Die weltweite Knappheit an Baustoffen wie Bauholz oder Stahl wird wahrscheinlich keine Folgen für die Natursteinbranche haben

Die private Nachfrage nach Natursteinprodukten stieg während der Pandemie.

Interessant aber ist die Frage, ob die Branche sich vielleicht mit Ersatzmaterialien für solche Situationen ins Gespräch bringen kann

Weltweit gibt es seit einigen Monaten eine Knappheit an verschiedenen Grundstoffen für die Wirtschaft, etwa Bauholz, Stahl und Aluminium aber auch Mikrochips. Bei manchen, etwa Holz, haben sich die Preise verdreifacht, und die Autoindustrie in den USA rechnet wegen des Mangels an elektronischen Bauteilen schon mit einem Rückgang der Produktion an Fahrzeugen in diesem Jahr.

Wir haben herumgefragt, ob die aktuelle Lage auch die Natursteinbranche betreffen könnte. Schließlich werden Marmor, Granit und Co hauptsächlich in der Baubranche verwendet. Vertreter aus der Türkei und aus Brasilien waren sich aber einer Meinung, dass sie die Auswirkungen nicht zu spüren bekommen.

Hinter der Knappheit an Grundstoffen steht eine Reihe von Gründen:
* nach dem Einbruch der Weltkonjunktur im Jahr 2020 infolge der Pandemie waren in vielen Ländern seit Dezember die Volkswirtschaften unerwartet schnell wieder auf Touren gekommen. Der neuen Nachfrage standen jedoch leere Lager gegenüber, da viele Firmen während der Pandemie ihre Produktion reduziert und die Bestände abgebaut hatten. Zudem behindert aktuell das von der Pandemie verursachte Durcheinander in den Transportketten [supply chain] – Stichwort: Knappheit an Containern – die Versorgung.
* vermutlich spielen auch die Importzölle des vorherigen US-Präsidenten Trump eine Rolle, die er für Stahl und Aluminium aus Europa beziehungsweise Schnittholz aus Kanada verhängt hatte.
* was speziell die explodierten Preise für Bauholz in den USA betrifft, sieht die Warenbörse in Chicago (Chicago Mercantile Exchange) die Gründe ebenfalls in der Pandemie: „Aufgrund des Lockdowns hatten die Leute weniger Gelegenheit, ihr Geld auszugeben, und so suchten sie sich größere Häuser oder investierten in die Renovierung ihrer Eigenheime“. “The shutdowns that occurred as a result of the novel coronavirus meant people had nowhere to go and less places to spend their money, so they started to look for bigger homes or began to tackle home renovation projects.“

Die Steinbranche hat enorm davon profitiert. Wir hatten berichtet. Hier könnte es zu einer Abschwächung kommen.

Der Trend aber hält weiter an, konstatieren alle Beobachter einhellig. Inzwischen nehmen auch die Investitionen in die Outdoor-Bereiche der Eigenheime zu, etwa den Grill auf der Terrasse oder den Pool im Garten.

Über die Erwartungen der brasilianischen Natursteinexporteure sprachen wir mit Fábio Cruz, Vizepräsident beim landesweiten Natursteinverband Centrorochas. Er sieht – zumindest kurzfristig – keine Auswirkungen auf die Natursteinexporte seines Landes: „Die brasilianischen Exporte für den amerikanischen Markt sind nach wie vor im Wesentlichen Platten für lokale Händler und Verarbeiter. Das bedeutet, dass wir von den Bauprodukten entfernt sind.“ Das heißt: auch seiner Einschätzung nach wird die große Nachfrage von privater Seite anhalten.

Was hingegen größere Bauprojekte in den USA wie Hotels oder ganze Wohnanlagen angeht, spielt Brasilien bisher als Lieferant keine große Rolle.

Die Türkei war in diesem Bereich schon mehr erfolgreich. Der Präsident des in Izmir angesiedelten Verbands EIB (Aegean Exporters‘ Associations), Mevlüt Kaya, erwartet nach der Pandemie aber auch hier keine großen Einbrüche: „Die Bautätigkeit wurde mit dem Neustart der Wirtschaft schnell wieder aufgenommen, so dass unsere Natursteinexporte im Jahr 2021 im Vergleich zu 2020 um 50% gestiegen sind. Wir gehen davon aus, dass sich diese positive Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzen wird.“

Auf einen anderen Aspekt wollen wir noch hinweisen: in verschiedenen Diskussionen stellten Experten schon die Frage, ob nicht die erwähnten knappen Materialien durch andere ersetzt werden könnten. Das ist am Bau jedoch kaum möglich, sobald ein Projekt einmal geplant und genehmigt ist.

Interessant aber ist diese Option dennoch für die Natursteinbranche: zum Beispiel hat die Schweizer Firma Bärlocher vor einigen Jahren Sandwiches aus Beton mit Wärmeisolierung und Natursteinverkleidung auf den Markt gebracht, die in einem Pilotprojekt zum Einsatz kamen und sich dort bewährt haben (siehe Link).

Bisher wurden jedoch viel zu wenig solcher innovativen Ideen entwickelt, mit denen die Firma für einen Krisenfall bereitstehen könnten.

Gleichzeitig aber, das muss man auch konstatieren, hat die Steinbranche in der Covid-19-Pandemie Eigenschaften unter Beweis gestellt gelegt, die in Krisenzeiten gefragt ist: Widerstandsfähigkeit und Flexibilität. Hier liegt ihre Stärke darin begründet, dass es sich um vergleichsweise kleine Unternehmen handelt und es eine Stein“industrie“ gar nicht gibt.

Chicago Mercantile Exchange

Centro Brasileiro dos Exportadores de Rochas Ornamentais (Centrorochas, portugiesisch)

EIB (Aegean Exporters‘ Associations)

See also:

(05.07.2021)