Die Washington National Cathedral würdigt den Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel mit einer Büste an ihrem Portal der Menschenrechte

Büste von Elie Wiesel in der Washington National Cathedral.

Das Gotteshaus versteht sich als eine Stätte zum Beten zu Gott, aber auch für das Engagement auf der Erde gegen „Hass, Bigotterie und Antisemitismus“

In der Washington National Cathedral in der Hauptstadt der USA gibt es seit einigen Monaten eine Büste von Elie Wiesel, Holocaust-Überlebender, Friedensnobelpreisträger und Kämpfer gegen Ungerechtigkeiten jeglicher Art. Geschaffen von dem Bildhauer Sean Callahan nach einem Modell von Chas Fagan befindet sich die Skulptur am so genannten Portal der Menschenrechte. Dort werden Personen gewürdigt, die sich „für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Bürgerrechte und das Wohlergehen anderer Menschen“ eingesetzt haben, wie es in einer Presseerklärung der Kathedrale heißt. Andere Büsten dort stellen Rosa Parks, Mutter Teresa, Jonathan Daniels oder Eleanor Roosevelt dar.

Elie Wiesel wurde 1928 in Rumänien geboren und im Jahr 1944 zusammen mit seiner Familie in die Vernichtungslager von Auschwitz und Buchenwald deportiert. Die Erfahrungen im Lager schilderte er in dem Buch „Night“.

Wiesel verstand sein Überleben als Verpflichtung, sich in den Dienst für Menschlichkeit und der Menschenrechte zu stellen. Er wollte, dass die Menschheit aus der Geschichte lernt und erkennt, was Menschen anderen Menschen und damit auch der Welt antun können.

„Wir sind demütig, sein Ebenbild in der Kathedrale willkommen zu heißen, und beten, dass sein Beispiel und sein Vermächtnis ein Segen und eine Inspiration für alle sein werden, die hierher kommen“, der Kathedrale, The Very Rev. Randolph Marshall Hollerith.

Sean Callahan (rechts) und Chas Fagan mit dem Modell der Büste und der Büste.

Das Gotteshaus mit der Adresse 3101 Wisconsin Ave versteht seine Rolle weit offener als die meisten anderen Häuser einer Religion. „Die Präsenz von Wiesels Konterfei neben anderen prominenten Verteidigern der Menschenrechte aus verschiedenen Glaubenstraditionen unterstreicht das Engagement der Kathedrale gegen Hass, Bigotterie und Antisemitismus“, heißt es in der Presseerklärung. „Inspiriert von Wiesels Lebenswerk und seinem Vermächtnis, verpflichtet sich die Kathedrale zu nachhaltigem interreligiösem Dialog und Handeln, um den Fortschritt zu schützen, für den er zu Lebzeiten gekämpft hat.“

Hunderte von Skulpturen finden sich, wie üblich in Kathedralen, über das ganze Gebäude innen und außen verteilt, darunter Figuren der Bibel, Heilige des Christentums und Personen der amerikanischen Geschichte wie Abraham Lincoln oder Martin Luther King Jr.

Gelegentlich tritt dabei an die Stelle von Ernst und Erdenschwere auch der reine Spaß, dies ebenfalls wie üblich bei Kathedralen: seit es in den 1980ern einen Wettbewerb für neue Wasserspeier gab, befindet sich an einer Stelle ganz oben am Nordwest-Turm – „auf der dunklen Seite der Kathedrale“ – eine Büste von Darth Vader, dem Bösewicht aus dem Film Krieg der Sterne. Sie ist nur mit einem Fernglas zu sehen, wird aber auf einer Webpage der Kathedrale mit einem spaßigen Video vorgestellt.

Washington National Cathedral

Darth Vader an der Washington National Cathedral

Restaurierung der Kathedrale nach dem Erdbeben 2011

Fotos: Washington National Cathedral

(11.08.2021)