Für den Umbau des Manhattan Centers in Brüssel mussten an dem Hochhaus die Spuren der Planungen für eine autogerechte Stadt beseitigt werden

Das Manhattan Center in Brüssel nach dem Umbau.

jaspers-eyers Architects gestalteten das 100 m hohe Gebäude im Stil der heutigen Zeit um

Das neue Manhattan Center in Brüssels Quartier Nord, dem wichtigsten Geschäftsviertel der Stadt, steht dort schon seit dem Jahr 1973, und dennoch wird sich kaum jemand daran erinnern. Denn obgleich um die 100 m hoch und eine gewaltige Baumasse, war es schlichtweg nie zu sehen. In den letzten Jahren wurde es innen und außen umgebaut und für vielfältige Nutzungen umgebaut.

Die zentrale Aufgabe der Architekten dabei war, dem Hochhaus die Spuren der ehemaligen Stadtplanung auszutreiben. Denn es war als eines von insgesamt 78 Hochhäusern für das Geschäftsviertel in einer autogerechten Stadt konzipiert: so sollte es ursprünglich einen Sockel haben, an den ein System von aufgeständerten Wegen und Brücken für die Fußgänger über dem Autoverkehr anknüpfen würde.

Als jedoch Mitte der 1970er die Ölkrise kam und viele Bürger sich gegen diese Idee von Stadt wehrten, kamen die Planungen schnell wieder zu einem Ende.

Das Manhattan Center in Brüssel vor dem Umbau. Foto: <a href=Wikimedia Commons” width=”440″ height=”293″ class=”aligncenter size-medium wp-image-85888″ />

Nicht spurlos, denn unser Hochhaus hatte seitdem damit zu kämpfen: im Erdgeschoss gab es keinen erkennbaren Eingang – ein zentraler Grund, weshalb es nie zu erkennen gewesen war.

Der neue Eigentümer, die ICON Real Estate, steckte das Ziel weit für jaspers-eyers Architects: das umgestaltete Gebäude sollte künftig ein Highlight im modernen Brüssel sein, damit interessant für finanzkräftige Mieter werden, zudem Leben in das Stadtviertel bringen und nicht zuletzt beste Energiewerte erreichen.

Wohlgemerkt: es war nur ein Umbau geplant, kein Neubau.

Das Manhattan Center in Brüssel nach dem Umbau.

Als eine der Maßnahmen nahmen sich die Architekten dennoch die Gebäudeform als solche vor. Auf der einen Seite wurde die strenge Rechteckkante aufgegeben und oben nach vorne gezogen. Davon erhoffen sich die Planer eine optische Öffnung des Hochhauses in den öffentlichen Straßenraum.

Auch auf Straßenniveau gab es eine solche Erweiterung, nämlich beim Sockel.

Wie es heute üblich ist, wurden in das ehemalige Hotelhochhaus zahlreiche Funktionen integriert: man findet dort nun auch Büros, Geschäfte, Bars, Restaurants und ein Fitness-Center. Teils spiegeln sich diese Nutzungen in der Fassade wider: auf halber Höhe ist über 4 Geschosse ein Wintergarten deutlich abgesetzt. Auf dem Dach wurden 2 zusätzliche Geschosse mit einer Terrasse aufgesetzt.

Das Manhattan Center in Brüssel nach dem Umbau. Quelle: Levantina

Auch der Sockel wurde für die Besucher zugänglich gemacht: dort gibt es nun ein lang gezogenes Café, wie es vielleicht auch in den Siebzigern hätte entstehen können.

Der Zugang ist deutlich erkennbar in die Fassade eingeschnitten (was auf unseren Fotos leider nicht sichtbar ist).

Das Manhattan Center in Brüssel nach dem Umbau. Quelle: Levantina

Während im oberen Teil des Gebäudes Glas das Material der Verkleidung ist, ist es im Sockel der helle Travertin Vallanca. Der Stein soll das Hochhaus gewissermaßen erden.

Das Manhattan Center in Brüssel nach dem Umbau. Quelle: LevantinaDas Manhattan Center in Brüssel nach dem Umbau. Quelle: Levantina

Er findet sich in der Eingangshalle an den Wänden wieder, hier zusammen mit dem dunkleren Marmor Mystic Brown auf dem Boden. Beide haben unterschiedliche Brauntöne und unterschiedliche Oberflächenstrukturen – auch hier setzten die Architekten auf den Kontrast als belebendes Element.

Eine besondere Erwähnung verdienen die Handläufe im Travertin. Wir behandeln sie in einem separaten Text.

Die Natursteine lieferte die spanische Firma Levantina. Die Installation des Steins besorgte die belgische Opus Marble.

Insgesamt hat das Gebäude heute 28 oberirdische und 6 unterirdische Geschosse. Die Fläche beträgt nun 68.000 m². Es trägt die Zertifizierung BREEAM Excellent.

Einer der neuen Mieter ist die Vlerick Business School. Sie gilt als eine der besten privaten Wirtschaftshochschulen in Belgien, und soll einerseits zum Leben im Gebäude beitragen und andererseits hochkarätige Firmen in die Büros locken.

Ein anderer neuer Mieter ist eine internationale Anwaltskanzlei, schrieb die Wirtschaftszeitung L’Echo: die Kanzlei wollte ihren Mitarbeitern mit dem Manhattan Center eine ähnliche Arbeitsumgebung bieten wie am Stammsitz in Washington D.C.

Eigentlich aber, so heißt es weiter in dem Text, will der Bauherr die Hauptsitze der Firmen nach Brüssel holen, nicht nur ihre Dependancen.

jaspers-eyers Architects

L’Echo (französisch)

Levantina

(30.04.2021)