheint nach neuesten Untersuchungen in seinem Relief eine Landschaft aus den so genannten Schwarzen Bergen dort darstellen und damit das Herrschaftsgebiet eines Fürsten der damaligen Zeit zu zeigen.

Die Bretagne ist bekannt für ihre Menhire, die vermutlich aus der späten Bronze- oder der frühen Eisenzeit stammen.

Die „Gravierte Steinplatte von Saint-Bélec“, so der Name des Fundstücks war im Jahr 1900 von dem Archäologen Paul du Chatellier in einem großen Grabhügel aus der frühen Bronzezeit (1900-1600 v. Chr.) entdeckt worden. Der exakte Fundort liegt bei der heutigen Ortschaft Leuhan im Finistère.

15 Arbeiter waren damals nötig gewesen, um das Stück aus dem Grabhügel herauszuholen, wo es als Wand gedient hatte. Nach einigen Umwegen war es vom Nationalen Archäologiemuseum gekauft worden und seit 1924 in dessen Sammlungen in den Kellern in Vergessenheit geraten.

Die „Gravierte Steinplatte von Saint-Bélec“.

Nun haben Wissenschaftler das Fundstück mit dem auffälligen Relief mit modernsten Methoden von neuem unter die Lupe genommen.

Auf der Webpage des Museums heißt es dazu: die Strukturen „sind in einer relativ homogenen Komposition organisiert … deren sich wiederholende Motive aus kreisförmigen und viereckigen Formen sowie Vertiefungen, verbunden durch Linien, geografische Markierungen und Symbole darstellen. Vergleiche mit ähnlichen Darstellungen aus prähistorischer Zeit in Europa und anderswo auf der Welt zeigen, dass es sich um eine topographische Karte handeln könnte.“

Und weiter: „Die Untersuchung der Oberfläche zeigt, dass diese bewusst gestaltet worden ist: Es ist ein Teil des Odet-Tals zu erkennen, insbesondere mit den Coadri-Hügeln, den Schwarzen Bergen und dem Landudal-Massiv. Mehrere eingravierte Motive deuten zudem auf verschiedene Strukturen der frühen Bronzezeit hin, darunter eine Einfriedung, ein mögliches Parzellensystem, Grabhügel und Straßen.“

Vielleicht stellt das Relief ein Territorium dar, „das einst von einem mächtigen Fürsten der frühen Bronzezeit kontrolliert wurde. Es legt Zeugnis ab von einer stark hierarchischen Gesellschaft, die von einer kleinen, eher männlichen Kriegerelite angeführt wurde,“ heißt es weiter.

Die Herrscher sind den Forschern nicht unbekannt: „Ihre Gräber zeigen meist eine reiche Grabausstattung, die hauptsächlich aus Kriegerattributen (Bronzedolche, Pfeilspitzen aus Feuerstein) aber manchmal auch aus Goldobjekten besteht.“

Vielleicht war die Platte bei der Benutzung als Wand im Grabhügel wiederverwendet worden.

Musée d’Archéologie Nationale

Die Forschungsergebnisse sind im Bulletin de la société préhistorique de la France (04-2021, tome 118) veröffentlich (französisch)

Fotos: Valorie Gô, Musée d’Archéologie Nationale

(11.04.2021)