Marlena Senne hat den Schweizer Wettbewerb SwissSkills bei den Steinmetzen gewonnen und wird ihr Land bei den EuroSkills in St. Petersburg 2023 vertreten

Preisverleihung beim SwissSkills-Wettbewerb 2020 mit Marlena Senne in der Mitte.

Die Meisterin mit Faible für die Denkmalpflege liebt an ihrem Beruf, dass sie „jeden Tag etwas Tolles aus Stein schaffen kann“

Sie ist ein zartes Persönchen, dennoch seit einigen Monaten Steinmetzmeisterin und hat zuletzt den Wettbewerb „SwissSkills“ in ihrem Beruf gewonnen. Wir mussten Marlena Senne also fragen, wie sie überhaupt zum Stein gekommen ist, und sie hat eine der vielen kuriosen Geschichten rund um eine Berufswahl erzählt: für sie stand von Anfang an fest, ins Handwerk zu gehen „um nicht nachher nur noch vor dem Computer zu sitzen“, wie sie sagt, aber ihr Bruder arbeitete in einem Metallberuf, die Schwester war Tischlerin, und sie wollte eben etwas anderes machen als die großen Geschwister. Irgendwann sah sie Arbeiten von Eisbildhauern und war sehr angetan – jedoch wäre diese Tätigkeit selbst in der Schweizer Bergwelt als Lebensunterhalt nicht möglich.

Schließlich wies jemand sie darauf hin, dass es doch auch Bildhauer gibt, die mit Naturstein arbeiten.

Aber, anders als man nun erwarten könnte, hat sich die Steinbildhauerei dann doch nicht als ihr berufliches Ding herausgestellt. Ihr Faible nämlich ist die Restaurierung alter Steinobjekte. Sie erzählt: beim plastischen Arbeiten habe sie festgestellt, dass ihr die Beurteilung eines Objekts bloß vom Anschauen her nicht wirklich leicht falle.

Will heißen: ihr Ding ist der Einsatz des Steins in der Architektur, nicht in der Kunst. Sie schätzt es, wenn, wie sie sagt, es Planzeichnungen als Vorgaben gibt und sie das Ergebnis der Umsetzung anhand von Winkel- oder Längenmessungen überprüfen kann.

Dass sie ein besonderes Faible für die Restaurierung entwickelt hat, hängt weniger damit zusammen, dass das einer der Schwerpunkte in ihrem Lehr- und Beschäftigungsbetrieb ist, der J. & A. Kuster Steinbrüche AG Bäch. Der Grund für diese Spezialisierung innerhalb des Steinmetzberufs sei eher die „tiefe Bewunderung für die Kathedralen des Mittelalters“, sagt sie bewundernd.

Und als Restauratorin kommt sie der Arbeit der Handwerkskünstler aus den alten Bauhütten näher als sonst jemand. „Deren Arbeit ist einfach faszinierend“, fügt sie hinzu.

Die Teilnehmer an der Endaussscheidung zum SwissSkills-Wettbewerb 2020 am Zürichsee.

Trotz aller Faszination: geht die Arbeit als Steinmetzin ihr nicht zu sehr auf die Knochen? Sie wiegelt ab und lacht: „Die Arbeit mit Hammer und Meißel ist nicht schwer, und in der Lehrwerkstatt konnte ich die Steine mit dem Kran auf den Bock heben. Die Hände haben mir nie weh getan, solange ich nicht den Meißel verfehlte und mir auf die Hände schlug.“

Jetzt auf der Baustelle aber sei es manchmal schon anstrengend, je nachdem wo und wie sie auf dem Gerüst arbeiten müsse. „Aber ich habe mich daran gewöhnt“, ergänzt sie, und im Gespräch klingt es ein wenig so, als würde sie die körperliche Müdigkeit zum Feierabend sogar schätzen.

Und überhaupt: „Es gefällt mir jeden Tag neu, etwas Tolles aus Stein zu fertigen.“

Da fehlt nur noch eine obligatorische Frage, nämlich ob sie meint, dass ihr Beruf generell etwas für Frauen sein könnte. „Warum nicht?“ kommt die knappe Antwort, „das kann jede Frau, wenn sie es will.“

Und ihr weiterer Berufsweg? Im Moment macht sie eine Weiterbildung in der Denkmalpflege, und als Ergebnis ihres Siegertitels bei den SwissSkills will sie im Jahr 2023 bei den EuroSkills als Vertreterin der Schweiz antreten. Dann finden die Berufsmeisterschaften auf europäischer Ebene in St. Petersburg in Russland statt.

J. & A. Kuster Steinbrüche AG Bäch

(19.05.2021)