Ein geologischer Teppich zeigt in Belgien die Steinlagen aus 540 Millionen Jahren Erdgeschichte

Die Geologische Mauer im Jahr 2020.

„Geologische Mauer“ (Mur géologique) ist der Titel der neuen Attraktion, die bei dem Dorf Comblain-au-Pont etwa 30 km von Lüttich beinahe fertig ist

Belgien ist zwar ein kleines Land, aber man scheut sich dort nicht, auch die ganz großen Themen anzupacken. „Das Paläozoikum ist fertig und das Mesozoikum haben wir gerade begonnen“, schreibt uns Camille Ek.

Wir hatten bei ihm nachgefragt zum aktuellen Stand der „Geologischen Mauer“ (Mur géologique), die derzeit bei dem Dorf Comblain-au-Pont etwa 30 km von Lüttich entsteht. Dort werden die vergangenen 540 Millionen Jahre belgischer „Geschichte” anhand von Steinen aus den jeweiligen Erdzeitaltern dargestellt.

Camille Ek war einer der Initiatoren des Projektes, genauer erzählt: bei einer Führung, die der Geologe machte, zeigte er eine stratigraphische Karte des Landes, also eine Darstellung der Gesteinslagen im Untergrund, und da fragte der Bildhauer Paolo Gasparotto als einer der Teilnehmer, ob man so etwas nicht besser in Stein als auf Papier abbilden würde.

Die Geologische Mauer im Jahr 2020.

Die Idee zog Kreise: in Comblain-au-Pont fand sich ein gemeinnütziger Verein für Natur-Bildung, der sich mit der Vermittlung von Wissen um die Natur beschäftigt, die Dorfverwaltung zeigte sich bereit, ein ehemaliges Steinbruchgelände zur Verfügung zu stellen, und schließlich gab es kleine Unterstützungen unter anderem von der wallonischen Landesregierung. Für die Gestaltung wurde auch der Architekt Architekt Jean-Marc Jodogne gewonnen.

Paolo Gasparotto trommelte ein paar Freunde zusammen und dann begann die Arbeit unter fachkundiger Anleitung. Die Idee war: es wird eine Art von Teppich an einem flachen Hang im Steinbruch ausgelegt; der Teppich bekommt die Form eines Trapezes, um zu vermitteln, dass die Lagen weiter oben auf denen darunter ruhen; ein Meter Höhe entspricht 10 Millionen Jahren.

Plan der Geologischen Mauer, aus: Contrat de Rivière Ourthe, Bulletin n° 88, 2020.

Die Lagen bestehen aus denjenigen belgischen Steinsorten, die in jenen Erdzeitaltern gebildet wurden: ganz unten Quarzite, die entstanden, als Belgien Teil eines Urkontinents auf der Südhalbkugel war, darüber jene Produkte aus Meeresablagerungen oder aus Vulkanismus, die dazukamen, als das Land im Rahmen der Plattentektonik zu seiner heutigen Lage auf der Nordhalbkugel wanderte.

54 m hoch wird der Teppich am Ende sein, an der Basis hat er 25 m Breite und am oberen Ende 15 m.

Deutlich lassen sich die Erdzeitalter anhand der Farben der Steine unterscheiden. Der Fachmann kann daraus zusätzliche Informationen ablesen – viel zu erzählen also bei Führungen, die es einmal geben wird. „Ein Büchlein soll mit der Fertigstellung der Mauer herauskommmen“, schreibt uns Camille Ek. Und fügt hinzu, wissend um den Lauf der Welt: „Bisher hat uns die Zeit gefehlt, um es fertigzustellen.“

Die Initiative hat inzwischen eine Webpage auf Französisch ins Netz gestellt. Comblain-au-Pont ist mit Bussen vom Bahnhof Lüttich-Villemont zu erreichen. Dort hat man einen Fußweg von etwa einem Kilometer hangaufwärts vor sich, bevor man den alten Steinbruch erreicht.

Das Bauteam der Geologischen Mauer. Camille Ek erklärt gerade etwas.

Dr. Francis Tourneur, Generalsekretär des Naturstein-Verbands Pierres et Marbres de la Wallonie, und von Anfang an an dem Projekt beteiligt, äußert in einer Beschreibung, dass die geologische Mauer auch zum Marketing für die heimischen Sorten beitragen soll.

Aber was it, wenn die Gäste aus schierer Begeisterung Steine aus dem Teppich herausreißen und mitnehmen? Das sei bisher nicht geschehen, beruhigt Camille Ek.

Mur Géologique (französisch)

Im Volkspark Berlin-Blankenfeld gibt es eine Geologische Wand, in der die Gesteine aus dem Bundesland Brandenburg zusammengestellt sind.

Im Botanischen Garten in Bielefeld gibt es eine Geologische Erdzeituhr.

Fotos: Jean-Marc Jodogne / J.-M. Marion

(25.06.2021)