Rhododendron-Art in den USA ist auf eine ungewöhnliche ökologische Nische spezialisiert: schwermetallhaltiges Schiefergestein

Die beschriebene Art Rhododendron smokianum kommt bisher nur in den Great-Smoky-Mountains vor und bevorzugt dort das schwermetallhaltige Schiefergestein.

Die Pflanze unterscheidet sich im Wuchs und in den Blüten von Verwandten

Eine Vorliebe für schwermetallhaltiges Schiefergestein ist charakteristisch für eine neue Rhododendron-Art, die Prof. Dr. Dirk Albach von der Universität Oldenburg und der Rhododendron-Sammler Dr. Ralf Bauer aus Offenburg als solche identifiziert haben. Sie hat einen kleineren, kompakteren Wuchs als andere Arten und unterscheidet sich zudem durch kleinere Blüten mit einer kurzröhrigen Blumenkrone. Ihr wissenschaftlicher Anme ist Rhododendron smokianum. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf den Great-Smoky-Mountains-Nationalpark im US-Staat Tennessee, dem Namensgeber der neuen Art.

Bauer, der nach einer Reise in die USA den Verdacht hatte, dass in den Bergen von Tennessee in ungewöhnlichen ökologischen Nischen bisher nicht als solche unbekannte Arten wachsen könnten, brachte entsprechende Samen der Amerikanischen Rhododendron-Gesellschaft mit nach Deutschland. Die Anzucht der nordamerikanischen Pflanze in seinem heimischen Garten verlief ohne große Schwierigkeiten.
Um nachzuweisen, dass es sich um eine neue Art handelt, isolierte Albach Proben der Erbsubstanz aus Blättern dieser Exemplare und wertete verschiedene Abschnitte aus. Außerdem verglich er die äußeren Merkmale der Pflanzen mit denen anderer Rhododendron-Arten.

Er stellte fest, dass die Pflanzen von den nordamerikanischen Schieferhängen eine charakteristische DNA haben und etwas anders aussehen als Exemplare der Art, der sie bisher zugeordnet wurden. „Rhododendron smokianum unterscheidet sich deutlich von anderen, nah verwandten Arten“, erklärt Albach. Bisher hatten die Biologen ihre kleinen Sträucher der Wildart Rhododendron minus zugeordnet.

Rhododendron smokianum (unten) hat einen kleineren, kompakteren Wuchs als Rhododendron minus und unterscheidet sich durch kleinere Blüten mit einer kurzröhrigen Blumenkrone.

Rhododendren sind mit 1.200 verschiedenen Arten eine der größten Gattungen der Gehölzpflanzen. Die Ursache für ihre große Artenvielfalt liegt zum einen darin, dass die Gewächse vielfältige Lebensräume erobert haben. Zum anderen neigen sie zur Hybridisierung: Verschiedene Arten kreuzen sich häufig, wodurch immer wieder neue Varianten entstehen.

Die Kooperation von Albach und Bauer entstand nach einer Amerikareise Bauers. Der Offenburger Rhododendron-Liebhaber und Zahnarzt hatte nach der Entdeckung der ungewöhnlichen Pflanzen bei der Deutsche Rhododendron-Gesellschaft um wissenschaftliche Unterstützung gebeten. Der Rhododendronpark in Bremen – langjähriger Kooperationspartner der Universität Oldenburg – stellte den Kontakt zu Albach her. Dieser betont den hohen Wert solcher Kooperationen für die Forschung: „Das häufig sehr detaillierte Wissen von Hobby-Biologen hat eine große Bedeutung für die Wissenschaft.“

Unter den Exemplaren, die bisher der Art Rhododendron minus zugeordnet werden, vermutet der Biologe noch bis zu drei weitere neue Arten. Mit Rhododendron smokianum haben er und Bauer die erste beschrieben – nun wollen sie auch die anderen Pflanzen genauer untersuchen.

Originalpublikation: Dirk C. Albach und Ralf Bauer, „Rhododendron smokianum, a New Species from the Great Smoky Mountains“, Systematic Botany (2021), Doi: 10.1600/036364421X16128061189594

Fotos:
Ralf Bauer / Universität Oldenburg

(09.05.2021)