La Samaritaine in Paris ist nach 16 Jahren Renovierung wieder als Konsumtempel zu erleben

La Samaritaine (Magasin 2) vom Pont Neuf aus gesehen (2011). Foto: Mbzt / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Markant sind die Fassaden zur Seine hin mit prächtigem Naturstein-Dekor im Jugendstil mit Anklang an das Second Empire und Baron Haussmann

Paris hat seinen Konsumtempel La Samaritaine wieder, der 16 Jahre lang renoviert und am 23. Juni 2021 neu eröffnet wurde. Das Gebäudeensemble direkt an der Seine und am Pont Neuf strahlt wieder die Eleganz und den Stil der Warenhäuser des frühen 20. Jahrhunderts aus, als die Vorform des Shopping erfunden wurde und die Mittelschicht in den prachtvollen Gebäuden die Welt des stilvollen Konsums kennenlernte.

Eigentlich handelt es sich bei dem Kaufhaus um 4 einzelne Gebäude, die sich über 2 Straßenblocks am Quai du Louvre und in der Rue de Rivoli verteilen. Sie wurden nach 1870 in Etappen errichtet. Auftraggeber war das Ehepaar Ernest Cognacq und Louise Jaÿ, die in den Jahrzehnten zuvor sich aus kleinsten Anfängen als Straßenhändler beziehungsweise Verkäuferin zu reichen Unternehmern hochgearbeitet hatten.

Besonders markant waren die Gebäudeerweiterungen durch den Jugendstilarchitekten Frantz Jourdain zwischen 1903 und 1907.

Fassade des Magasin 2 von der rue de la Monnaie aus gesehen (2013). Foto: O. Taris / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Auf seinen Schüler Henri Sauvage gehen die Fassaden mit den imposanten Pfeilern aus Naturstein zurück: die Stadt hatte sich zuvor über die Entwürfe im Jugendstil mit viel Glas mokiert, also nahm der Architekt sich ein Vorbild am Paris von Baron Haussmann und des Second Empire und fügte außen das markante steinerne Dekor aus Kalkstein Comblanchien an.

Auch wenn die Steinblöcke im Erdgeschoss massiv und einen Meter dick sind, haben sie keine Funktion für die Statik. Vor der Renovierung waren sie stark beschädigt und mit zahlreichen Abplatzungen sehr unansehnlich geworden.

Der Kalkstein Comblanchien, wegen seiner Adern auch als Marmor vermarktet, kommt aus dem Ort gleichen Namens im Burgund. Er ist sehr hat und hat eine besonders feine Kristallstruktur, weshalb er bei Architekten beliebt ist. Verwendet wurde er auch in der Opera Garnier oder neuerdings für die Treppe unter der Pyramide des Louvre.

Alle Fassaden strahlen nach der Renovierung in ihrer ursprünglichen Schönheit wieder. Eine Besonderheit sind die Jugendstilfliesen, hergestellt als Email mit Lavagestein als Trägermaterial.

Neu ist die gewellte gläserne Außenhaut am Neubau des Magasin 4 zur rue de Rivoli hin. Unter anderem für sie zeichnen die Architekten des japanischen Büros Sanaa verantwortlich. Wieder gab es einen heftigen Streit mit Gegnern der Gestaltung, so dass die Arbeiten mehrere Jahre ruhten.

Ein besonderes Schmuckstück im Inneren ist wieder das Glasdach und die monumentale Treppe im Jugendstil. Penibel wurde bei der Renovierung auf die Details geachtet.

Detail der Fassade. Foto: Juawei Guo / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Für die Fußböden auf verschiedenen Etagen und für weitere Details kamen zahlreiche exklusive Marmorsorten zum Einsatz. Die New Yorker Designerin Karin Pearse hatte bei diesen Arbeiten die Federführung.

Rund 500 Millionen € nennt der Luxuskonzern LVMH als Kosten für die Renovierung. Neben der Nutzung als Konsumtempel gibt es in dem Komplex nun auch ein 5-Sterne-Hotel, 96 Sozialwohnungen, Büros und eine Kinderkrippe.

Witzig sind die beiden Videos, die wir unten verlinkt haben. Sie künden von den 1960ern und 1970ern, als das Kaufhaus mit dem Slogan „On trouve tout à la Samaritaine“ (Bei Samaritaine findet man alles) um Kunden werben musste. Nach Verlusten in den 1990ern wurde es 2001 an LVMH verkauft. Zuletzt war die Gebäudesubstanz so marode, dass das Ensemble wegen Brandgefahr geschlossen wurde.

Der Name La Samaritaine geht auf ein Pumpwerk zurück, das den Louvre und die Tuilerien mit Wasser aus der Seine versorgte.

Ausführlich beschrieben sind Gebäude und Firma in dem Buch „La Samaritaine“ (Jean-François CABESTAN et Hubert LEMPEREUR, Editions Picard, 2015).

La Samaritaine

Video (1, 2)

Association Pierre de Bourgogne: Kalkstein Comblanchien

Die Kirche Saint-Eustache (Mitte) und La Samaritaine (rechts), vom Tour Montparnasse aus gesehen (2014). Foto: David MacSpadden / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

(27.06.2021)