Ein Keramikhersteller aus Schweden hat sich bei der EU für sein Produkt den Namen eines Kalksteins schützen lassen

Screenshot der Pinterest-Seite von Bricmate mit dem Norrvange-Produktnamen für eine seiner Keramiken.

Bisher galt in dem Land die Devise von leben-und-leben-lassen, jedoch bewegt sich die Firma mit ihrer Marke „GranitKeramik“ auf gefährlichem Terrain

Einen besonders ärgerlichen Fall von Betrug am Verbraucher durch die Benutzung falscher Namen gibt es in Schweden im Fall des dortigen Norrvange Kalksteins. Nicht nur, dass der Keramikhersteller Bricmate schon länger eines seiner Produkte unter diesem Namen auf den Markt bringt; im Jahr September 2020 hat die Firma sich bei der entsprechenden Dienststelle der EU den Namen Norrvange auch noch schützen lassen.

Tauchen wir etwas ein in das skandinavische Land mit etwa 10 Millionen Einwohnern und einer ausgeprägten Konsens-Kultur, die man kaum woanders findet.

Eines von Schwedens geologischen Markenzeichen sind die Kalksteine von der Insel Gotland, die seit vielen Jahren ein Exportschlager sind und die man rund um die Ostsee in vielen Gebäuden findet. Um ihre Bedeutung für Region und ihre Geschichte herauszustellen, werden sie zum Beispiel in Deutschland von natursteinwolf unter dem Namen „Hansestein“ vermarktet.

Eine Sorte davon ist die aus dem Norrvange Steinbruch unweit der Stadt Lärbro. Den Steinbruch betreibt die Firma Slite Stenhuggeri.

Seit einigen Jahren schon benutzt Bricmate für eine seiner Keramiksorten den Namen Norrvange. Übrigens genauso die Bezeichnung eines weiteren Steins mit nationaler Bedeutung, nämlich des Kolmården-Marmors.

Gegen diesen Missbrauch des Namens hatte Slite Stenhuggeri zwar protestiert und auch der Natursteinverband Sveriges Stenindustriförbund hatte sich eingeschaltet, aber nie waren rechtliche Schritte eingeleitet worden. In Schweden strebt man nach Konsens, wie gesagt, und schließlich sieht man einen Namen wie zum Beispiel Kolmården als ein nationales Gut, das kein Privatmann und keine Firma sich zu eigen machen sollte. Schließlich heißt eine ganze Region so.

Nun aber hat Bricmate diese Zurückhaltung aufgegeben und sich den Namen Norrvange schützen lassen. Wie man auf der Webpage des EU-Amtes für den Schutz Geistigen Eigentums lesen kann, wurde der Antrag Anfang Juni 2020 gestellt und erfolgte die Registrierung Ende September.

Inzwischen gibt es einen Schriftverkehr der Rechtsanwälte beider Firmen. Bricmate hält sich in der Öffentlichkeit zu dem Vorgang bedeckt; auf eine Anfrage des lokalen Radios der Insel Gotland antwortete sie nicht, schilert uns Peter Willebrandt, Chefredakteur der vierteljährlichen Verbandszeitschrift „Sten“ (Stein), die Sachlage.

Screenshort der Webpage von Bricmate mit dem Begriff „Granitkeramik”.

Vermutlich aber überschaut der Keramikhersteller gar nicht, welchen Sturm er mit dem Namensschutz entfachen kann. Denn die Firma hat ihren Produkten, die Naturstein nachahmen, den Obertitel „Granitkeramik“ gegeben. Das macht die Sache spannend, denn: am 14. Juli 2017 hatte der Europäische Gerichtshof (ECJ) entschieden , dass solche Phantasiebezeichnungen auf dem Gebiet der 27 Staaten verboten sind.

Im jenem Fall vor dem höchsten EU-Gericht in Luxemburg war es um Bezeichnungen wie „Pflanzenbutter“ gegangen, die ein Hersteller seinen Produkten gegeben hatte. Die Richter stellten dazu klar, dass Butter und genauso Käse oder Milch immer vom Tier kommen und nie von einer Pflanze, dass also eine Kombination beider Begriffe den Verbraucher nur irreführen kann.

Mit der „Granitkeramik“ von Bricmate verhält es sich genauso: nie kann ein Granit eine Keramik sein, denn der Naturstein wurde von der Natur geschaffen, nicht von Menschenhand.

Slite Stenhuggeri hat auch schon von Fällen berichtet, wo sich Kunden vom Norrvange-Namen des Keramikprodukts hatten täuschen lassen.

Der Norrvange Kalkstein in der Kopenhagener Metro. Foto: Sveriges Stenindustriförbund

Stein des Jahres in Schweden

Der Kalkstein von der Insel Gotland wurde vom Verband übrigens zum Stein des Jahres 2020 ernannt. Er entstand vor rund 400 Millionen Jahren, als Schweden auf Höhe des Äquators lag. Ausgangspunkt waren Korallenriffe, rund um die sich Schalen von Muscheln und Meerestieren ablagerten.

Gotland war bereits im Mittelalter das Zentrum der Natursteingewinnung in Schweden. „Der Stein ist buchstäblich das Material der Baugeschichte der Region“, so Verbandsvorsitzender Kai Marklin. Heute machen die Exporte ins Nachbarland Dänemark ein Fünftel der Produktion von Slite Stenhuggeri aus, das den Norrvange-Bruch seit den späten 1950ern betreibt. In Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen findet man den Stein zum Beispiel in einem der Bahnhöfe der Ringlinie.

Auch die rund 400 geheimnisvollen Bildsteine auf der Insel Gotland sind aus dem lokalen Kalkstein gefertigt.

Slite Stenhuggeri (schwedisch)

Bricmate, Granitkeramik

Norrvange Kalkstein. Foto: Sveriges StenindustriförbundNorrvange Kalkstein. Foto: Sveriges Stenindustriförbund

(14.05.2021)