Ein anregendes Suchspiel: Neïl Beloufas Installation „Die Moral der Geschicht’” auf der Piazza Liberty in Mailand

Neïl Beloufa, „Die Moral der Geschicht’”, 2021.Neïl Beloufa, „Die Moral der Geschicht’”, 2021.

Die Firma Henraux hat eine Fabel des Künstlers als Bas-Reliefs aus Marmor umgesetzt

Soll die Story aus der Wüste uns zum Träumen bringen? Oder will sie uns helfen, die Folgen des kapitalistischen Eigennutzes zu erkennen? Neïl Beloufa erzählt in seiner neuesten Installation mit dem Titel „Die Moral der Geschicht’” eine von ihm selbst erdachte Fabel von einem halb verdursteten Kamel, das eine Gruppe von Wüstenfüchsen (Fenneks) für seine Zwecke einspannt, die ihrerseits wiederum ein Ameisenvolk ausnutzen – und am Ende geht die ganze Sache für alle nachteilig aus.

Die Installation ist noch bis 20. September auf der Piazza Liberty in Mailand zu sehen. Realisiert hat sie die Firma Henraux aus der Nähe von Carrara für ihre Stiftung – klar, dass die Installation aus Marmor besteht. Henraux feiert in diesem Jahr ihr 200. Jubiläum.

Neïl Beloufa, „Die Moral der Geschicht’”, 2021.

Würde man dem französisch-algerischen Künstler Neïl Beloufa die Frage nach der Aussage seiner Fabel stellen, würde er wahrscheinlich mit den Schultern zucken. Denn er will gerade nicht mit seinem Kunstwerk Stellungnahmen abgeben. Er will, dass der Betrachter sich selber auf den Weg durch die Assoziationen begibt und am Ende zu seinem individuellen Erlebnis kommt.

Zuvor war die Installation in anderer Form in einer Galerie in London zu sehen gewesen. In Mailand hat Beloufa das kleine Amphitheater auf der Piazza im Zentrum der Stadt als Schauplatz gewählt, wo der Besucher vom normalen Straßenniveau aus ein paar Treppen tiefer gehen muss, um an die Kunstobjekte heranzukommen.

Neïl Beloufa, „Die Moral der Geschicht’”, 2021.Neïl Beloufa, „Die Moral der Geschicht’”, 2021.

Aus der Entfernung betrachtet, handelt es sich um 4 Tische mit Bänken, die aus einem Biergarten stammen könnten und zum Hinsetzen und vielleicht sogar zum Picknick einladen.

Zum Hinsetzen vielleicht, zum Picknick aber sicher nicht. Denn die Tischplatten sind als Bas-Reliefs gestaltet, tragen also Vertiefungen und Erhöhungen. Verwendet wurden verschiedene Marmorsorten.

Über einen QR-Code kann man sich die Erzählung vorlesen lassen.

Natürlich fangen die Besucher sofort an, in den Strukturen in den Tischplatten die Episoden und die jeweils handelnden Tiere zu suchen – alsbald aber erkennen sie, dass es sich bei den Darstellungen nur um Andeutungen handelt. Ein Zusammenspiel der Formen oder gar die ganze Story ist nicht zu erkennen.

Fondazione Henraux

Neïl Beloufa.

(26.07.2021)