Die neuen Gegner des Marmorabbaus rund um Carrara sehen sich als Kämpfer für die Befreiung der Berge vom „Joch der Steinbrüche“ und schlagen scharfe Töne an

Blick auf die „Weißen Berge“ von Carrara. Foto: Albarubescns / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

„Geben wir ihnen (den Bergen) eine andere Zukunft als die jetzige“, schreiben die Aktivisten von Apuane Libere auf ihrer Webpage

Update: der Gegenprotest der Steinfirmen (siehe unten)

In den Apuanischen Alpen um Carrara ist der Tonfall zwischen Steinbruchbetreibern und Umweltschützern noch rauer als ohnehin schon geworden. Am vergangenen Sonntag (04. Juli 2021) zogen wie schon im Vorjahr Gruppen von Aktivisten auf die Gipfel in der Gegend, um in einer „liebevollen Umarmung der Berge“ ein Ende der Marmorgewinnung („Basta Cave“) zu fordern, wie die Tageszeitung Il Tirreno berichtet. Umgekehrt hatte der Natursteinverband Cosmave erstmals seine Mitglieder aufgerufen, die Steinbrüche symbolisch zu besetzen und so die Bedeutung der Branche für die Region und den „Zusammenhalt zwischen Firmen, Arbeitern und deren Familien“ deutlich zu machen.

Reichlich wurden Fahnen geschwenkt und Transparente ausgerollt, eines von den Aktivisten mit 170 m² Fläche und der Aufschrift „Liberiamo le Alpi Apuane“ (Befreien wir die Apuanischen Alpen).

Eigentlich also nur Business as usual, wie man ihn in der Gegend schon lange kennt. Allerdings schrieb die Tageszeitung La Nazione „Jetzt ist es ein Schlachtfeld geworden“, auch wenn man bisher nur mit Worten und nicht mit den Fäusten aufeinander losgehe.

Inzwischen fühlen sich die Marmorfirmen „falschen Anschuldigungen und Verleumdungskampagnen“ ausgesetzt. Die Aktivisten würden mit falschen Behauptungen in den Sozialen Medien Stimmung machen.

Seit April 2021 ist ein neuer Spieler in dem Konflikt aufgetaucht, und er scheint die Konfrontation gezielt zu betreiben. Es handelt sich um „Apuane Libere“, einen Zusammenschluss verschiedener Gruppen von Aktivisten und Umweltschützern. Seine Mission ist, wie der Name sagt, ein Befreiungskampf.

Zwar wird auf der Webpage auch mit dem Schutz für die Tier- und Pflanzenarten in der Region argumentiert, und in der Selbstdarstellung steht ganz vorne, dass man „gewaltfrei“ agiere.

Allerdings zieht sich als roter Faden durch alle Argumentationen eine krude Liebe zu den Bergen.

Die Aktivisten wollten „die Befreiung dieser felsigen Geschöpfe von dem zerstörerischen Joch“ („la liberazione di queste creature rocciose, dal giogo distruttivo“), heißt es.

Steinbrüche seien „barbarische Abbaustätten, die sie (die Berge) täglich Stück für Stück zerstören“ („barbari siti estrattivi che giornalmente la demoliscono pezzo per pezzo“).

Schon bei der Aktion auf den Berggipfeln im Jahr 2020 hatten die Aktivisten bedenkliche Worte gewählt: auf einem Grat war ein Transparent mit der Botschaft „Le cave uccidono il passato e il futuro delle Apuane“ (Die Steinbrüche töten die Vergangenheit und die Zukunft der Apuanischen Alpen) ausgerollt worden.

„Geben wir ihnen (den Bergen) eine andere Zukunft als die jetzige“, heißt es auf der Webpage.
 

Gegenprotest der Steinfirmen

Eine der Aktionen der Steinfirmen, hier im Steinbruch Cervaiole in 1150 m Höhe. Foto: Henraux
Die Firma Henraux, die in diesem Jahr ihr 200. Jubiläum feiert, hatte sich dem Aufruf des Verbands Cosmave angeschlossen und ihren Steinbruch von Cervaiole mit ihren Arbeitern symbolisch besetzt. Der Bruch ist seit vielen Jahren ein besonderer Dorn im Auge der Kritiker, wird aber mit einer Genehmigung der Behörden unter strengen Auflagen betrieben.

In einer Pressemitteilung beklagt der Präsident von Henraux, Paolo Carli, dass die Umweltschützer mit Polemiken und unwahren Behauptungen die Firmen der Steinbranche nur beschimpfen würden.

Er fordert, dass ein Dialog zwischen beiden Seiten vom Verständnis für die lange Geschichte und die Bedeutung der Marmorbranche für die Menschen in der Region geprägt sein müsse: „Ein solcher Dialog muss vom Respekt gegenüber den Arbeitnehmern ausgehen, die ihre Familien ernähren, die Hypothek für das Haus bezahlen, ihre Kinder studieren lassen … und sich auf eine gute Rente am Ende ihres Arbeitslebens verlassen.“ Das sei das Verdienst der Unternehmen, und die Menschen hätten das bei der Steinbruchbesetzwung deutlich gemacht.

In der Pressemitteilung dankt er audrücklich der Gewerkschaftssekretärin Alessia Gambassi (CGIL) und dem Abgeordneten Umberto Buratti (Partido Democratico), die auf dem Cervaiole in 1150 m Höhe dabei waren. Auch Senator Massimo Mallegni wird ausdrücklich als Unterstützer erwähnt.

Apuane Libere (italienisch)

Cosmave (italienisch)

(06.07.2021)