www.stone-ideas.com

Architektur: Ideen für Mauern und Fassaden (2)

(Oktober 2010) Das Blätterwerk eines großen Baumes zeichnet die Villa Saitan im japanischen Kyoto nach. Es handelt sich um eine Gemeinschaftswohnanlage mit elf Apartments auf mehreren Etagen, die von außen wie ein einziges Haus aussehen. Die Außenwand ist mit dem brasilianischen Granit Giallo Cecilia verkleidet.

Spannend ist die Gestaltungsidee auf jeden Fall nicht nur für den Betrachter. Auch den Planern von Eastern Design Office wurde einiges abverlangt: Zahlreiche ungewöhnliche Lösungen im Inneren zog die Fassade nach sich. Auch von den Bewohnern verlangen die Balkone wie Lichtschlitze einiges ab. Ungewöhnlich ist auch der Zugang: Im Erdgeschoss führt ein Korridor von Seitenstraße zu Seitenstraße, von ihm aus erschließen sich die Wohnungen. Das wiederum soll das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner unterstreichen, so die Architekten.

Eastern Design Office

„Das Gebäude scheint wie aus der Erde gewachsen“, schrieben die holländischen Architekten zu ihrem Centro de Negocios y Convenciones (Kongress- und Theaterhaus) in der spanischen Stadt Lleida. Im Gegensatz dazu mag mancher Betrachter denken, er hätte es eher mit einem Ufo zu tun: erstes und zweites Geschoss ragen weit in den Platz hinein, so dass dort eine überdachte Fläche entsteht. Im 2. Geschoss zieht sich eine Fensterfront um das Gebäude, von der aus man eine prächtige Aussicht hat. Oben auf dem Flachdach gibt es den Turm für die Bühnentechnik und einen begehbaren Garten.

Die Fassade ist mit einem Pixelmuster aus dem Schiefer „Morisca Oro“ verkleidet, den die spanische Firma Samaca lieferte. Die Böden im Inneren sind mit Marmor belegt. Kernstück ist der Theatersaal mit 1000 Sitzplätzen. Seine Wände sind mit dunklem Holz verkleidet, in das Strukturen von Bäumen eingeschnitten sind. Hinterleuchtet soll es den Eindruck eines Obstgartens schaffen, so die Idee von Mecanoo Architects aus dem holländischen Delft.

Als wollte sie sich verbergen, hat die Casa Cuatro in Tunquen an der chilenischen Pazifikküste zum Land hin eine hohe Mauer, die mit Bruchstein verkleidet ist. Das gibt dem Haus etwas Wildes, so dass es zu der zerklüfteten Landschaft über dem meist tosenden Ozean passt. Die Mauer hat jedoch auch eine statische Funktion: An sie ist das schmale Haus mit 2 Stockwerken und knapp 140 m² Fläche angelehnt, da es nur aus einem leichten Holzrahmen besteht [lightweight timber frame]. Zudem wirkt sie als Wärmespeicher. Da das Haus ziemlich abgelegen ist, wurden größtenteils lokale Materialien verwendet. Der Schiefer, mit dem die Mauer verkleidet ist, kommt an der Küste häufig vor und hält auch die salzige Seeluft aus.

Die Architekten waren foster bernal Arquitectos.

Den Stein lieferte die Firma Piedras Almarza (Mail).

Die Dimensionen liegen außerhalb des Gewöhnlichen: Die Travertin-Fassadenelemente am E-Science Lab HIT der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sind bis zu 3,65 m hoch und 690 kg schwer. Das bedeutete nicht nur, dass man für sie im Steinbruch Rohblöcke von über 4 m Länge gewinnen musste, sondern auch, dass eine spezielle Apparatur für die Installation mit einem Kran zu entwickeln war.

Genau 717 dieser Elemente mit 90 cm Breite und 7 cm Dicke sind vor den Glasscheiben des sechsstöckigen Wissenschaftsgebäudes gesetzt. Sie sind nicht nur Dekoration, sondern dienen auch als Verschattung der Außenhaut. Das Gebäude bekam in diesem Jahr den österreichischen Staatspreis für Nachhaltigkeit im Bauen und ist ein Niedrigenergiehaus. Details sind im Heft 1/2009 der Zeitschrift Naturstein beschrieben.

Die Architektur kam von dem österreichischen Büro Baumschlager + Eberle.

Ein Gebäude in die Umgebung zu integrieren ist eine häufige Aufgabe für Architekten. Sehr wörtlich genommen hat das beim Petter Dass Museum das norwegische Büro Snøhetta, zuletzt vielfach ausgezeichnet für die Oper in Oslo, ausgeführt in Carrara Marmor. Diesmal haben die Architekten aus einem flachen Felsrücken ein Stück herausgeschnitten und in dieses das Museum hineingestellt. Das Gebäude ist etwas schmaler als der Ausschnitt, so dass die Besucher herumgehen und die glatte Granitwand betasten können.

Solche Geländeschnitte mit Steinbruchwerkzeugen werden in Norwegen häufiger gemacht. Denn dort gibt es viele rundliche Felsrücken, die sich über lange Distanzen ziehen. Entstanden sind sie, als die Eiszeiten die hohen Berge abschliffen – die Gletscher transportierten damals Eismassen von mehr als 2 km Höhe übers Land!

Petter Dass ist einer von Norwegens berühmtesten Dichtern. Er lebte von 1689 bis 1707 und war auch als Pfarrer tätig. Deshalb zeigt der Geländeausschnitt auf der einen Seite auf das Kirchlein, in dem der Dichter wirkte. Auf der anderen Seite geht er auf eine Bucht hinaus – vom Obergeschoss des Museums hat man auf dieser Seite einen prächtigen Panoramablick. Der Standort des Museums ist die Ortschaft Alstahaug.

Snøhetta